So (un)profitabel sind die Marktgrößen in Wohngebäude

1.12.2020 (€) – Die nach Verträgen und Beiträgen größten Wohngebäudeversicherer hatten 2019 mehrheitlich Schaden-Kosten-Quoten von unter 100 Prozent zu verzeichnen. Versicherungstechnisch in der Verlustzone landeten – und dies zum Teil nur knapp – lediglich Ergo, R+V, Allianz und Bayerischer Versicherungsverband. Andererseits kamen SV und VGH mit unter 80 Prozent auf die niedrigsten Werte. Am deutlichsten verbessert hat sich die Westfälische Provinzial.

Die Wohngebäudeversicherer landeten im vergangenen Jahr erst zum dritten Mal seit 2002 versicherungstechnisch in den schwarzen Zahlen. Die Combined Ratio (nach Abwicklung, in Relation zu den verdienten Bruttobeiträgen im inländischen Direktgeschäft) lag laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) bei 96,7 (2018: 104,2) Prozent.

Acht Versicherer mit Werten von über 105 Prozent

Dabei stand 2019 für 15 der 50 nach Prämienvolumen größten Anbieter eine kombinierte Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent zu Buche. Acht Akteure kamen auf Werte von über 105 Prozent – angeführt von der Bayerischen Hausbesitzer-Versicherungs-Gesellschaft a.G. mit fast 124 Prozent. Die Gründe für die hohen Quoten sind vielfältig (VersicherungsJournal 11.11.2020).

Dies ist dem jüngst veröffentlichten „Branchenmonitor 2014-2019: Wohngebäudeversicherung“ zu entnehmen. Die Studie wird jährlich von der V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit der Sirius Campus GmbH durchgeführt. Sie enthält Übersichten zu zahlreichen Kennzahlen der 50 größten Anbieter in der verbundenen Wohngebäudeversicherung (VGV) mit etwa 95 Prozent Marktanteil.

WGV mit der niedrigsten kombinierten Schaden-Kosten-Quote

Die beste Combined Ratio wird in dem Monitor erneut (5.11.2019) für die WGV-Versicherung AG ausgewiesen, die als einziges Unternehmen auf eine Combined Ratio von unter 60 Prozent kam.

Werte zwischen 70 und unter 80 Prozent stehen für die BGV-Versicherung AG, die Oldenburgische Landesbrandkasse, die SV Sparkassen Versicherung Gebäudeversicherung AG und die Landschaftliche Brandkasse Hannover (VGH) zu Buche.

Niedrigste CR (Bild: Wichert)

So schlugen sich die Marktgrößen

Es fällt auf, dass die Branchengrößen (1.12.2020) mehrheitlich besser als der Markt abschneiden. Dabei schafften es die SV, die VGH und die Bayerische Landesbrandversicherung AG in die Top Ten. Unter der Marke von 90 Prozent blieben ferner die Provinzial Rheinland Versicherung AG, die Huk-Coburg Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands a.G. und die Westfälische Provinzial Versicherung AG.

Auch der LVM Landwirtschaftlicher Versicherungsverein Münster a.G. und die Axa Versicherung AG unterboten den Durchschnittswert der 50 aufgelisteten Akteure (94 Prozent).

In etwa kostendeckend wirtschafteten die Generali Deutschland Versicherung AG, die Ergo Versicherung AG und die R+V Allgemeine Versicherung AG, wobei die beiden letztgenannten Gesellschaften versicherungstechnisch minimal im Minus lagen.

Die Allianz Versicherungs-AG machte 3,5 Cent Verlust pro Beitragseuro, die Bayerischer Versicherungsverband Versicherungs-AG gab 16,8 Cent pro Beitragseuro mehr aus als sie einnahm. Die Entwicklung verlief bei den beiden letztgenannten Unternehmen gegensätzlich.

Marktgrößen (Bild: Wichert)

Bayerischer Versicherungsverband mit deutlicher Verschlechterung

So hatte der Bayerische Versicherungsverband 2019 eine um über 20 Prozentpunkte höhere Combined Ratio zu verzeichnen als im Jahr davor. Die Gesellschaft konnte zwar die Betriebskostenquote leicht auf 30,8 Prozent drücken, liegt damit aber weiterhin nur im unteren Mittelfeld. Zudem weisen nur drei der Branchengrößen höhere Werte aus.

Die von 66,3 auf 89,4 Prozent gestiegene Brutto-Geschäftsjahres-Schadenquote war „überwiegend auf die zufallsbedingten Naturereignisse vor allem das Pfingstunwetter Jörn zurückzuführen“, heißt es im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 398 KB). Dadurch wurden mit 274 Millionen Euro um 47 Prozent höhere Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle nötig als 2018. Zum Vergleich: Die gebuchten Bruttobeiträge nahmen nur um etwa zehn Prozent auf 29 Millionen Euro zu.

Bei der Allianz hingegen verbesserte sich die kombinierte Schaden-Kosten-Quote um rund vier Prozentpunkte auf 103,5 Prozent. Dies ging zum Großteil auf die gesunkene Schadenquote zurück. Hier kommt der Marktführer aber immer noch auf einen deutlich über dem Schnitt von 66 Prozent liegenden Wert. Dieser beträgt 74,1 Prozent, das ist die zehnthöchste Quote.

Die Betriebskostenquote liegt mit 29,4 Prozent nur leicht über dem Schnitt. Bei den Quoten werden die jeweiligen Aufwendungen (brutto direkt) ins Verhältnis zu den verdienten Bruttoprämien (direkt) gesetzt.

Westfälische Provinzial mit der größten Veränderung

Wie die Allianz, konnten auch die meisten anderen Branchenschwergewichte ihre Combined Ratios verbessern. Am deutlichsten gelang dies der Westfälischen Provinzial (minus 32 Prozentpunkte auf 89 Prozent).

Das Unternehmen hatte 2018 hohe Belastungen insbesondere infolge von „Friederike“ (19.1.2018, 24.1.2018) zu verkraften. Dadurch hatten sich die Brutto-Schadenaufwendungen um 83 Prozent auf fast 356 Millionen Euro erhöht. Das Prämienaufkommen hatte nur 352 Millionen Euro (plus sechs Prozent) betragen. Im vergangenen Jahr ging es um über ein Zehntel auf 387 Millionen Euro bergauf.

Das „überdurchschnittliche“ Wachstum wird im Geschäftsbericht 2019 (PDF, 2,4 MB) wie folgt begründet: „Die Gewinnung von Neukunden, verstärkt auch über Makler akquirierte wohnungswirtschaftliche Großkunden, steigende Versicherungssummen und Deckungserweiterungen sowie indexbedingte Beitragsanpassungen trugen hierzu wesentlich bei.“

Andererseits war 2019 „vor allem vom Wegfall der Sonderfaktoren des Vorjahres geprägt“ („Friederike“). Da es kaum zu Unwetterereignissen kam, fielen die Brutto-Schadenaufwendungen mit 267 Millionen Euro um ein Viertel niedriger aus als 2018. Das bedeutet Platz 34 (2018: 48) bei der Schadenquote. Dem steht mit 19,7 Prozent die weiterhin sechstniedrigste Kostenquote gegenüber.

LVM und Provinzial Rheinland verbessern sich deutlich

Um die 15 Prozentpunkte verbesserten der LVM und die Provinzial Rheinland ihre kombinierten Schaden-Kosten-Quoten. Bei beiden war dies fast ausschließlich durch die verbesserte Schadenquote bedingt.

Die Provinzial (2019: 63,3 Prozent) kletterte hier von der 32. auf die 20. Position. Der LVM (60,3 Prozent) machte sogar einen Sprung von Platz 30 auf 14.

Große Unterschiede bei Betriebskosten- und Schadenquoten

Die Schaden- wie auch die Kostenquoten der Marktschwergewichte liegen weit auseinander. Bei den Betriebskosten liegt die Spannbreite zwischen 33,6 Prozent (Ergo) und 7,5 Prozent (Huk-Coburg VVaG). Letzterer kommt damit auf den zweitniedrigsten Wert – vor der Huk-Coburg-Allgemeine Versicherung AG (9,3 Prozent) und hinter der Huk24 AG (4,4 Prozent).

Trotz der insgesamt vierhöchsten Schadenquote konnte der Huk-Coburg VVaG wegen der vergleichsweise niedrigen Verwaltungskosten 12,5 Cent Gewinn pro Beitragseuro erwirtschaften.

Die höchste Schadenquote unter den Branchengrößen hatte der Bayerische Versicherungsverband zu verzeichnen. Für die VGH und die SV werden im Branchenmonitor nur jeweils gut 57 Prozent ausgewiesen.

Der „Branchenmonitor 2014-2019: Wohngebäudeversicherung“ enthält zahlreiche weitere Kennzahlen zum Versicherungszweig sowie Daten zur Bestandskundenanalyse. Die knapp 100-seitige Studie kann als PDF-Version für brutto 783 Euro inklusive Mehrwertsteuer bei Clemens Wilde per E-Mail oder per Telefon unter 0341 24659265 bestellt werden.

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