Nicht aktuariell falsch, sondern oft vertriebs- und kundenfreundlich

4.3.2026 – Die Folgerung: „Die Zuschläge entsprechen nach Angaben der Studienautoren jedoch der rein risikobasierten Kalkulation der Versicherer [...] Statistisch steigt im hohen Alter die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle wieder an [...] Das schlägt sich direkt im Beitrag nieder“, ist keineswegs zwingend.

Denn auch der „Fachgrundsatz der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. Berufspflichten der Aktuar*innen bei der Tarifgestaltung in der Schadenversicherung Hinweis, Köln, 27. September 2021“ sagt: „Der Ausgangspunkt für das Tarifmodell ist in der Regel das eingeschränkte Risikomodell. Abweichungen zu diesem Modell entstehen aus unterschiedlichen Gründen, z.B.: [...]

− Vertrieb: Die Spreizungen einzelner Faktoren werden modifiziert (z.B. in den Regionalklassen oder bei Altersvariablen gedämpft)

− Erwartungshaltung der Kund*innen / des Vertriebs“.

Zudem: „Wird von Vollmachten zur Prämienadjustierung Gebrauch gemacht – z.B. durch Versicherungsvermittler*innen – kann der Verkaufspreis vom Tarifpreis abweichen.“ 

Wenn also wie das VersicherungsJournal gestern berichtete, die Aufsichtsbehörde habe „festgestellt, dass die Versicherer neben der versicherungsmathematischen Prämienkalkulation ihre Tarife anhand weiterer Kriterien differenzieren. Zum Beispiel gaben 85 Prozent der Versicherer an, dass sie die Preise bei ihren Kfz-Produkten zusätzlich außerhalb des versicherungsmathematischen Tarifmodells differenzieren [...]“, ist das weder überraschend noch aktuariell falsch, und oft vertriebs- und kundenfreundlich.

Peter Schramm

info@pkv-gutachter.de

zum Artikel: „Kfz-Policen: Ältere Fahrer zahlen bis zu 172 Prozent mehr”.

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