26.8.2026 – Die Vermittlerverbände AfW, BVK und Votum sowie der BCA-Aufsichtsrat Ralf Berndt erwarten, dass der Riester-Nachfolger erfolgreich werde, auch für Vermittler. Wie sie die Konkurrenz zu Billiganbietern ohne Beratung einschätzen, sagten sie bei einer Podiumsdiskussion.
Das Altersvorsorgedepot (AVD) wird im nächsten Jahr zumindest im Neugeschäft die Riester-Verträge als staatlich geförderte private Altersvorsorge ablösen (VersicherungsJournal Archiv). Welche Fragen sich daraus für den Vertrieb stellen, war am Dienstag eines der Diskussionsthemen auf dem Norddeutschen Versicherungstag in Hamburg.
Franziska Geusen, Vorständin des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V., Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK), Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Votum Verbands Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V. und Ralf Berndt, Aufsichtsratsvorsitzender der BCA AG, waren sich darin einig, dass das AVD ein Erfolg werde.
Verbände erwarten Erfolg des Altersvorsorgedepots
Das gelte auch für die Berater, prognostizierte Klein. Das Produkt sei komplexer als Rürup-Renten. Die Optionen brauchten Beratung, auch die Kombination mit anderen Vorsorgeformen. „Wir werden nicht alles an die Neobroker verlieren“, gab er sich optimistisch.
Positiv sieht Klein auch, dass es seiner Einschätzung nach 2027 noch kein Staatsdepot geben wird. So werde die dafür noch fehlende Verordnung eine Chance für die Branche.
Geusen sagte: „AVD wird intensiv genutzt werden.“ Sie ist skeptisch, ob die Angst vor kostengünstigen Neobrokern wie Scalable Capital berechtigt ist.
„Wir als Vermittler sind gefragt. Wir müssen uns als Makler auf das konzentrieren, was wir können. Der Scalable-Kunde war bisher auch kein Maklerkunde“, gab die Versicherungsmaklerin zu bedenken. Junge Leute seien mit der Informationsflut überfordert und bräuchten Entscheidungshilfe.

- Von links: Ralf Berndt, Martin Klein, Michael H. Heinz, Franziska Geusen (Bild: Meyer)
Mehrheit will nicht auf Garantien verzichten
Für Berndt ist das AVD „ein hochinteressantes Geschäftsfeld, mit dem sich Makler unbedingt beschäftigen sollten“. Es sei absehbar, dass „auch bei Scalable der Gebührenzähler anspringen wird“.
Mit der Qualität der Beratung könnten Vermittler dagegenhalten. Zudem wolle die Breite der Bevölkerung nicht auf Garantien verzichten. „Das ist eine Chance für die Branche“, sagte der Aufsichtsrat.
Heinz beklagte, dass der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) den Verzicht auf eine Beratungspflicht akzeptiert hat: „Der GDV fällt Vermittlern in den Rücken.“ Er forderte: „Wir müssen über andere Vergütungsmodelle nachdenken.“ Aktuell würden zwei Lebensversicherer mehr die Beratung belohnen wollen.
Bernd, der früher Vorstand der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. war, berichtete, dass 2024 bereits 40 Prozent des Neugeschäfts des Unternehmens über laufende Courtage statt einmaliger Abschlussprovision liefen.
Neues Geschäftsfeld Frühstartrente
Bernd hält auch die Frühstartrente (Archiv) für ein interessantes Geschäftsfeld. Sie biete einen guten Gesprächsanlass.
Dabei sollte das Gespräch aber umfassend geführt werden, warf Klein ein. Für viele Eltern sei die eigene Berufsunfähigkeitsversicherung wichtiger, als knappe Finanzmittel zum Aufstocken der Frühstartrente zu verwenden.
Geusen hält es für falsch, dass der Zuschuss auch bezahlt wird, wenn die Eltern keinen Vertrag für ihr Kind abschließen. „Die Chance für Finanzbildung wird durch das Staatsdepot vertan“, kritisierte sie.




