12.6.2013 (€) – Nach vorab bekannt gewordenen Auszügen aus der Studie „Auswirkungen der Bürgerversicherung auf die Beschäftigung in der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung“ war in Medien von möglichen Arbeitsplatzverlusten von bis zu 100.000 Personen in der PKV die Rede. Die jetzt fertig gestellte, revidierte Studie summiert die Zahl der vom PKV-Geschäft abhängigen Personen auf bis zu 67.000. Dazu kämen noch über 10.000 freie Vermittler. Zudem werden „tief greifende Zielkonflikte“ festgestellt, wenn man zugleich die Bürgerversicherungen einführen und die Arbeitsplätze für die PKV-Beschäftigten sichern wollte.
-

- Zum Vergrößern Bild klicken
Die Vereinigte Dienstleistungs-Gewerkschaft (Verdi) hatte bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben, die auch die Auswirkungen einer Bürgerversicherung auf die Beschäftigungssituation in der privaten Krankenversicherung (PKV) ausleuchten sollte.
Die Aufgabe wurde letztlich dem freien Journalisten und Gesundheitsexperten Dr. Robert Paquet übertragen.
Vorab bekannt gewordene Auszüge aus der Studie hatten für erhebliche Unruhe gesorgt, da der Verlust an Arbeitsplätzen in der PKV in einem Medienbericht auf rund 100.000 taxiert wurde (VersicherungsJournal 9.4.2013).
Zuvor hatten Betriebsräte der PKV-Unternehmen von 75.000 potenziellen Arbeitsplatzverlusten gesprochen (VersicherungsJournal 13.3.2013).
Folgen der Bürgerversicherung
In der jetzt fertiggestellten und dem VersicherungsJournal vorliegenden, 107 Seiten umfassenden Studie werden die Folgen von der von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und Gewerkschaften favorisierten solidarischen Bürgerversicherung beschrieben.
Dabei würde im Kern die PKV von jedem Neugeschäft in der Krankenvollversicherung abgeschnitten und den PKV-Versicherten je nach Konzept ein (befristeter) Übergang in die gesetzliche Bürgerversicherung eröffnet – oder sie würden möglichst umgehend wechseln müssen.
GKV könnte ohne Personalbedarf PKV-Versicherte leicht verkraften
Sollte sich ein Modell durchsetzen, dass auf die schnelle Überführung aller neun Millionen Krankenvollversicherten in der PKV abzielt, würde dies die gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) als Kern der neuen Bürgerversicherung vor eine „massive Herausforderung“ stellen.
Wird die PKV aber „nur“ vom Neugeschäft abgeschnitten, wäre dies für die gesetzlichen Krankenkassen kein Problem. „Das Arbeitsvolumen in der GKV ist hoch elastisch“, heißt es in der Studie. Zudem gebe es bei den größeren Kassen immer noch ein hohes Rationalisierungs-Potenzial, was sich an der „nicht immer freiwilligen“ hohen Quote an Teilzeitarbeit zeige.
Freigesetztes PKV-Personal könnte den Krankenkassen nur punktuell und in einzelnen Regionen bei der Neugewinnung von Mitarbeitern zugutekommen. Für das starke Vertriebs-System der PKV wäre in einer Bürgerversicherung ohnehin kein Platz.
PKV-Arbeitsplatzzahl kann nur schwer abgeschätzt werden
Wie viel Arbeitsplätze bei Einführung einer Bürgerversicherung wirklich in der PKV auf dem Spiel stehen, kann der Studie zufolge nur abgeschätzt werden. Eine offizielle Statistik gibt es nicht, zumal viele Versicherer nicht nur das Geschäft mit der Krankenversicherung betreiben.
Von daher ergäben sich Zurechnungsprobleme auch schon deshalb, weil nicht zu klären sei, wer in der allgemeinen Verwaltung oder im Technikbereich für welche Sparte welche Zeit aufbringe. Dies gelte auch für gewerbliche Versicherungsvermittler, die nicht nur PKV-Verträge vermitteln würden.
Die revidierte Studie summiert die Zahl der vom PKV-Geschäft abhängigen Personen jetzt auf schätzungsweise bis zu 67.000. Dazu kämen noch über 10.000 freie Vermittler.
Schwerwiegende Zielkonflikte
Im Endergebnis stellt die Studie eine Reihe schwerwiegender Zielkonflikte fest. Gäbe es eine Arbeitsplatzgarantie für die PKV-Beschäftigen, dann müsste die Bürgerversicherung Personen übernehmen, die sie gar nicht braucht.
Der Bürgerversicherung werde damit eine soziale Verpflichtung auferlegt, die sie nicht zu verantworten habe, durch die sie aber gleichwohl merklich verteuert werde. „Die Politik wird diese Widersprüche bei der Einführung einer Bürgerversicherung ausbalancieren müssen.“




