14.12.2018 (€) – Die Arag SE wird 2018 voraussichtlich wachsen und in Deutschland stärker zulegen als der Markt. Die Versicherungstechnik läuft besser, aber das Kapitalanlageergebnis hinkt durch Zinsanstiege in den USA. Vor der Presse kündigte Vorstandschef Dr. Paul-Otto Faßbender viele neue Vorhaben an.
Die Arag-Gruppe will im Februar 2019 in ihrem Stammvertrieb einen voll digitalen Verkaufsprozess starten. Dann sollen die rund 1.000 Ausschließlichkeits-Vertreter per iPad medienbruchfrei den gesamten Verkaufsprozess inklusive vollständigem Abschluss online tätigen können.
Das kündigte die Arag SE bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Düsseldorf an.

- Paul-Otto Faßbender (4. von links) mit Vorstandskollegen beim Pressegespräch (Bild: Lier)
Elf Prozent sind Online-Kunden
IT-Vorstand Hanno Petersen will damit eines der „Top-5-Vertriebssysteme“ schaffen. Dem Vertrieb verspricht er „einen durchgängigen Prozess für alle Produkte und alle Daten. Die meisten anderen haben nur Stückwerk“.
Konzernchef Dr. Paul-Otto Faßbender betonte, dass der Vertrieb ein „wesentlicher Bestandteil der Digitalisierungs-Strategie“ sei. So sind beispielsweise die zentral erstellten Webseiten der Vertriebspartner in den Arag-Auftritt integriert und darüber generierte Policen gehen in den Bestand des jeweiligen Vertriebspartners ein.
Denn immer mehr Kunden kommen online: So nimmt die Zahl der Versicherungsnehmer, die 2018 ausschließlich online abgeschlossen haben, voraussichtlich um zehn Prozent auf 247.000 zu; das sind elf Prozent aller Kunden. Rund die Hälfte der Online-Kundschaft bringen Vergleichsportale.
Die Digitalisierung ist für unser Haus ein Glücksfall.
Dr. Paul-Otto Faßbender, Vorstandsvorsitzender Arag SE
„Die Digitalisierung ist für unser Haus ein Glücksfall“, meint Faßbender. Hier könne man als mittelständischer Versicherer die eigenen Stärken ausspielen und erziele bereits messbare Ergebnisse.
Freie Rechner-Wahl
Seit Sommer läuft das Transformationsprogramm „Arag Smart Insurer“, für das inzwischen 85 Kernmaßnahmen im Rahmen eines strukturierten Prozesses von den Mitarbeitern identifiziert wurden (VersicherungsJournal 7.6.2018).
In Deutschland werden die Mitarbeiter besser ausgestattet. Unter dem Schlagwort „Upgrade your work“ dürfen sich die Beschäftigten frei unter vier Rechner-Lösungen – vom stationären Desktop bis hin zu mobilen Lösungen – entscheiden.
Produktseitig wurde angekündigt, das Cyberschutzpaket „Arag web@ktiv“ 2019 „erheblich zu erweitern. Zudem sollen die Rückwärtsdeckungen für Kraftfahrt- sowie Mietrechtsschutz nach „Überraschungen“ sowohl von Preisen als auch von den Bedingungen überarbeitet werden.
Rechts-Services in Deutschland
Nach guten Erfahrungen mit den Legal-Tech-Aktivitäten „Hello Law“ will die Arag 2019 ähnliches in Deutschland einführen. „Aufgrund der starken Regulierung gehen wir hier behutsam vor“, sagte Faßbender. Unter der Marke „Hello Law“ ist die Arag über ihren Kölner „Company-Builder“ Justix GmbH in den Niederlanden aktiv und zählt dort bereits 16.000 Kunden.
Justix habe 2018 den deutschen Markt sondiert, so Faßbender. In Deutschland sind Rechtsdienste strikt reglementiert und mit wenigen Ausnahmen fest in der Hand der Rechtsanwälte. Die Arag sieht aber dennoch Möglichkeiten, 2019 erste Services anzubieten.
Es werde an einem Modell im Bereich Ordnungswidrigkeiten gearbeitet. Der Konzern ist in 17 Ländern aktiv, tritt dort aber nicht immer in der in Deutschland üblichen Form des Versicherers auf, sondern teils auch mit rechtsschutznahen Angeboten.
Mehr Kunden
Die gesamten Beiträge werden 2018 voraussichtlich um vier Prozent auf 1,64 Milliarden Euro wachsen. Bei den deutschen Aktivitäten erhöhen sich die Beiträge um vier Prozent auf 979,2 Millionen Euro und nehmen damit voraussichtlich stärker zu als im Branchendurchschnitt.
Vor Steuern wird ein Ergebnis von 57 (81,2) Millionen Euro erwartet. Dies liegt nach Aussage von Faßbender aber immer noch „über den Planungen“: Die Versicherungstechnik fällt bei einer unveränderten Combined Ratio von 89,9 Prozent mit knapp 82 Millionen Euro Gewinn um zehn Prozent besser aus, während das Kapitalanlageergebnis durch zinsbedingte Kursrückgänge vor allem in einem Spezialfonds auf 85,5 (136) Millionen Euro zurückfällt.
Im Rechtsschutz habe man einen „wirklich guten Lauf“, so Faßbender. Das Segment legt weltweit um sechs Prozent auf 992 Millionen Euro Prämie zu.
Im heimischen Markt wächst die Arag ähnlich stark auf 370 Millionen Euro Prämie und kann damit ihren viele Jahre rückläufigen Marktanteil wieder auf 9,25 (8,8) Prozent ausbauen. Ein Drittel des deutschen Wachstums sind Beitragsanpassungen, zwei Drittel resultieren aus der Verbreiterung der Kundenbasis um 2,9 Prozent.




