bKV eingeführt, Wirkung ausgeblieben: Wie Makler Erfolg messen, ohne Datenschutzgrenzen zu verletzen

9.9.2026 – Eine betriebliche Krankenversicherung ist eingeführt, die Beiträge laufen, der Vertrag liegt im Ordner. Und ein Jahr später fragt der Inhaber: „Hat es eigentlich etwas gebracht?“ Wer darauf keine belastbare Antwort hat, hat nicht gemessen. Wer nicht gemessen hat, kann nicht steuern. Und wer nicht steuert, führt beim Verlängerungsgespräch reaktive statt proaktive Gespräche. Ein Gastbeitrag von Patrick Steeger, Sachverständiger für betriebliche Krankenversicherung (BDSF).

Daran scheitern viele Projekte in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV): nicht an der Tarifauswahl, sondern an dem, was danach kommt. Datenschutz, Kennzahlen und das richtige Ampelmodell entscheiden, ob eine bKV als starkes Instrument wirkt oder still in einer Schublade liegt.

Welche Datenschutzgrenzen gelten bei der Erfolgsmessung?

Patrick Steeger (Bild: privat)
Patrick Steeger (Bild: privat)

Artikel 9 Absatz 1 DSGVO stuft Gesundheitsdaten als besonders schützenswerte Kategorie personenbezogener Daten ein. Das Bundesarbeitsgericht hat bestätigt: Der Arbeitgeber darf weder Diagnosen noch Details der medizinischen Inanspruchnahme seiner Beschäftigten kennen, selbst wenn er formal Vertragspartner des Rahmenvertrags ist.

Bei Budgettarifen ist diese Trennung technisch bereits umgesetzt. Der Versicherer verarbeitet Gesundheitsdaten ausschließlich im Verhältnis zur versicherten Person, der Arbeitgeber erhält nur Stammdaten und eine Sammelrechnung. Mehr ist weder möglich noch zulässig.

Für die Erfolgsmessung bedeutet das den Einsatz von Kennzahlen ohne Gesundheitsbezug. Datenschutzkonforme Prozesskennzahlen sind die Portalaktivierungsquote, aktive Budgetnutzung und die Kommunikationsreichweite.

Ergebniskennzahlen aus dem HR-Controlling, also dienFluktuationsrate, Time-to-Hire und der Employee Net Promoter Score, zeigen die Wirkung auf aggregierter Ebene. Auswertungen unterhalb einer Mindestgruppengröße von sieben bis zwanzig Personen sind auf Unternehmensebene hochzustufen.

Wie sieht die strukturierte Erfolgsmessung in der Maklerpraxis aus?

Ohne Messung gibt es keine Steuerung und ohne Steuerung gibt es keine Verlängerungsgespräche, die auf belastbaren Daten beruhen. Das Kennzahlenmodell, das Makler einsetzen sollten, teilt sich in zwei Ebenen auf.

Prozesskennzahlen sind die Frühindikatoren. Da die meisten Versicherer voraussetzen, dass alle Beschäftigten einer Gruppe oder des gesamten Unternehmens angemeldet werden, ist die Einschreibung kein freiwilliger Akt. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Beschäftigte formell im Vertrag sind, sondern ob die Belegschaft das Budget aktiv nutzt.

Prozesskennzahlen zur Erfolgsmessung

Kennzahl

Zielwert

Signal bei Unterschreitung

Portalaktivierungsquote

Über 80 % nach drei Monaten

Onboarding-Schwäche

Aktive Budgetnutzung

Über 60 % nach sechs Monaten

Kommunikationsdefizit

Onboarding-Abdeckung neuer Beschäftigter

100 % innerhalb von 30 Tagen

Prozesslücke

Ergebniskennzahlen sind die Spätindikatoren. Sie bestätigen die Wirkung im Jahresvergleich und stammen ausschließlich aus dem allgemeinen HR-Controlling, ohne jeden Bezug zu individuellen Gesundheitsdaten.

Ergebniskennzahlen zur Erfolgsmessung

Kennzahl

Erwarteter Effekt

Fluktuationsrate freiwillig

Rückgang um 30 bis 50 % möglich

Time-to-Hire

Verkürzung um bis zu 23 %

Employee Net Promoter Score

Anstieg durch wahrgenommene Wertschätzung messbar

Wichtig dabei: Diese Zahlen entstehen nicht durch die bKV allein. Die Fluktuation sinkt nicht, weil ein Versicherungsvertrag existiert. Sie sinkt, weil Betriebe, die eine bKV professionell einführen, in der Regel auch Führung, Kommunikation und Betriebsklima ernster nehmen. Die bKV ist ein starkes Signal, das in ein funktionierendes Gesamtsystem eingebettet sein muss.

Wie nutzen Makler das Kennzahlenmodell für die Bestandspflege?

Für Makler ist das Kennzahlenmodell nicht nur ein Beratungsinstrument, sondern ein Werkzeug zur proaktiven Bestandspflege. Sinkt die aktive Budgetnutzung über zwei aufeinanderfolgende Quartale, ist das ein verlässliches Signal, das sich in der Fluktuationsrate erst Monate später niederschlägt.

Ein einfaches Ampelmodell erlaubt vorausschauende Bestandspflege auf Basis nicht-medizinischer Daten.

Ampelmodell zur Bestandspflege

Signal

Indikator

Handlungsempfehlung

Grün

Budgetnutzung stabil oder steigend, Portalaktivierung über 80 %

Verlängerung ohne Anpassung, optional Ausbau

Gelb

Budgetnutzung stagniert, Portalaktivierung leicht rückläufig

Erinnerungskampagne, Re-Onboarding

Rot

Budgetnutzung sinkt über zwei Perioden, Portalaktivierung unter 50 %

Strukturprüfung vor Verlängerung, Tarifanpassung prüfen

Wichtig dabei: Ein Teil dieser Daten kommt vom Versicherer, nämlich zur Portalaktivierung und zu den aggregierten Nutzungsquoten. Der andere Teil lässt sich nur durch interne Befragungen der Belegschaft erheben. Zum Beispiel, ob die bKV als attraktiv wahrgenommen wird, ob Beschäftigte wissen, wie sie das Budget einlösen, und welche Leistungen sie sich zusätzlich wünschen würden. Wer ausschließlich auf Versichererdaten wartet, hat nur ein halbes Bild.

Was zeichnet eine professionelle bKV-Beratung aus?

Wer sich in diesem Markt dauerhaft positionieren will, unterscheidet sich durch vier Merkmale:

Ehrlichkeit darüber, für wen eine bKV sinnvoll ist und für wen nicht. Eine strukturierte Belegschaftsanalyse vor der Tarifauswahl, bei der Altersstruktur, Berufsbilder, Fluktuation und steuerliche Situation bekannt sind, bevor eine Empfehlung ausgesprochen wird. Ein verbindliches Onboarding-Konzept als Teil der Beratungsleistung; denn wer nur den Rahmenvertrag vermittelt, überlässt den Erfolg dem Zufall. Und ein Kennzahlenmodell, das Makler und Betrieb gemeinsam quartalsweise auswerten.

Die betriebliche Krankenversicherung ist ein starkes Instrument. Sie ist kein Selbstläufer. Der Unterschied liegt in der Qualität der Beratung, die ihr vorausgeht, und der Begleitung, die ihr folgt.

Der erste Teil dieser Beitragsreihe beschäftigt sich mit der Frage, warum bKV-Projekte oft bereits in der Beratungsphase scheitern (VersicherungsJournal xx.9.2026).

Patrick Steeger

Der Autor ist bKV-Experte und öffentlich bestellter Sachverständiger für betriebliche Krankenversicherung sowie Mitglied im Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF). berät er Makler und Unternehmen bei der strukturierten Einführung, Kommunikation und Erfolgsmessung der bKV.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Weitere Artikel der aktuellen Ausgabe
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren