10.8.2026 – Die Bafin hat im vergangenen Jahr über fast alle Branchengrößen mit mindestens 1,5 Millionen Verträgen teils deutlich mehr Beanstandungen abschließend bearbeitet als 2024, relativ am meisten über die Axa. Nur bei der R+V und der Signal Iduna gingen die Reklamationen zurück. Das geht aus der Bafin-Beschwerdestatistik hervor.
2025 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mit 3.630 Beschwerden mehr als dreieinhalb Mal so viele über die privaten Krankenversicherer abschließend bearbeitet wie ein Jahr zuvor. Dabei gingen drei Viertel des Anstiegs auf einen Sonderfaktor zurück.
Laut der im Mai veröffentlichten Beschwerdestatistik der Aufsicht errechnet sich für die Inter Krankenversicherung AG eine zweistellige Beschwerdequote. 116 Reklamationen bei etwa 382.750 versicherten natürlichen Personen bedeuten 30,3 Beanstandungen pro 100.000 Versicherte.
Marktweit waren es knapp acht Beschwerden pro 100.000 Personen (VersicherungsJournal 29.7.2026).
Einige Krankenversicherer ganz ohne Beschwerden
Die nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik stellt nach Angaben der Aufsicht eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann.
Versicherer ohne Beanstandungen werden beispielsweise gar nicht aufgeführt. Dies gilt aktuell etwa für die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG, die Provinzial Krankenversicherung Hannover AG und die Versicherer im Raum der Kirchen Krankenversicherung AG (VRK).
So schlugen sich die großen privaten Krankenversicherer
Unter den größten Anbietern mit mindestens 1,5 Millionen Versicherten schnitt die Hansemerkur Speziale Krankenversicherung AG am besten ab. Sie ist nicht in der Vollversicherung aktiv und verkauft hauptsächlich Brillenversicherungen im Kooperationsgeschäft mit der Optikerkette Fielmann.
Im Berichtsjahr bearbeitete die Aufsicht sechs Beschwerden über das Unternehmen. Bei einem Bestand von annähernd acht Millionen Personen ergibt das eine Beschwerdequote von 0,08 Reklamationen pro 100.000 Versicherte.
Unter der Marke von einer Beanstandung pro 100.000 Versicherte blieb ansonsten nur noch die R+V Krankenversicherung AG (drei zu 1,78 Millionen). Auf eine Quote von etwas über zwei kam die nicht in der Vollversicherung aktive Ergo Krankenversicherung AG (42 zu 1,97 Millionen).
Zwischen knapp zwei und gut drei Beschwerden pro 100.000 versicherte Personen lagen die Allianz Private Krankenversicherungs-AG (90 zu 3,1 Millionen), die Signal Iduna Krankenversicherung a.G. (80 zu 2,47 Millionen), die DKV Deutsche Krankenversicherung AG (150 zu 4,34 Millionen) und die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG (57 zu 1,59 Millionen).
Nur Axa schlechter als der Branchenschnitt
Eine Vier vor dem Komma steht beim Debeka Krankenversicherungsverein a.G. (172 zu 4,25 Millionen), bei der Barmenia Krankenversicherung AG (98 zu 2,38 Millionen) sowie bei der Generali Deutschland Krankenversicherung AG (86 zu 1,89 Millionen).
Eine Quote von 5,9 errechnet sich für die 1,62 Millionen Versicherte schwere Hansemerkur Krankenversicherung AG, über die die Aufsicht im vergangenen Jahr 96 Reklamationen abschließend bearbeitete.
Über dem Marktdurchschnitt von rund 7,7 Beanstandungen pro 100.000 versicherte Personen lag von den Platzhirschen mit einer Quote von 9,9 nur die Axa Krankenversicherung AG (171 zu 1,73 Millionen).
Im Berichtsjahr nach unten zeigte die Kurve nur bei der R+V (von sieben auf drei Beschwerden) und der Signal Iduna (von 125 auf 80). Bei allen anderen Marktgrößen hatte die Bafin mehr Reklamationen zu bearbeiten. Mehr als verdreifacht hat sich die Zahl der Beanstandungen bei der Barmenia (von 28 auf 98) und der Hansemerkur AG (von 31 auf 96).
Deutlicher Anstieg der Bafin-Beschwerden bei der Hansemerkur AG
Im Vergleich zu 2022 konnte sich keiner der vorgenannten Akteure verbessern. Auf Vierjahressicht sogar mehr als verfünffacht hat sich die Zahl der Beanstandungen bei der Hansemerkur AG – und zwar von 18 auf 96.
Jahr für Jahr mehr Beschwerden bearbeitete die Aufsicht nur über die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die Allianz. Während es bei Letzterer von 38 über 48 und 60 auf 90 Reklamationen nach oben ging, stieg die Zahl bei der BBKK von 17 über 23 und 29 auf 57 an.
Nachteil für wachstumsstarke Versicherer
Seit etwa einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die Bafin jährlich eine nach Versicherungsunternehmen und -zweigen aufgeschlüsselte Beschwerdestatistik. Diese stellt den Angaben zufolge eine Momentaufnahme dar, die durch verschiedene Ereignisse beeinflusst sein kann. Versicherer ohne Beschwerden werden beispielsweise gar nicht aufgeführt.
Die Zahlen sollen „einen Indikator über Qualität und Größe des Versicherungsgeschäfts“ vermitteln, so die Aufsicht. Die Behörde weist jedoch auf die begrenzte Aussagekraft der Statistik über die Qualität einzelner Unternehmen hin. Denn eine Aussage darüber, ob die bearbeiteten Beschwerden begründet gewesen sind oder nicht, geben die Daten nicht her.
Zudem werde die im Laufe eines Jahres abschließend von der Bafin bearbeitete Beschwerdezahl in Relation zu den versicherten Risiken zum Vorjahresende gesetzt. „Stark expandierende Versicherer […] werden durch die Nennung der Bestandszahlen benachteiligt, weil sich der im Laufe des Jahres erhöhte Bestand, aus dem sich die Beschwerden ergeben, nicht in der Statistik wiederfindet“, so die Begründung.






