Deutsche zeigen der Altersvorsorge die kalte Schulter

26.1.2012 – Sich mit dem eigenen Alter zu befassen und frühzeitig drohende Versorgungslücken zu schließen – dies ist ganz offenbar nicht die Sache der Deutschen. Und die der jüngeren Generation schon gar nicht, wie jüngste Umfrageergebnisse zeigen. Dabei glauben nur 23 Prozent der Befragten, dass sie im Rentenalter so leben könnten wie früher. Und die vielen, die mit Einschränkungen rechnen, rechnen im Durchschnitt mit einer Versorgungslücke von gut 600 Euro im Monat. Die kritische Berichterstattung über die staatlich geförderte Riester-Rente drängt dieses Vorsorgeprodukt ins Abseits.

Prof. Dr. Renate Köcher (Bild: Brüss)
Prof. Dr. Renate Köcher (Bild: Brüss)

Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) hat im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. das Altersvorsorgeverhalten der Deutschen untersucht.

IfD-Geschäftsführerin Professor Dr. Renate Köcher erklärte vor der Presse in Berlin, obwohl die Mehrheit der Menschen überzeugt sei, dass sie sich im Alter finanziell einschränken müsse, gehe das Interesse am Thema Altersvorsorge zurück.

Deutlich rückläufige Vorsorgebereitschaft

Laut der Studie hat sich weit über die Hälfte der Befragten in den letzten drei Jahren keine ernsthaften Gedanken gemacht, wie sie ihren Lebensstandard im Alter halten können. Und dies obwohl 55 Prozent davon ausgehen, als Rentner mit deutlich weniger Geld auskommen zu müssen. Im Durchschnitt wird mit einer Versorgungslücke von 607 Euro gerechnet, so ein weiteres Untersuchungsergebnis.

Auch bezüglich der Ausgabebereitschaft zeigt sich ein negatives Bild. Aktuell hält nicht einmal mehr jeder vierte Befragte die eigene Altersvorsorge für so wichtig, dass er bereit ist, Einiges dafür auszugeben. 2006 lag der Anteil noch bei knapp einem Drittel, 2001 sogar bei knapp der Hälfte.

Bei guter Ernährung beziehungsweise gutem Essen und im Bereich „Meine Einrichtung, mein Haus, meine Wohnung“ liegt die Bereitschaft hingegen mehr als doppelt so hoch. Die Altersvorsorge liegt nur an zehnter Stelle.

Ausgabebereitschaft der Bundesbürger (Quelle: GDV 2012)
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Mehrheit der Unter-30-Jährigen tut nichts für die Altersvorsorge

Dr. Maximilian Zimmer (Bild: Brüss)
Dr. Maximilian Zimmer (Bild: Brüss)

Gut jeder Dritte gibt darüber hinaus derzeit kein Geld für die Altersvorsorge aus. Bei der Gruppe der Unter-30-Jährigen sind es sogar 57 Prozent.

Von denjenigen, die für das Alter vorsorgen, werden im Monat durchschnittlich 109 Euro zurückgelegt. Allerdings sollten eigentlich 212 Euro im Monat angespart werden, so die Bürgermeinung.

Bei den Vorsorgesparern, die noch keine 30 Jahre alt sind, liegt der Monatsbeitrag bei 33 Euro. Dr. Maximilian Zimmerer, Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung und Allianz-Manager, wies darauf hin, dass die Beiträge umso geringer ausfallen, je früher mit der Altersvorsorge begonnen werde. „Wer zehn Jahre früher mit der Altersvorsorge beginnt, verringert seine Belastung deutlich, je nach Situation um 30 bis 50 Prozent“, so Zimmerer.

Wer zehn Jahre früher mit der Altersvorsorge beginnt, verringert seine Belastung deutlich, je nach Situation um 30 bis 50 Prozent.

Dr. Maximilian Zimmer, Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung

Betongold und die Rentenversicherung mit Bedeutungszuwachs

Auf die Frage, welche Form der Altersvorsorge in Zukunft an Bedeutung gewinnen oder verlieren wird, sind sich über 80 Prozent der Befragten sicher: Immobilien und die private Rentenversicherung.

Zukunftsperspektiven verschiedener Vorsorgeformern (Quelle: GDV 2012)
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Bei der Lebensversicherung hält sich die Einschätzung in etwa die Waage, während bei der Riester-Rente 59 Prozent glauben, dass sie an Bedeutung verlieren wird ebenso wie die staatliche Rente (63 Prozent). Waren sich im Jahr 2008 noch 38 Prozent sicher, das sich eine Riester-Rente lohnt, sind es 2011 nur noch 22 Prozent, während bereits 39 Prozent glauben, das Riestern lohne sich nicht.

Von denjenigen 41 Prozent der Befragten, die überhaupt Medienberichte über Riester gesehen oder gelesen haben, hatten 80 Prozent (Gesamtanteil: 33 Prozent) den Eindruck einer kritischen Berichterstattung. Eine positive Riester-Berichterstattung wurde nur von knapp zehn Prozent (Gesamtanteil: vier Prozent) wahrgenommen.

Sicherheit der Anlage geht vor Rendite

Die Umfrage belegt auch, dass die Vorsorgesparer keine Renditejäger sind. Hier gilt das Motto Sicherheit der Anlage zuerst (78 Prozent). Dann wird für besonders wichtig gehalten, dass die Rente auch wirklich das ganze Leben lang ausgezahlt wird (60 Prozent). Und schließlich ist es für 55 Prozent der Befragten besonders wichtig, dass im Todesfall die Angehörigen Geld aus der Altersvorsorge erhalten.

Über die Renditeerwartung sind sich die meisten unsicher (63 Prozent). Und von denjenigen, die sich geäußert haben, wurde im Durchschnitt von ihrem Altersvorsorgeprodukt eine Rendite von 3,2 Prozent erwartet.

Säulenübergreifende Renteninformation gefordert

Für den GDV sind angesichts dieser Ergebnisse transparente und gebündelte Informationen über alle künftigen Rentenleistungen eine wichtige Voraussetzung, um die Bürger für die Altersvorsorge zu motivieren. Deshalb fordert der Versichererverband eine säulenübergreifende Renteninformation.

Mit Einführung einer solchen Informationsplattform könnte dann jeder Bürger per Mausklick sehen, wie es um seine gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge stehe, und jeder Bürger habe zu jeder Zeit seine Versorgungslücken und seinen aktuellen Vorsorgebedarf vor Augen, so Zimmerer.

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