Diese 31 privaten Unfallpolicen sind mehrfach spitze

15.9.2026 – Am deutschen Markt sind laut den Bewertungen von Ascore, Franke und Bornberg sowie Morgen & Morgen viele Top-Tarife verfügbar. Die Ratings und Scorings bieten Vermittlern eine qualitative Orientierung bei der Auswahl der individuell passenden Produkte aus mehreren Hundert Offerten. Neben diesem Testbericht enthält das VersicherungsJournal-Extrablatt 3|2026 Tipps, wie Branchenkollegen Kunden in der Praxis begleiten.

Produktanalysen helfen Vermittlern, professionell den Tarifdschungel in der privaten Unfallversicherung zu durchleuchten. Die Redaktion des VersicherungsJournal-Extrablatts hat sich daher die aktuelle Bewertungslandschaft angeschaut.

Dafür nutzte sie exemplarisch die Ergebnislisten (abgerufen jeweils am 27. Juli 2026)

In ihren Untersuchungen setzen die drei Häuser jeweils auf unterschiedliche Systematiken und Bewertungskriterien.

Franke und Bornberg vergibt sieben Ratingnoten

FuB nutzt als Quellen für das Rating (VersicherungsJournal 19.8.2025) nach eigenen Angaben ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten.

Die Analysten überprüfen die Produkte zunächst dahingehend, in welchen Ausprägungen beziehungsweise Varianten welche Regelungen angeboten werden. Die Qualität der Klauseln ordnen sie in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null für die schlechteste Ausprägung bis 100 für die aus Versichertensicht beste Ausprägung ein. Danach werden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Bedeutung aus Kundensicht gewichtet.

Zur Bewertung der untersuchten Angebote greifen die Hannoveraner auf ein siebenstufiges Notenschema zurück. „FFF+“ stellt die Höchstnote dar und bedeutet „hervorragend“. Die Abstufungen reichen von „sehr gut“ („FFF“) über „gut“ („FF+“) und „ausreichend“ („F+“) bis hinunter zu „ungenügend“ („F–“).

Mindeststandards für die höchsten Ratingklassen

Das Analysehaus gibt für die höchsten Ratingklassen Mindeststandards vor. Damit wird sichergestellt, dass hoch bewertete Produkte in allen Bewertungskategorien durchgängig überdurchschnittlich hohe Qualität aufweisen und überdies Mindestanforderungen in besonders wichtigen Kriterien erfüllen, heißt es in den „Bewertungsgrundlagen Unfallversicherung“ (PDF, 246 KB).

In den insgesamt 62 Detailkriterien, die auf 18 Absicherungsfelder aufgeteilt sind, sind maximal 2.725 Punkte zu erreichen. Für die Höchstnote muss eine Offerte mindestens 85 Prozent davon erreichen. Für die weiteren Noten sind jeweils zehn Prozentpunkte weniger nötig.

Offerten mit weniger als 35 Prozent der Maximalpunktzahl bekommen ein „F–“ („ungenügend“). Insgesamt hat FuB an 59 von 437 unter die Lupe genommenen Tarifen und Tarifkombinationen die Höchstnote „FFF+“ vergeben.

M&M-Rating basiert auf Fragen

Grundlage des „M&M-Rating Unfallversicherung“ (20.2.2025) sind allein die Versicherungsbedingungen. Kriterien wie die Qualität der Anbieter, deren Annahmerichtlinien oder die Gesundheitsfragen blieben unberücksichtigt.

Die Analysten sehen 50 Produkteigenschaften als ratingrelevant an. Diese werden mit Multiplikatoren zwischen eins und fünf unterschiedlich gewichtet.

Die Leistungsfragen können entweder „voll erfüllt“ (entspricht 100 Prozent der Punkte), „eingeschränkt erfüllt“ (50 Prozent der Punkte) oder „nicht erfüllt“ (entspricht null Punkten) sein. Grundsätzlich gilt eine Antwort als „eingeschränkt erfüllt“, wenn weder „voll erfüllt“ noch „nicht erfüllt“ erreicht ist.

Merkmale und deren Gewichtung im Rating

Zu den am stärksten bewerteten Kriterien gehört unter anderem, ob Gesundheitsschäden durch erhöhte Kraftanstrengung oder Eigenbewegung versichert sind. Zu den Fünf-Punkte-Fragen zählt ferner, ob Unfälle durch Bewusstseinsstörungen durch Trunkenheit beziehungsweise Bewusstseinsstörungen durch ärztlich verordnete Medikamente versichert sind.

Die verschiedenen Merkmale und deren Gewichtung sind in der Ratingdokumentation (PDF, 1,3 MB) aufgeführt. Dort werden auch eventuelle Mindestanforderungen für bestimmte Ratingstufen genannt.

Die untersuchten Tarife können nach dem Berechnungsschema bis zu 156 Punkte erhalten. Ab 120 Zählern wird die Ratingnote „fünf Sterne“ („ausgezeichnet“) vergeben. Diese Höchstbewertung haben 141 der 291 unter die Lupe genommenen Angebote erreicht.

Scoring statt Rating bei Ascore

Die Analysten von Ascore unterziehen die Tarife ausdrücklich keinem Rating, sondern einem Scoring-Verfahren (13.12.2019). Dieses umfasst nach Unternehmensdarstellung einen „Kriterienkatalog, der alle wesentlichen Produktaspekte berücksichtigt“.

Neben diversen mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantwortenden Fragen wurde für ausgewählte Anforderungen jeweils eine Benchmark definiert. Wird diese Hürde erfüllt, erhält der Versicherer jeweils einen Punkt. Wie gut der vorgegebene Maßstab erfüllt wird, bleibt unberücksichtigt. Wird die Messlatte verfehlt, vergeben die Analysten keine Punkte. Das Unterschreiten einer Benchmark kann auch nicht durch ein Übererfüllen bei einem anderen Kriterium kompensiert werden.

Das Bewertungsraster besteht aus 50 Score-Kriterien. Hinzu kommen 65 sogenannte Individual-Research- beziehungsweise Info-Kriterien. Verglichen werden dabei Merkmale von B wie Bewusstseinsstörung über G wie Gliedertaxe bis Z wie Zahnersatz. Im letzten Schritt wurden die Scoring-Ergebnisse in „Kompasse“ umgerechnet. Die sechsstufige Bewertungsmatrix reicht von sechs dieser Richtungsanzeiger („herausragend“) bis zu einem Kompass („schwach“).

Hohes Bedingungsniveau

Ascore listet in seinem Online-Ergebnisrechner Bewertungen für 145 Unfall-Offerten von rund vier Dutzend Produktgebern auf. An mehr als jedem vierten Testkandidaten wurden sechs Kompasse vergeben.

Im Internetangebot von Franke und Bornberg werden die Bewertungen für 441 Tarifkonfigurationen von etwa sieben Dutzend Anbietern aufgeführt. Von diesen erhielt knapp jede siebte die Bestnote „FFF+“. Bei M&M erhielt knapp jeder zweite der 291 unter die Lupe genommenen Offerten von gut drei Dutzend Gesellschaften die Top-Note „fünf Sterne“.

Insgesamt wurden 68 Prozent (M&M), 53 Prozent (Ascore) beziehungsweise 44 Prozent (FuB) der untersuchten Produkte in die beiden jeweils besten Notenstufen eingruppiert. In unserer Tabelle sind der besseren Übersichtlichkeit halber nicht alle von den Analysehäusern mit der Höchstnote bedachten Tarifvarianten enthalten. Verzichtet wurde auf um bestimmte Bausteine ergänzte Lösungen, wenn bereits das Grundprodukt die Höchstnote erhalten hat.

Recht kleine Schnittmenge

Die Sterne, F-Anzahl oder Kompasse weisen unter dem Strich den Weg zur Einschätzung der Bedingungsqualität. Der Preis bleibt bei allen Testern außen vor. Der Vermittler muss im Kundengespräch ausloten, welches Produkt das passende Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Insgesamt erhielten 83 Angebote von mindestens einem Analysehaus die Spitzennote. Trotz der unterschiedlichen Bewertungssystematiken und der Anzahl der untersuchten Tarife gibt es bei den Topergebnissen der Analysehäuser eine relativ große Schnittmenge von 18 Offerten.

Sie bekamen von allen Vergleichern die Bestnote, teilweise aber nur in Verbindung mit weiteren Bausteinen (siehe Fußnoten). Dies sind die in der Tabelle gefetteten Tarife. Daneben bekamen 13 weitere Angebote von immerhin zwei Testern die jeweilige Höchstnote.

Diese 31 Angebote erhalten von mindestens zwei Analysehäusern die jeweilige Spitzennote

Anbieter

Tarif

Ascore

M&M

FuB

Adam Riese GmbH

Riesig

★¹²

Adcuri GmbH

Premium-Schutz

★¹

★¹³

Alte Leipziger Versicherung AG

classic

kH

★¹⁴

 

comfort

★¹⁴

Arag Allgemeine Versicherungs-AG

Premium

★²

★¹⁵

Barmenia Allgemeine Versicherungs-AG

Premium-Schutz

★¹

★¹⁶

BA die Bayerische Allgemeine Versicherung AG

Komfort

kH

 

Prestige

★³

★⁹

★¹⁷

Baloise Sachversicherung AG Deutschland (auch „Helvetia“)

Gold

die Haftpflichtkasse VVaG

Einfach Komplett

★⁴

Domcura AG

Top-Schutz

kH

Gothaer Allgemeine Versicherung AG

Premium

★¹⁸

Hansemerkur Allgemeine Versicherung AG

Best Gold

Ideal Versicherung AG

UnfallSchutz Exklusiv

Inter Allgemeine Versicherung AG

Premium

★¹⁹

Interlloyd Versicherungs-AG

Eurosecure Plus

 

Infinitus

Interrisk Versicherungs-AG Vienna Insurance Group

Unfall XXL

★⁵

Janitos Versicherung AG

Best Selection

★⁶

★¹⁰

★²⁰

Konzept & Marketing – ihr unabhängiger Konzeptentwickler GmbH

allsafe bodyguard perfect 2.0

LBN Versicherungsverein a.G.

LBN-BESSER+

kH

Prokundo GmbH

AUSGLEICH BEST

★²¹

 

AUSGLEICH SMART

kH

Rheinland Versicherungs AG

Premium

★¹¹

★²²

Rhion Versicherung AG

Premium

★¹¹

★²²

SLP Swiss Life Partner Vertriebs GmbH & Co. KG

Primus Plus

kH

Stuttgarter Versicherung AG

Unfallvorsorge aktiv Premium

★⁷

VHV Allgemeine Versicherung AG

KLASSIK-GARANT

★⁸

★²³

Wecoya Underwriting GmbH

best protect

 

premium protect

Zurich Insurance Europe AG

PrivatSchutz Top

kH

★²⁴

Mehr zur privaten Unfallsicherung im Extrablatt 3|2026

Extrablatt 3|2026 (Bild: VersicherungsJournal)
Extrablatt 3|2026 (Bild: VersicherungsJournal)

Dieser Bericht ist ein Auszug aus dem VersicherungsJournal-Extrablatt 3|2026 mit dem Titel „Private Unfallversicherung – Mit welchen Konzepten Vermittler finanzielle Katastrophen verhindern“. In dem gedruckten Heft ist die Gothaer fälschlicherweise mit zwei statt drei Höchstnoten verzeichnet ist (siehe Fußnote 18).

Das berichtigte E-Paper steht im Internet zum Herunterladen (PDF; 3,2 MB) bereit.

Dieses Extrablatt dreht sich auch um Zielgruppen und Verkaufsargumente für Vermittler sowie Erfolgsfaktoren bei der Beratung aus der Sicht Sicht von Praktikern.

Die VersicherungsJournal-Extrablatt-Ausgaben ergänzen in gedruckter Form die tägliche Online-Berichterstattung. Die zukünftigen Druckausgaben können über dieses Formular bestellt werden. Das Heft ist – im Inlandsbezug – kostenfrei.

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