Wer hinter dem Lebensversicherer von Trade Republic steht

20.10.2026 – Der Neobroker Trade Republic hat einen Lebensversicherer in Liechtenstein gegründet. In der Geschäftsführung und im Verwaltungsrat sind mit Francis Olivier Blumberg und Dr. Peter Lütke-Bornefeld bekannte Namen der Branche. Insider vermuten, das Unternehmen wolle damit in der staatlich geförderten Altersvorsorge aktiv werden.

Die Trade Republic Bank GmbH, bislang als Neobroker und Digitalbank tätig, hat einen eigenen Lebensversicherer gegründet. Dieser trägt den Namen Justinian Versicherungs AG und hat seinen Sitz in Vaduz (Liechtenstein). Zuerst berichtete der Versicherungsmonitor über den Vorgang.

Am 15. Oktober 2026 erhielt die Gesellschaft von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) die Bewilligung für die Versicherungszweige Lebensversicherung (Zweig 1) sowie anteils- beziehungsweise fondsgebundene Lebensversicherung (Zweig 3) nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz. Das geht aus einer Bekanntmachung der Aufsichtsbehörde hervor.

Erfahrene Experten in der Geschäftsführung

Laut dem Handelsregister des Fürstentums Liechtenstein besteht die Geschäftsführung des Lebensversicherers aus dem Schweizer Versicherungsmathematiker Francis Olivier Blumberg und dem deutschen Betriebswirt Andreas Michael Torner. Beide verfügen über langjährige Erfahrung im Versicherungs- und Bankgeschäft.

Torner ist seit Januar 2022 Geschäftsführer der Trade Republic Bank GmbH. Zuvor war der 66-Jährige mehrere Jahre in leitenden Positionen bei der Deutsche Bank AG tätig, unter anderem als Sprecher der Geschäftsleitung für die Region Südwest.

Von 2007 bis 2010 war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Norisbank GmbH und Mitglied der Geschäftsleitung der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG. Von 2002 bis 2005 gehörte er dem Vorstand der Axa Konzern AG an. Seine berufliche Laufbahn begann er als Berater bei Bain & Company Germany, Inc. und McKinsey & Company, Inc.

Blumberg hat Erfahrung im Lebensversicherungs-Geschäft

Francis Blumberg war in leitenden Positionen bei Swiss Re Group und Partner Re Ltd. tätig. Bei der Swiss Re verantwortete er unter anderem von 2019 bis 2021 als Head of Life & Health Continental Europe das Geschäft mit Lebens- und Krankenrückversicherungen in Kontinentaleuropa.

Von 2021 bis 2022 hatte der Schweizer die Position des CTO bei der Elips Life AG inne, einem in Liechtenstein ansässigen Lebensversicherer für institutionelle Kunden wie Pensionskassen, Unternehmen und Verbände. In dieser Zeit begleitete er den Verkauf des Unternehmens an die Swiss Life AG (VersicherungsJournal 20.12.2023).

Zuletzt war Blumberg bis Juni 2025 Managing Director Life & Health Reinsurance beim Londoner Rückversicherer Howden Re. Seit Juli 2025 arbeitet er selbstständig als Senior Strategy Consultant mit einem eigenen Beratungsunternehmen, der Blumberg Consulting GmbH.

Dr. Peter Lütke-Bornefeld sitzt im Verwaltungsrat

Auch im Verwaltungsrat findet sich mit Dr. Peter Lütke-Bornefeld ein bekannter Name aus der Versicherungsbranche. Der 80-Jährige war bis 2009 für 16 Jahre Vorstandsvorsitzender der Kölnischen Rückversicherungs-Gesellschaft AG (14.1.2009), die in der General Reinsurance AG (Genre) aufging, und ist im Markt durch zahlreiche Aufsichtsratsmandate bekannt.

So war Lütke-Bornefeld unter anderem von 2014 bis Juli 2023 Aufsichtsratsvorsitzender der VHV Holding AG sowie der VHV Vereinigte Hannoversche Versicherung a.G. Von 2008 bis zum 29. Juni 2023 stand er dem Aufsichtsrat der MLP SE vor.

Dem Verwaltungsrat des Versicherers gehören darüber hinaus folgende Mitglieder an:

  • Dr. Kirsten Donner: Die Juristin ist bei Trade Republic für rechtliche Fragen zu Produkten und für Angelegenheiten gegenüber der Finanzaufsicht zuständig. Zudem ist sie Mitglied des Aufsichtsrats des Unternehmensfinanzierers Credion AG und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Credion Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH.
  • Thomas Michael Pischke ist Mitgründer und CTO von Trade Republic. Der studierte Physiker und Software-Entwickler verantwortet die technologische Infrastruktur des Neobrokers.

Garantieprodukt in der staatlich geförderten Altersvorsorge?

Warum der Neobroker mit Banklizenz einen Lebensversicherer gegründet hat, ist nicht bekannt. Trade Republic hat sich bislang öffentlich nicht dazu geäußert. Eine Anfrage der VersicherungsJournal-Redaktion blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Aktuell zählt das 2015 gegründete Unternehmen nach eigenen Angaben zehn Millionen Kunden in 18 Staaten und verwaltet mehr als 150 Milliarden Euro an Vermögen.

Die Wirtschaftswoche berichtet unter Berufung auf Insider, dass die Gründung im Zusammenhang mit der Reform der geförderten Altersvorsorge in Deutschland und der Einführung des Altersvorsorgedepots (AVD) (8.5.2026) stehe.

Demnach wolle Trade Republic ab dem kommenden Jahr auch ein Garantieprodukt anbieten, bei dem zum Ende der Ansparphase mindestens 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge für eine lebenslange Rente oder einen Auszahlplan zur Verfügung stehen müssen.

Eintrag ins Handelsregister fällt mit Reformgesetz zusammen

Der Vorläufer des neuen Versicherers wurde am 26. Mai 2026 unter dem Namen TR-Vorrats AG ins Handelsregister eingetragen. Das Datum fällt mit dem Tag zusammen, an dem das Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz) ausgefertigt und unterzeichnet wurde.

Zunächst wurde die Gesellschaft unter der Zustelladresse der Legacon Treuhand Anstalt in Schaan geführt. Am 2. September 2026 wurde der Firmenname in Trade Republic Assurance AG geändert. Am 2. Oktober erfolgte schließlich die Umbenennung in Justinian Versicherungs AG und die Verlegung des Sitzes nach Vaduz.

Was Trade Republic in der geförderten Altersvorsorge plant

Anfang vergangener Woche hat Trade Republic seine Pläne für das Altersvorsorgedepot vorgestellt. Dabei verzichtet das Unternehmen auf laufende Depotgebühren und Ausführungskosten beim Einzahlen, wie es der Presse mitteilte.

Beim Standarddepot verteilt das Unternehmen die eingezahlten Gelder auf zwei selbst ausgewählte Fonds. Im Laufe der Zeit soll die Anlage nach einem Lebenszyklusmodell schrittweise risikoärmer ausgerichtet werden, je näher der Beginn der Auszahlungsphase rückt.

Daneben bietet das Unternehmen ein sogenanntes Selbstentscheider-Depot an. Bei diesem können Kunden ihre Anlagen selbst aus zugelassenen ETFs, Euro-Staatsanleihen und aktiv gemanagten Fonds zusammenstellen.

Für 51 ausgewählte ETFs der Anbieter BlackRock (iShares), DWS Group GmbH & Co. KGaA (Xtrackers) und Vanguard Group Europe GmbH will Trade Republic zudem die laufenden Produktkosten übernehmen.

Verzicht auf Kosten auch vertraglich zugesichert?

Die AVB für die geförderten Produkte hat der Neobroker zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorgelegt.

Die Finflow GmbH berichtet in einem Video auf der Plattform Youtube, dass sie bei Trade Republic angefragt habe, ob die Erstattung der ETF-Kosten auch langfristig vertraglich zugesagt werde. Das Unternehmen habe ausweichend geantwortet. Zudem falle eine Abwicklungskostenpauschale von einem Euro je Einzelgeschäft an.

Zudem können deutschen Kunden im Falle einer Insolvenz des Versicherers Nachteile durch den Standort Liechtenstein entstehen. So gibt es keinen Sicherungsfonds wie die Protektor Lebensversicherungs-AG, der Verträge im Insolvenzfall fortführt (25.4.2025).

Wird über einen liechtensteinischen Lebensversicherer der Konkurs eröffnet, erlischt der Versicherungsvertrag nach Artikel 31 VersVG vier Wochen nach Bekanntmachung der Konkurseröffnung. Der Versicherungsnehmer kann zwar das Deckungskapital zurückfordern, verliert aber den Versicherungsschutz und gegebenenfalls den Anspruch auf eine lebenslange Rente.

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