17.6.2019 (€) – Die Nürnberger Beamten Lebensversicherung wird ab September kein Neugeschäft mehr zeichnen. Die Exklusivtarife für den öffentlichen Dienst werden dann voraussichtlich noch von der Muttergesellschaft angeboten. Details zur Neuausrichtung waren bis zum Redaktionsschluss nicht zu erfahren.
„Die Nürnberger Versicherung will ihre Kunden im öffentlichen Dienst künftig mit noch besseren Produkten absichern“, vermeldete der Konzern bereits am Donnerstagmorgen. Dass hinter dieser Meldung keine Produktwerbung steckt, sondern ein Run-off, blieb in der Presselandschaft weitgehend unbemerkt.
Fragen offen
Die Exklusivtarife für den öffentlichen Dienst werden sowohl von Nürnberger Beamten Lebensversicherung AG (NBL) wie auch von ihrer Muttergesellschaft Nürnberger Lebensversicherung AG (NLV) angeboten, so die Pressemitteilung. Ab September würden nun alle Neuabschlüsse ausschließlich über die NLV getätigt.
Für Kunden mit bestehenden NBL-Verträgen ändere sich nichts. Sie bekämen alle zugesicherten Leistungen, verbunden mit dem gewohnten Service ihrer bekannten Ansprechpartner, wird versprochen. Welche Folgen die Neugeschäftseinstellung für den Vertrieb hat, wird nicht mitgeteilt.
In der Pressemitteilung wird nichts darüber ausgesagt, was mit dem NBL-Bestand geschehen soll. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage einem Dutzend Fragen stellen, antwortete bis zum Redaktionsschluss aber nicht.
Begründung
Der Run-off wird damit begründet, das man dem öffentlichen Dienst „Leistungsvorteile im Angesicht von Niedrigzins und anhaltender Regulierung“ auch künftig anbieten wolle. Die NLV habe einen „überdurchschnittlichen“ Marktanteil (Anmerkung der Redaktion: 2,6 Prozent), „hervorragende“ Finanzstärke und eine „attraktive“ Überschussbeteiligungen; die laufende Verzinsung betrug zuletzt 2,5 Prozent (VersicherungsJournal 21.12.2018, 29.42019).
Die SCR-Bedeckungsquote belief sich Ende 2018 auf 372 (549) Prozent ohne und 553 (761) Prozent mit Übergangsmaßnahmen. Mit 45 Millionen Euro Beitrag kommt der auf das Beamtengeschäft fokussierte Lebensversicherer hingegen nur auf einen Marktanteil von 0,1 Prozent. Mit 1,75 Prozent deklarierter laufender Verzinsung bildete er zuletzt auch das Schlusslicht im Markt.
Allerdings kommt die Beamten-Lebensgesellschaft ohne Anwendung von Übergangsmaßnahmen auf eine SCR-Bedeckungsquote von rund 468 (521) Prozent. Mit Übergangsmaßnahmen, aber ohne Volatilitätsanpassungen sind es 626 (644) Prozent.
Weiterhin wichtige Zielgruppe
In dem kürzlich veröffentlichten SFCR-Bericht wird der Run-off aber bereits angekündigt. Dort wird unter anderem erklärt, dass hinsichtlich die Zielmarktes öffentlicher Dienst „mittelfristig eine strategische Neuausrichtung“ herbeigeführt werde. Dabei blieben die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sowie deren versorgungsberechtigte Angehörige auch weiterhin eine wichtige Kundenzielgruppe.
Nach der Einstellung des aktiven Neugeschäftes soll sich die Nürnberger Beamten auf die Verwaltung des Bestandes an Lebensversicherungs-Verträgen und von Zeitwertkonten der Mitarbeiter der Nürnberger beschränken. Danach scheint also der Verkauf an eine spezialisierte Run-off-Plattform nicht beabsichtigt.
Ohne weitere Details endet die Pressemitteilung mit der Aussage, dass die „Partnerschaft mit dem öffentlichen Dienst mit neuen, zielgruppenspezifischen Produkten“ ausgebaut werden soll.




