Bedeutet die IDD-Umsetzung das Ende des Versicherungsmaklers?

29.11.2016 – Der AfW sieht in dem Referentenentwurf zur IDD-Umsetzung einen Großangriff auf das Berufsbild des Versicherungsmaklers. Der Verband moniert insbesondere das Provisionsgebot für Versicherungsmakler, die fehlende Waffengleichheit der verschiedenen Vertriebswege und dass Versicherern und Vertretern mit dem Entwurf quasi ein Freibrief für die Abwerbung von Maklerkunden gegeben werde. Der VDH GmbH Verbund Deutscher Honorarberater geht der Entwurf indes nicht weit genug in Richtung „reine“ Honorarberatung.

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Der letzte Woche vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vorgelegte Referentenentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Januar 2016 über Versicherungsvertrieb, also zur Umsetzung der IDD in nationales Recht (VersicherungsJournal 22.11.2016), sorgt weiter für kontroverse Reaktionen.

Nach dem Verband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (VDVM) (VersicherungsJournal 22.11.2016) hat sich mit dem AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. nun ein weiterer Vermittlerverband ausführlich und mit harschen Worten der Kritik geäußert.

AfW: Angriff auf Berufsbild des Versicherungsmaklers

Der AfW bezeichnete die geplante IDD-Umsetzung als „Frontalangriff auf den Berufsstand des unabhängigen Versicherungsmaklers“. Der AfW moniert insbesondere das Bild des Maklers, das die Bundesregierung dem Entwurf zugrunde lege. Demnach seien Makler geld- und von Interessenskonflikten getriebene Egoisten, denen eine verbraucherorientierte Beratung nicht zugetraut werden könne und denen somit das Geschäftsfeld massiv beschnitten werden müsse.

Der Vermittlerverband sieht durch den Referentenentwurf „einschneidende Eingriffe in das Berufsbild der Makler unter dem fehlgeleiteten Leitbild des Verbraucherschutzes und unter evidentem Verfassungsbruch“ und bemängelt insbesondere die fehlende, eigentlich angekündigte 1:1-Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht.

„Wir erleben den Versuch einer den europäischen Vorgaben zuwider laufenden Überregulierung unter dem äußerst löchrigen Deckmantel des Verbraucherschutzes. Dies zulasten der einzigen Berufsgruppe, die in breiter Fläche verbraucherschützend im Versicherungsvertrieb tätig ist“, so der AfW in einer Pressemitteilung. Es bedürfe eines breiten Aktionsbündnisses, um das zu verhindern.

Kundenabwerbungsklausel

Am gefährlichsten für den Berufsstand des Versicherungsmaklers ist aus Sicht des Verbands die dem Entwurf immanente „Kundenabwerbungsklausel“, die sich aus der Änderung von § 6 Absatz 6 VVG ergebe.

Dort sollen die Wörter „ferner dann nicht, wenn der Vertrag mit dem Versicherungsnehmer von einem Versicherungsmakler vermittelt wird oder wenn es sich um einen Vertrag im Fernabsatz im Sinne des § 312c des Bürgerlichen Gesetzbuchs handelt“ gestrichen werden.

Damit werde den Versicherungs-Unternehmen die Pflicht ins Gesetz geschrieben, dass sie ihre Kunden auch nach Vertragsschluss nach Wünschen und Bedürfnissen befragen und beraten müssen – selbst wenn der Kunde bereits von einem Makler betreut werde. Die Versicherer und ihre Angestellten und Vertreter erhielten quasi einen Freibrief, mit Hinweis auf die Beratungsobliegenheit nach § 6 VVG, die Kunden der Versicherungsmakler jederzeit direkt anzusprechen.

Würde das Gesetz in seiner jetzigen Form in Kraft treten, müsste also jeder Makler permanent mit Abwerbeversuchen von Ausschließlichkeits-Vertretern rechnen. „Der AfW wird diesen Angriff auf die Bestände seiner Mitglieder keinesfalls hinnehmen und sich für eine entsprechende Korrektur einsetzen“, kündigt der Verband in der Mitteilung weiter an.

Keine Waffengleichheit

Für diese Abwerbungen sind die Vertreter nach Ansicht des AfW sogar mit der Möglichkeit der Provisionsabgabe ausgestattet. Denn dieses gelte quasi nur für Versicherungsmakler. Diese fehlende „Waffengleichheit“ kritisiert der Verband folgendermaßen:

Derzeit sehe das Gesetz in dem neuen § 48b Absatz 4 VVG „bemerkenswerte Ausnahmen zugunsten des Ausschließlichkeits-Vertriebes vor. Neben einer Bagatellgrenze von 15 Euro je Vertrag und Jahr heißt es: Das Provisionsabgabeverbot findet keine Anwendung, soweit die Zahlung an den Kunden ‚zur dauerhaften Leistungserhöhung oder Prämienreduzierung des vermittelten Vertrages verwendet wird.‘

Beide Ausnahmen dienen ausschließlich der Ermöglichung einer einfachen Umgehung des Provisionsabgabeverbots durch Versicherungs-Gesellschaften. Versicherungsmakler werden dagegen regelmäßig nicht in der Lage sein, diese Ausnahmetatbestände zu erfüllen.“ Der AfW moniert, dass Versicherer über ihre Ausschließlichkeits-Organisationen problemlos Provisionsabgabe beziehungsweise Rabatte nach Gutsherrenart gewähren könnten.

Der Verband schließt sich hinsichtlich der Kritik am Verbot für Makler, sich vom Kunden vergüten zu lassen, ausdrücklich den oben erwähnten Ausführungen des VDVM an. Der AfW ergänzt in diesem Zusammenhang, „dass der Gesetzesentwurf mit dieser Regelung gegen Artikel 19 Absatz 1e) der IDD verstößt, in welchem ausdrücklich die Möglichkeit von Vergütungsmischmodellen vorgesehen ist.“

VDH: „Kein Elfmeter“

In diesem Punkt kommt die VDH GmbH Verbund Deutscher Honorarberater naturgemäß zu einer gegenteiligen Deutung. VDH-Vorstand Dieter Rauch ordnete den Referentenentwurf in einer Pressemitteilung wie folgt ein: „Kein Elfmeter für uns, aber immerhin ein direkter Freistoß in Höhe der Strafraumgrenze.“

Rauch begrüßte ausdrücklich, dass die Umsetzung des Gesetzes erstmals eine klare Linie zwischen Vermittlern auf Provisionsbasis und reinrassigen Honorarberatern ziehe.

Das seit langem von der VDH GmbH vorgeschlagene Honorar-Annahmeverbot für Vermittler, welche nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch von Versicherungs-Gesellschaften bezahlt werden dürfen, bezeichnete er als Aus für Mischmodelle und einen weiteren Sargnagel für das Provisionsmodell.

Absolute Kostentransparenz gefordert

Im Detail müsse aber noch einiges verbessert werden. So fehle es weiterhin an einer Lösung für das vorhandene Problem der Honorarvermittlung – diese ist nach VDH-Aussage „nichts anderes als Etikettenschwindel“ sowie „eine respektlose Verbraucherverdummung“ – und bei den Vermittlern an der Transparenz gegenüber dem Kunden.

So würden beim Honorarberater die Kosten für die Beratungsleistung ohne jegliche Verschleierungen schon im Vorfeld deutlich und detailliert vereinbart. Bei einem gegen Provision arbeitenden Vermittler sehe der Verbraucher dies hingegen oft noch nicht einmal auf den zweiten oder gar dritten Blick.

„An dieser Stelle sollte der Referentenentwurf tiefer gehen und schonungslos die Verpflichtung zur absoluten Kostentransparenz beinhalten. Unaufgefordert, unverschleiert und am besten noch im Antrag neben der Unterschrift“, so die VDH GmbH weiter.

Zum Thema Provisionsabgabeverbot wird eine ganz eigene Meinung vertreten. „Dies soll gesetzlich verankert werden und ausschließlich für Makler, Vermittler sowie für Versicherungs-Unternehmen gelten. Nicht aber für Honorar-Versicherungsberater. Andernfalls würde die Bereitschaft, Honorartarife zu entwickeln, deutlich abnehmen“, so die VDH GmbH weiter.

Leserbriefe zum Artikel:

+Peter Schramm - Keine zwangsläufige Benachteiligung gegenüber Agenten. mehr ...

Hans-Jürgen Kaschak - Gleiche Waffen für alle. mehr ...

Tim Enders - Niemand schwebt über dem Konkurrenzkampf. mehr ...

 
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