PIA – Mega-Vertriebsvorteile noch nicht erkannt

30.10.2015 (€) – Die Produktinformations-Stelle Altersvorsorge (PIA) soll künftig Riester- und Rürup-Renten bewerten. Die Einteilung geförderter Altersvorsorgeprodukte wird ab 2017 die Beratung für Vermittler deutlich einfacher machen. Für Anbieter bedeutet die Klassifizierung ihrer Produkte viel Stress. Vermittler sehen die Chancen noch nicht, wie eine Diskussionsrunde auf der Vertriebsmesse DKM in Dortmund zeigte.

43 Prozent der Vermittler glauben nicht, dass die Risikoklasseneinteilung von geförderten Altersvorsorgeprodukten durch die Produktinformations-Stelle Altersvorsorge gemeinnützige GmbH – kurz PIA genannt (VersicherungsJournal 15.8.2012, 2.18.2014) – zu mehr Transparenz bei den Verbrauchern führt. Das ist das Ergebnis einer Spontanumfrage auf der Dortmunder Deckungskonzeptmesse (DKM) nach der Vorstellung und Diskussion über die PIA und ihre Auswirkungen.

Chancen-Risiko-Siegel ab 2017

Ab dem 1. Januar 2017 dürfen Banken, Fondsbetreiber, Bausparkassen und Versicherer ihre Riester- und Rürup-Renten nur noch mit der Chancen-Risiko-Klassifizierung (CRK) verkaufen.

Das Abstimmungsergebnis überraschte die Vertreter der Versicherer, Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands der Axa Konzern AG, und Volker Priebe, Verantwortlicher Aktuar und Fachbereichsleiter der Allianz Lebensversicherungs-AG. „Noch erkennen die Vermittler die großen Chancen, die sich durch Analysen der PIA ergeben, nicht. Wir müssen hier umfassend informieren“, sagte Priebe.

Für die deutschen Lebensversicherer hat damit das Projekt PIA 2016 den allergrößten Stellenwert.

Terminplan der Produktinformations-Stelle Altersvorsorge (PIA)

Datum

Maßnahme

8. Oktober 2015

Gründung der PIA

November 2015

Start der Beantragung der Chancen-Risiko-Klassifizierung (CRK)

25. November 2015

Workshop mit Verbänden bei der PIA in Kaiserslautern, um die Methodik der Effektivkosten-Berechnung zu diskutieren

Ende Dezember 2015

Beantragung der CRK durch Banken, Fondsanbieter, Versicherer und Bausparkassen

Ende Februar 2016

Prüfung der CRK-Anträge durch die PIA mit möglichen Nachforderungen

Ende März 2016

Alle Daten vom Anbieter müssen vorliegen

Ende Juli 2016

CRK durch die PIA für alle Produkte, die fristgerecht beantragt wurden

Riskante Produkte werden abgewertet

So kämpfen die Versicherer und Fondsbetreiber schon jetzt um eine möglichst gute Klassifizierung ihrer Produkte. Viele Fragen sind noch offen. „Wir haben allein in unserem Haus über 100 Fonds. Wie wollen Sie da die Produkte eindeutig klassifizieren“, fragte in der Diskussion Alberto del Pozo, Senior Manager private Altersvorsorge der Deutschen Asset & Wealth Management International GmbH (DWS).

Das sei schon möglich, antwortete Professor Dr. Ralf Korn, Abteilungsleiter für Finanzmathematik am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM in Kaiserslautern, das hinter der PIA steht. So würde die Risikoeinteilung immer am riskantesten Produkt vorgenommen, bei dem in Simulationsrechnungen die höchsten Ergebnisschwankungen festgestellt werden.

Ein Produkt mit über 100 möglichen Fonds wäre somit wahrscheinlich sehr riskant und damit sehr hoch eingestuft. Insgesamt wird es fünf Risiko-Klassen geben. „Ich gehe davon aus, das die klassische Lebensversicherung in die höchste Sicherheitsstufe eins kommt, während unsere Riester- und Rürup-Produkte als Konzept Perspektive schon in zwei eingestuft sein dürften“, sagte Priebe.

Interessant ist, dass die Strategie, wie der Deckungsstock des Versicherers verwaltet wird, einen entscheidenden Einfluss auf die Risikoeinstufung haben soll, wie Professor Korn bestätigt. Anlagen mit langen Laufzeiten könnten sich auszahlen. Demgegenüber soll die Finanzkraft der Versicherer keine Rolle spielen.

Teilnehmer an der PIA-Diskussion (Bild: Schmidt-Kasparek)
Teilnehmer Diskussion über PIA und Konsequenzen: Volker Priebe, Moderator Michael Hauer (Institut für Vorsorge und Finanzplanung), Ralf Korn, Patrick Dahmen, Alberto del Pozo (v. r. n. l.) (Bild: Schmidt-Kasparek)

PIA bestimmt Effektivkosten-Berechnung

Neben der CRK-Einteilung wird die PIA auch verbindlich für alle Altersvorsorgeprodukte und branchenübergreifend festlegen, wie die Kennzahl „Effektivkosten“ künftig berechnet wird. Das dürfte die Vergleichbarkeit von Altersvorsorgeprodukten weiter erhöhen.

Für alle Produktanbieter brechen schwere Zeiten an, denn die CRK-Einteilung gilt nur für geförderte Altersvorsorgeprodukte. Daher müssen die Anbieter dafür sorgen, dass auch beispielsweise private Renten gleicherweise eine Einteilung erhalten.

Das könnte beispielsweise über private Rating-Unternehmen laufen, die die Vorgaben der PIA adaptieren und ähnliche Simulationsrechnungen und Produkteinteilungen erstellen können. Ansonsten würde ab dem 1. Januar 2017 eine geteilte Welt mit und ohne CRK-Einteilung vorliegen und den Verkauf von Vorsorgeprodukten wohl deutlich erschweren.

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