Was der „Fall Helmsauer“ für die Konsolidierung bedeutet

9.2.2026 (€) – Seit mehreren Jahren grasen Aufkäufer die deutsche Maklerbranche ab, um mit finanzieller Hilfe internationaler Geldgeber Vermittlerbetriebe hierzulande zu akquirieren. Nach großen Firmen im Geschäft mit Industriepolicen sind zunehmend die kleineren Berater von Privat- und Mittelstandskunden an der Reihe, sagt ein spezialisierter Berater voraus. In der Praxis gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Fonds aber nicht einfach, wie ein Praxisbeispiel beweist.

„Wir sind endlich Versicherungsmakler und Assekuradeur“, berichtet aktuell der Helmsauer-Verbund. Unter dieser Marke tritt die aktuell zugelassene Helmsauer Versicherungsmakler GmbH am Markt auf. Als Assekuradeur der Firmengruppe wurde die neue Helmsauer Zeichnungsstelle GmbH gegründet.

Geschäftsführer beider Unternehmen mit vorläufiger Geschäftsanschrift in einem Nürnberger Co-Working-Haus und jeweils 25.000 Euro Grundkapital sind Bastian Helmsauer (28) und Steffen Helmsauer (25). Zielgruppe sind Unternehmen im Gesundheitswesen, Handwerk und Gewerbe.

Wie genau die beiden Helmsauer-Brüder zukünftig auf eigenen Füßen wirtschaften wollen, konnten sie nach eigenen Angaben krankheitsbedingt nicht erklären.

Neuer Anbieter im Wettbewerb zur Helmsauer-Gruppe

Bernd Helmsauer (Bild: Helmsauer-Gruppe)
Bernd Helmsauer (Bild: Helmsauer-Gruppe)

Fraglich bleibt beispielsweise, inwiefern sie die, laut Medienberichten angestrebte, dreistellige Mitarbeiterzahl (VersicherungsJournal Medienspiegel 4.1.2026) von der Helmsauer-Gruppe und/oder deren mehr als 30 Partnerbetrieben abwerben wollen. Ebenso ist unklar, ob der Helmsauer-Verbund die Arbeitnehmer aus seinen laufenden Einnahmen aus der Tätigkeit als Versicherungsmakler finanzieren kann oder ob es hierfür weitere Einnahmequellen gibt.

Fest steht aber, dass der neue Akteur in Wettbewerb zur Helmsauer-Gruppe tritt, die bis Ende 2025 von ihrem Vater Bernd Helmsauer (60) geführt wurde. Das heutige Oberhaupt der einst namensgebenden Gründerfamilie ist am konkurrierenden Helmsauer-Verbund nach eigenen Angaben weder operativ noch finanziell beteiligt.

Vor dem teilweisen Bruch mit seinen Geschäftspartnern betonte Bernd Helmsauer im Gespräch mit dem VersicherungsJournal, dass man „kein typischer Bestandskäufer“ sei. Stattdessen suche er „spezialisierte Unternehmer, die zu unserem Familienunternehmen passen“.

Schwedischen Private-Equity-Fonds an Bord geholt

Demnach habe die Firmengruppe auch nur „zeitlich befristet einen Private-Equity-Fonds an Bord“. Zwei Jahre zuvor war die in Stockholm ansässige Nordic Capital Ltd. mit einer geplanten Investitionsdauer von wenigen Jahren eingestiegen (17.2.2025).

Das Verhältnis des Helmsauer-Verbunds zur interimistisch vom Juristen Dr. Sven Tischendorf – und seit dieser Woche von Neugesellschafter Marco Gerhardt – geführten Helmsauer-Gruppe (6.2.2026) ist angespannt. Auf Anfrage teilte eine Nordic-Sprecherin lediglich mit, dass man „keine Kommentare zu laufenden Verfahren oder internen Angelegenheiten des Unternehmens abgeben“ könne.

Man „wurde über die Pläne ehemaliger Mitarbeiter informiert“, so die Sprecherin gegenüber dem VersicherungsJournal weiter. Die Gruppe prüfe „alle rechtlichen Optionen, um ihre Marke vor verwirrend ähnlichen Nachahmungen und gegen Wettbewerbsrechtsverstöße zu schützen“.

Familienunternehmen seit Jahrzehnten bekannt

Der fast namensgleiche Helmsauer-Verbund hat nach eigenen Angaben seit Beginn der Verhandlungen mit Versicherern im Januar mehr als 15 Zusagen „namhafter Gesellschaften“ erhalten. Das vergleichsweise junge Alter der zwei Co-Chefs habe dabei eine Nebenrolle gespielt. Denn viele Versicherer kannten das 1963 gestartete Familienunternehmen bereits seit Jahrzehnten.

„Diese gewachsenen Beziehungen stehen für Kontinuität, Haltung, Anstand und Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit“, kommentiert der Helmsauer-Verbund. „Loyalität, Vertrauen und langfristiges Denken sind für uns keine Schlagworte, sondern die Grundlage unseres täglichen Handelns.“

Diesen Anspruch an die Unternehmensphilosophie unterstreiche der umgehende Beitritt zum globalen Maklernetzwerk der Trust Risk Control International Insurance Development GmbH. Er sei „ein wichtiger Schritt, um internationale Programme für unsere Mandanten effizient zu steuern und Risiken ganzheitlich abzusichern.“

Interessen von Versicherungsvermittlern vertreten

Michael H. Heinz (Bild: BVK)
Michael H. Heinz (Bild: BVK)

Ebenso war es für den Helmsauer-Verbund „eine unserer ersten Maßnahmen, den Mitgliedsantrag beim Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK) zu stellen. „Wir stehen zu einem starken BVK, welcher die Interessen von uns Versicherungsvermittlern gesamthaft vertritt.“

Der Vater des Geschäftsführer-Duos ist seit der Gründung des BVK-Maklerbeirats Ende 2022 Mitglied dieses Gremiums (29.10.2025). „Bernd Helmsauer bringt durch seine unternehmerische Erfahrung und seine tiefe Kenntnis der Maklerpraxis wertvolle Perspektiven in die Verbandsarbeit ein“, erklärt BVK-Präsident Michael H. Heinz auf Anfrage des VersicherungsJournals.

„Der BVK schätzt ihn als konstruktiven Gesprächspartner und wichtigen Vertreter der maklerorientierten Sichtweise im Verband.“ Trotz der offensichtlichen Meinungsverschiedenheiten über die Strategie der Helmsauer-Gruppe hoffe er, dass beide Betriebe BVK-Mitglied bleiben.

„Für uns ist die unternehmerische Eigenständigkeit der Vermittlerinnen und Vermittler ein wichtiges Prinzip.“

Michael H. Heinz, BVK-Präsident

Wachsendes Engagement internationaler Investoren

Grundsätzlich blickt der Verband mit Sorge auf das Vorgehen des schwedischen Mehrheitseigners, der durch überwiegend kreditfinanzierte Zukäufe von Maklerbetrieben wächst. Denn für den BVK sei „die unternehmerische Eigenständigkeit der Vermittlerinnen und Vermittler ein wichtiges Prinzip.

Sie sichert die Freiheit, strategische Entscheidungen ohne externe Renditeinteressen zu treffen und damit dauerhaft vertrauensvolle Strukturen im Vermittlerbetrieb zu erhalten“, so Heinz. „In einem Markt, der sich zunehmend durch Konsolidierung und kurzfristige Kapitalstrategien verändert, ist sie daher ein wesentlicher Schutzfaktor für die Integrität und Professionalität des Berufsstands.“

Das wachsende Engagement internationaler Private-Equity-Investoren bei deutschen Versicherungsmaklern sieht der BVK kritisch. Der Verband befürchte nämlich, dass „renditeorientierte Beteiligungsmodelle, die häufig auf kurzfristige Wertsteigerung und schnelle Konsolidierung ausgerichtet sind, die Unabhängigkeit beeinträchtigen können“.

Ziel: Eigenständigkeit möglichst weitgehend erhalten

Der BVK weise regelmäßig auf mögliche Risiken für Makler hin, die Geldgeber in ihre Firmenleitung aufnehmen. Stattdessen empfehle man ihnen, „sich bei Finanzierungs- und Kapitalentscheidungen für Modelle zu entscheiden, die ihre Eigenständigkeit möglichst weitgehend erhalten“.

Angesichts solcher Mahnungen distanziert sich Ralph Rockel, Vorstandssprecher der Mesterheide Rockel Hirz Trowe AG Holding, von der Bezeichnung „Konsolidierer“. „Unser Ziel ist nicht die Ansammlung von Größe, sondern die Entwicklung von Mehrwert für unsere Kunden“, zitiert ihn aktuell Asscompact.

In demselben Bericht „Helmsauer-Rückzug: Stresstest für Konsolidierer?“ wird auch Moritz Rutt, Co-Geschäftsführer der GGW Group GmbH, zitiert: „Eine Trennung ist im Ergebnis für viele (Kunden, Mitarbeiter, Versicherer und Eigentümer) häufig eine suboptimale Lösung, die viel Energie kostet.“ Er hoffe, dass die Branche aus dem „Fall Helmsauer“ lerne.

„Wir nehmen wahr, dass weitere internationale Private-Equity-Investoren in den deutschen Markt eintreten möchten.“

Dr. Stefan G. Adams, Unternehmensberater

Internationale Anleger drängen auf deutschen Markt

Stefan G. Adams (Bild: privat)
Stefan G. Adams (Bild: privat)

Ist also infolge dieses Negativbeispiels aus Nürnberg damit zu rechnen, dass sich demnächst weitere Maklerkäufer hierzulande in nennenswertem Umfang von ihren Großinvestoren trennen werden? Das fragte das VersicherungsJournal Dr. Stefan Adams, Geschäftsführer der Dr. Adams GmbH & Co KG.

Nein, antwortet der Experte für Firmenbewertungen, M&A-Transaktionen und Due-Diligence-Prüfungen. Für das Gros sei das unrealistisch. „Denn die PE-Gesellschaften müssen beim Ausstieg die angestrebten Zielkaufpreise für die jeweilige Gruppe realisieren, um die Renditeerwartungen ihrer eigenen Anleger zu erfüllen.“

Der Unternehmensberater erwartet eher das Gegenteil. „Wir nehmen wahr, dass weitere internationale PE-Investoren in den deutschen Markt eintreten möchten.“ Sein Beratungshaus erhalte hierzu laufend Anfragen aus dem Ausland, was die anhaltende Attraktivität unterstreiche.

Konsolidierer übernehmen zentrale Aufgaben für Makler

Im Gegensatz zum BVK betrachtet Adams das Engagement der ausländischen Fonds bei deutschen Versicherungsmaklern nicht grundsätzlich skeptisch. „Die Konsolidierer übernehmen für die angeschlossenen Betriebe in der Regel zentrale Aufgaben, die für kleine Einheiten oft zu personal- und sachkostenintensiv sind.“

Hierzu gehören laut Adams „vor allem die IT-Infrastruktur, das Rechnungswesen, die Personalbeschaffung, das Produktmanagement sowie die Courtageverhandlungen mit den Produktgebern.“

Ziel sei es, diese Funktionen in einer Holding zu bündeln, damit sich der Makler voll auf die Akquise und die Beratung seiner Kunden fokussieren kann. „Diesem Anspruch werden die verschiedenen Akteure unterschiedlich gut gerecht“, berichtet er aus seiner Branchenerfahrung.

Besserer Kundenservice und niedrigere Kosten erwartet

Inwieweit die Konsolidierung der Maklerbranche insgesamt bereits heute die Dienstleistungen für die Versicherten verbessert habe, lasse sich noch nicht abschätzen. Mittelfristig erwartet er jedoch einen besseren Kundenservice und niedrigere Kosten bei den angeschlossenen Betrieben.

„Die Bewertung dieser Gruppen soll am Ende größer sein als die Summe ihrer Einzelunternehmen“, erklärt Adams. Dieser Ansatz werde „weltweit in verschiedensten Branchen seit etwa zehn Jahren erfolgreich umgesetzt, nachdem er in früheren Jahrzehnten häufiger scheiterte.“

Da die Kaufpreise der gesamten Unternehmensgruppen in Deutschland aber gestiegen sind, verzeichneten die PE-Gesellschaften oftmals gute Margen. „Die Stimmung unter Käufern, Verkäufern und Investoren ist daher nahezu durchgehend positiv.“

„Konsolidierung kann noch jahrelang weitergehen“

Auch in der näheren Zukunft dürfte die Sektlaune der Aufkäufer anhalten. Beim Blick nur auf die 100 größten Unternehmen im Maklermarkt könnten zwar kaum noch Chancen auf lukrative Akquisitionen bestehen, wie Bernd Helmsauer in einem Interview mit Asscompact angedeutet hat.

„Wenn man den Fokus jedoch auf Größenordnungen zwischen 500.000 Euro und vier Millionen Euro Courtageeinnahmen richtet, kann die Konsolidierung im Hinblick auf das Potenzial noch jahrelang weitergehen“, wendet Adams ein.

„Auch in diesem Segment gibt es hochattraktive Unternehmen, die für Käufer äußerst interessant sind.“ Einerseits seien die ausgehandelten Multiplikatoren des Ebitda dieser Firmen oft relativ niedrig. Andererseits sei das Risiko einer Akquisition deutlich besser beherrschbar als im Geschäft mit industriellen Großkunden der Makler.

Verschiebung zum Geschäft mit Privatkunden und KMUs

Auch Bernd Helmsauers Einschätzung, dass bei kleineren Ebitda-Größen die Transaktions- und Due-Diligence-Kosten das Potenzial auffressen, teilt Adams nur bedingt. Denn viele Konsolidierer hätten für diese Unternehmen standardisierte Tools, die mit deutlich günstigeren Transaktions- und Prüfkosten verbunden sind. Der zukünftige Einsatz von KI-Tools dürfe sie weiter drücken.

Das wirtschaftliche Potenzial und die Amortisationsdauer der Investitionen hängen laut Adams von folgenden Parametern ab:

  • der Zielgruppe des Maklers,
  • dem erwarteten Bestandsabrieb,
  • der Kostendegression durch zentrale Dienste.

„Für die nächsten drei Jahre erwarten wir eine deutliche Verschiebung hin zu Zielunternehmen, die Privatkunden und KMUs vertreten.“ Neben Maklerpools dürften verstärkt auch auf Privatkunden fokussierte Vertriebsgruppen in den Fokus der Konsolidierer rücken.

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