Altersvorsorgedepot: Studie prognostiziert knapp drei Millionen Neuverträge 2027

7.10.2026 – Marktforscher haben die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zum Absatzpotenzial der neuen Produkte zur geförderten privaten Altersvorsorge vorgestellt. Demnach erwarten sie nach dem Jahreswechsel etwa 2,9 Millionen Abschlüsse mit einem durchschnittlichen Sparbeitrag von rund 142 Euro pro Monat. Zusammen mit den staatlichen Zulagen erwarten sie ein Volumen von sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Die Sirius Campus GmbH und die Aeiforia GmbH haben die Ergebnisse ihrer zweiten Online-Umfrage im Rahmen einer Marktuntersuchung zum Absatzpotenzial des Altersvorsorgedepots (AVD, VersicherungsJournal 26.8.2026) veröffentlicht.

Unter dem Titel „Altersvorsorge im Aufwind“ hatten sie bereits im April (4.6.2026) ebenfalls rund 1.000 Förderberechtigte repräsentativ befragt. Hierzu zählen mit der Reform der Riester-Rente zukünftig neben Arbeitnehmern auch Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende (8.5.2026).

Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten hierzulande kennen laut der zweiten Befragung im September bereits 73 Prozent das neue AVD. Für dessen Zulagenförderung sind ab dem kommenden Jahr weder die Verrentung des Ersparten noch eine Beitragsgarantie mehr erforderlich (16.9.2026).

Zunehmende Werbung der AVD-Anbieter

Gegenüber ihrer Vorgängerumfrage verzeichnen die Marktforscher aktuell somit einen Anstieg der Bekanntheit innerhalb eines halben Jahres um 15 Prozentpunkte. Dies führen die Studienautoren auf Nachrichten zum AVD sowie die zunehmende Werbung der Anbieter zurück (18.9.2026).

Unter denjenigen, die das AVD kennen, ist die Abschlussbereitschaft mit 29 Prozent seit April um fünf Prozentpunkte gesunken. Allerdings wollen sich mit nun drei Vierteln der Abschlussbereiten 20 Prozentpunkte mehr innerhalb der nächsten sechs Monate hierzu beraten lassen.

Damit liegt eine konservative Prognose für das Abschlusspotenzial zum Angebotsstart des AVDs Anfang 2027 bei 2,9 Millionen Verträgen. Mit einem durchschnittlichen Sparvolumen je Vertrag von rund 142 Euro im Monat und unter Berücksichtigung der Förderzulagen ergibt sich in der Summe ein Jahresbeitragsvolumen von sechs Milliarden Euro, die sich auf die Anbieter verteilen.

Hoher Einfluss auf die Absatzchancen

Oliver Gaedeke (Bild: Stefan Wernz)
Oliver Gaedeke
(Bild: Stefan Wernz)

„Bei der Verteilung der Neuverträge werden hauptsächlich die aktive Kundenansprache und der Aufbau einer hohen Beratungsqualität ausschlaggebend sein“, sagt Sirius-Campus-Geschäftsführer Dr. Oliver Gaedeke. „Viele Kunden sind noch unentschlossen und haben nur erste Überlegungen, wie viel Beitragsgarantie sie haben wollen und welche Anbieter für sie infrage kommen.“

Laut Gaedeke hat die in den kommenden Monaten verstärkt anstehende Ansprache und Beratung der Kunden zur geförderten privaten Altersvorsorge einen hohen Einfluss auf die Absatzchancen.

Ein „gutes Beratungsgespräch“ sei für viele Förderberechtigte der „wesentliche Treiber für die Aktivierung zum Abschluss“. Die konservative Prognose stellt demnach lediglich das untere Ende einer Skala mehrerer Szenarien dar.

Kunden vertrauen ihrem Vorsorgeberater

Zum Zeitpunkt der zweiten Befragung waren 28 Prozent der Förderberechtigten von ihren Bank- und Bausparkassenberatern, Versicherungsvermittlern oder über Ihr Online-Banking angesprochen worden. Dabei ist den Studienautoren zufolge zu erkennen, dass viele Kunden ihrem bestehenden Vorsorgeberater vorerst auch hinsichtlich der neuen Förderprodukte vertrauen wollen.

„Es gibt immer noch Finanzanbieter, die die Nachfragewelle sogar in ihrem eigenen Bestand unterschätzen“, beobachtet Aeiforia-Geschäftsführer Martin Gattung. Doch möglichst bis zum Jahresende müssten die Vermittler für eine kundenorientierte Beratung geschult werden.

Informationsbedarf besteht beispielsweise zu den Wechseloptionen aus den bisherigen Riester-Produkten. Von deren Kunden sind 44 Prozent mit ihrem Vertrag unzufrieden. Das betrifft vor allem Riester-Rentenversicherungen, wie aus der ersten Befragung hervorgegangen ist.

Viele Riester-Bestandskunden wechseln

Demnach zeigten sich im April 57 Prozent der Kunden noch unschlüssig, ob sie ihren Riestervertrag fortführen. Die meisten von ihnen wollen sich hierzu erst einmal beraten lassen. Nur 26 Prozent der Bestandskunden waren sich bereits sicher, in das neue AVD zu wechseln.

Auf Basis dieser Umfragewerte dürften mindestens 38 Prozent der Kunden ihre Riester-Rentenversicherung im kommenden Jahr kündigen und mit ihrem angesparten Kapitalstock in ein AVD wechseln. Bei den anderen Riester-Varianten sind es jeweils rund ein Sechstel.

Die 9,7 Millionen Rentenversicherungen unter den insgesamt 14,7 Millionen Riesterverträgen haben einen Kapitalstock von insgesamt ungefähr 128 Milliarden Euro. Die erwarteten Wechsel in ein neues AVD dürften davon rund 49 Milliarden Euro abfließen lassen.

Beitragsbefreiung und Kündigungen

Weitere 19 Prozent der Policen-Kunden dürften sich den Studienautoren zufolge für die Beitragsbefreiung entscheiden und ihre zukünftigen Spar- und Zulagenbeiträge ins neue Fördersystem umlenken.

Die Beitragseinnahmen der Assekuranz aus Riester-Rentenversicherungen dürften sich auch angesichts zu erwartender Komplettkündigungen von Vorsorgeverträgen um 3,4 Milliarden Euro beziehungsweise 57 Prozent verringern. Die Sparer drohen dann aber, die Bruttobeitragsgarantie zum Laufzeitende ihres möglicherweise im Minus stehenden Vertrags zu verlieren.

Um solche Fehlentscheidungen zu vermeiden, betonen die Studienautoren die Relevanz guter Kundenberatung. Hiermit beschäftigt sich auch die Ausgabe des VersicherungsJournal-Extrablatts mit dem Titel „Altersvorsorge: Wie Vermittler die Reform nutzen“, die am 26. Oktober erscheint.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Weitere Artikel der Ausgabe vom 7.10.2026
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren