12.4.2022 (€) – Mit Blick auf die Zinserholung und angesichts der GDV-Hochrechnung sind die Solvenzquoten der Lebensversicherer zum Jahresende 2021 keine Überraschung. „Solvenzquoten der Lebensversicherer im Aufwind“ überschreibt die Assekurata die Untersuchung der turnusmäßigen Berichte zur Solvabilität und Finanzlage (SFCR).
Als Folge der Zinserholung hat sich die Solvenzquote (SCR) bei rund zwei Dritteln der deutschen Lebensversicherer zum Jahresende 2021 erhöht.
Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH kommt nach der Untersuchung von 75 Gesellschaften auf eine aufsichtsrechtliche Solvenzquote auf einen Durchschnittswert von 460,36 (Vorjahr: 390,02) Prozent. Das liegt am oberen Ende der Hochrechnung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) (VersicherungsJournal 4.4.2022).
Die SCR-Quote sollte mindestens 100 Prozent betragen, damit auch in Extremszenarien genügend Eigenmittel vorhanden sind, um die Verpflichtungen zu erfüllen.
Mit und ohne Übergangshilfen

- Lars Heermann (Archivild: Lier)
„Der zehnjährige Bund hat zum Jahreswechsel wieder ins Positive gedreht“, erläutert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei Assekurata. Von diesen steigenden Marktzinsen konnten 56 Lebensversicherer bei der aufsichtsrechtlichen Solvenzquote profitieren.
Die aufsichtsrechtliche Quote berücksichtigt die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen oder risikofreie Zinssätze sowie die Volatilitätsanpassungen (VA). Die Übergangsmaßnahmen sind nur möglich für Verträge, die noch unter Solvency l – also vor dem 1. Januar 2016 – geschlossen wurden, und müssen bis 2032 abgebaut werden.
Bei einzelnen Anbietern bleibe das Solvenzkapital aber weiterhin knapp, nicht zuletzt weil die Wirkung von Übergangsmaßnahmen bis 2032 jedes Jahr ein Stück abnehme, so Heermann.
Gerade traditionelle Lebensversicherungs-Bestände reagierten „sehr sensibel“ auf die Marktzinsen. Gesellschaften, die weiterhin Neugeschäft zeichneten, sollten ihr Geschäftsmodell aktiv umbauen oder neue Finanzierungsquellen für eine Erweiterung der Kapitalbasis erschließen.
Unterschiedliche Niveaus
Neun Gesellschaften (Delta Direkt Lebensversicherung AG, Deutsche Lebensversicherungs-AG, Dortmunder Lebensversicherung AG, Ergo Vorsorge Lebensversicherung AG, Europa Lebensversicherung AG, Hannoversche Lebensversicherung AG, Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group, Lifestyle Protection Lebensversicherung AG und Vereinigte Postversicherung VVaG) verzichten auf die übergangsweisen Hilfen.
Es handelt sich dabei im Wesentlichen um Anbieter mit vergleichsweise wenig traditionellem Garantie- beziehungsweise viel Biometrie-Geschäft.
Die niedrigsten aufsichtsrechtlichen SCR-Quoten haben die im Run-off stehenden Heidelberger Lebensversicherung AG und Skandia Lebensversicherung AG. Die SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG kommt mit 1.125 Prozent auf einen sechs Mal so hohen Wert, gefolgt von der LVM Lebensversicherungs-AG mit 1.005 Prozent.
Wer die Basisquote nicht schafft
19 Gesellschaften wiesen zum Jahresende 2021 eine geringere aufsichtsrechtliche Quote aus. Die Tabelle zeigt, dass die Rückgänge sehr unterschiedliche Niveaus betrafen.
| 2021 | 2020 | |
|---|---|---|
| SCR-Quoten in Prozent. Quelle: Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH | ||
| 283,73 | 332,23 | |
| 244,22 | 247,90 | |
| 186,88 | 207,80 | |
| 333,05 | 379,10 | |
| 526,63 | 547,52 | |
| 675,09 | 770,73 | |
| 249,69 | 299,65 | |
| 184,16 | 204,60 | |
| 439,72 | 576,55 | |
| 785,74 | 807,57 | |
| 338,58 | 364,31 | |
| 283,44 | 300,64 | |
| 182,44 | 248,72 | |
| 641,50 | 711,60 | |
| 296,20 | 413,56 | |
| 666,08 | 681,45 | |
| 474,93 | 475,19 | |
| 637,54 | 727,64 | |
| 408,96 | 421,53 | |
Bei neun (15) Gesellschaften erreicht die Basis-Solvenzquote (ohne Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassung) die 100-Prozent-Marke nicht.
Dabei handelt es sich um die drei im Run-off befindlichen Gesellschaften Ergo Lebensversicherung AG, Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG, Frankfurter Lebensversicherung AG sowie Landeslebenshilfe V.V.a.G., Öffentliche Lebensversicherungs-Anstalt Oldenburg, PB Lebensversicherung AG und Süddeutsche Lebensversicherung a.G.
Mit Ausnahme der Frankfurt Münchener Leben und der Landeslebenshilfe fielen die Basisquote in dieser Gruppe etwas höher aus.
Diese Gesellschaften sprangen über 100 Prozent
Im Vorjahr hatten zusätzlich zu den genannten neun auch die Athora Lebensversicherung AG, die Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., die Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G., die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG, die Neue Leben Lebensversicherung AG und die Versicherer im Raum der Kirchen Lebensversicherung AG eine Basisquote von unter 100 Prozent.
Über alle Gesellschaften liegt die Basisquote bei 263,31 (218,06) Prozent.
Weitere Solvenzquoten zu anderen Sparten sowie zur Gruppensolvenz finden sich unter www.solvencydata.com/ticker. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsplattform der ISS Software GmbH, Assekurata und der V.E.R.S. Leipzig GmbH, die gegen Entgelt Solvency-II-Daten aufbereitet und auswertet.
Policen Direkt vergleicht 80 Lebensversicherer
Ebenfalls am Montag hat die Policen Direkt Versicherungs-Vermittlung GmbH ihre Übersicht über die Solvenzquoten der Lebensversicherer veröffentlicht. Hier sind 80 Anbieter aufgeführt. Deren durchschnittliche SCR-Quote einschließlich Volatilitätsanpassung und Übergangsmaßnahmen beträgt 480,45 Prozent, die mittlere Netto-Quote ohne Übergangshilfen beträgt 268,86 Prozent.
Das Vermittlungsunternehmen sieht Nettoquoten plus VA von unter 150 Prozent als herausfordernd an. Das betrifft 14 Unternehmen. „Hier geht es um die Bewältigung der noch vorhandenen Garantieanforderungen und darum, sich in Zukunft überhaupt noch Neugeschäft leisten zu können“, kommentieren die Marktbeobachter.





