Ratings sollten den Finger in die Wunde legen

16.2.2021 – Dem Ergebnis des Leserbriefauthors, weniger Transparenz sei also doch ein erstrebenswertes Ziel, ist energisch zu widersprechen.

In Zeiten, in denen Kapitalhochrechnungen in den Angeboten der Lebensversicherer nicht das Druckpapier wert sind, in denen sich eine Branche jahrelang um das richtige Brutto- oder Nettoverfahren streitet und in denen der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) keine einheitliche Berechnungsmethode für die Reduction-in-Yield sicherstellt, kann folgendes als Fakt angesehen werden:

Verbraucher haben ein berechtigtes Interesse an aussagefähigen Unternehmensratings, unter anderem, um zu erfahren, wie sorgfältig die Lebensversicherer mit den Beitragseinnahmen umgehen.

Da bleibt nur der vergleichende Blick in die Geschäftsberichte. Und als Übersetzer kommen die Rating-Experten ins Spiel, die die einfache, aber nur begrenzt aussagefähige Verwaltungskostenquote in ihren Ratings, immer wieder mehr oder minder hoch gewichten.

Diese Ratings finden sich dann breit gestreut in Manager Magazin über Wirtschaftswoche bis zu Focus-Money. Kunden lesen das, Vermittler unterlegen ihre Kundenberatung mit harten Fakten. Mehr Schein als Aussagekraft - wie soll hier aus Intransparenz etwas Gutes für Kunden, Vermittler und Wettbewerber erwachsen?

Außer vielleicht für einzelne Unternehmen, die auf der Sonnenseite des Kennzahlenvergleichs stehen.

Prof.Dr. Weinman hat aus meiner Sicht recht:

  • Der Markt ändert sich deutlich, die Rechnungslegung steht jedoch auf dem Stand von vor über 20 Jahren. Daraus folgt ein eindeutiges Handlungsdefizit des Gesetzgebers.
  • Aus eigenem Erleben aus einem Konzernarbeitskreis kann ich zumindest für eine der marktführenden Unternehmensgruppe bestätigen – ein Mehr an Transparenz ist nicht gewollt.

Umso wichtiger ist dann aber, dass Unternehmensratings den Finger in die Wunde legen, Wandel fordern und neue Wege gehen.

Dass die Verwaltungskostenquote so schön einfach und nachvollziehbar anhand der Geschäftsberichte berechnet werden kann, darf kein Argument für deren weitverbreitete und immer wiederholte Nutzung sein. Das hilft der unter Beobachtung stehenden Branche auch nicht.

Jörg Hodann

j.hodann@mc-hodann.de

zum Leserbrief: „Auch weniger Transparenz kann erstrebenswert sein”.

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