18.6.2026 – Die Bewertungsplattform Kununu zeigt anhand einer Modellrechnung, dass gesellschaftlich relevante Tätigkeiten häufig nicht nur vergleichsweise niedriger entlohnt werden, sondern daraus auch geringere Rentenansprüche resultieren können. Betroffen sind neben Beschäftigungen im Einzelhandel und in der Produktion auch Pflegeberufe.
Die Kununu GmbH hat aktuell ausgerechnet, in welchen gesellschaftlich wichtigen Berufen aufgrund eines niedrigen Gehalts eine niedrige gesetzliche Rente droht. Grundlage sind Gehaltsangaben aus Arbeitgeberbewertungen auf der Plattform, die in den letzten 24 Monaten abgegeben wurden.
Die genannten Berufe spiegeln nicht zwangsläufig jene mit den niedrigsten Gehältern auf der Plattform wider, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage mit.
Bei der Auswahl habe neben der Datenbasis auch die gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Relevanz der Tätigkeiten eine Rolle gespielt – also Berufe, die für die Versorgung und Funktionsfähigkeit des Alltags als wichtig gelten, aber vergleichsweise niedrig vergütet werden.
So hat Kununu die Höhe der zu erwartenden Rente ausgerechnet
Kununu nutzt für die Berechnung eine vereinfachte Modellrechnung. Dabei wird unterstellt, dass Beschäftigte über 40 Beitragsjahre hinweg ein Einkommen in Höhe des aktuell auf der Plattform ausgewiesenen Durchschnittsgehalts ihres Berufs erzielen. Die ausgewerteten Angaben beziehen sich auf eine Tätigkeit in Vollzeit.
Mit einer angenommenen Beitragszeit von 40 Jahren tragen die Autoren dem Umstand Rechnung, dass die Rente für besonders langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren nicht die Mehrheit der Neuzugänge darstellt. Im Jahr 2025 entfielen darauf rund 46 Prozent der erstmals ausgezahlten Altersrenten (VersicherungsJournal 11.6.2026).
Die Rentenhöhe wird über Entgeltpunkte ermittelt. Dafür wird das jeweilige Jahresgehalt ins Verhältnis zum vorläufigen Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung für 2026 (51.944 Euro) gesetzt. Die so berechneten Entgeltpunkte pro Jahr werden mit 40 Beitragsjahren sowie dem aktuellen Rentenwert von 42,52 Euro (ab 1. Juli 2026) multipliziert.
Typische Änderungen im Erwerbsverlauf werden nicht berücksichtigt
Veränderungen des Durchschnittsentgelts im Zeitverlauf, individuelle Gehaltsentwicklungen sowie Erwerbsunterbrechungen – etwa durch Teilzeit, Arbeitslosigkeit oder Kindererziehung – bleiben unberücksichtigt. Die Ergebnisse sind daher als modellhafte Orientierung unter heutigen Werten zu verstehen, nicht als individuelle Rentenprognose.
Nicht berücksichtigt wird in der Modellrechnung, dass Gehälter im Laufe der Erwerbsbiografie häufig steigen, etwa durch Tarifstufen oder berufliche Entwicklung. Auch der Rentenwert sowie das für die Entgeltpunkte maßgebliche Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung werden in der Regel jährlich angepasst.
Reinigungskräfte und Verkäuferinnen mit dem niedrigsten Einkommen
Die niedrigste modellhafte Rente entfällt auf Reinigungskräfte. Bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.200 Euro ergibt sich nach der vereinfachten Modellrechnung eine monatliche Bruttorente von rund 891 Euro. Es folgen Verkäuferinnen und Verkäufer mit einem Jahresgehalt von rund 30.000 Euro und einer erwarteten Rente von etwa 982 Euro.
Einzelhandelskauffrauen beziehungsweise Kaufmänner erzielen ein durchschnittliches Jahresgehalt von 31.800 Euro, was der drittniedrigste Wert der ausgewiesenen Berufe ist. Daraus errechnet sich eine modellhafte Bruttorente von rund 1.041 Euro. Lageristen auf Rang vier erreichen im Schnitt 32.400 Euro Jahresgehalt und eine erwartete Rente von etwa 1.061 Euro.
Auf Rang sechs folgen Produktionsmitarbeiter, die in der industriellen Fertigung tätig sind. Ihr durchschnittliches Jahresgehalt beträgt 36.960 Euro, die modellhafte Bruttorente rund 1.211 Euro.
Medizinische Fachangestellte, die Arztpraxen bei medizinischen und organisatorischen Aufgaben unterstützen, kommen auf Rang sieben. Bei einem Durchschnittsgehalt von 38.400 Euro ergibt sich eine modellhafte Bruttorente von etwa 1.256 Euro.
Auch soziale Berufe erwerben niedrige Rentenansprüche
Auch Menschen in sozialen Berufen haben laut Modellrechnung tendenziell niedrige Renten zu erwarten. Erzieher, die Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten, Horten oder anderen pädagogischen Einrichtungen betreuen, erreichen mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 43.200 Euro eine modellhafte Bruttorente von rund 1.414 Euro.
Altenpfleger kommen bei einem Durchschnittsgehalt von 46.368 Euro auf rund 1.517 Euro. Pflegefachkräfte folgen mit einer modellhaften Bruttorente von 1.532 Euro. Ihr durchschnittliches Jahresgehalt liegt laut Kununu bei 46.800 Euro. Für beide Berufe ist in der Regel eine dreijährige Pflegeausbildung erforderlich.





