Wann das AV-Depot zum Verlustgeschäft wird

16.9.2026 – Fondsanlagen ohne Garantien bieten tendenziell zwar höhere Ertragschancen als klassische Policen. Mit ihnen ist allerdings die Gefahr von Verlusten verbunden – vor allem bei kurzer Spardauer und risikoreicher Anlagestrategie. Wann Vorsorgesparer bei ihren bisherigen Verträgen bleiben sollten, stellt der Branchenverband der Assekuranz für zwei Alternativprodukte mit und ohne Life-Cycle-Mechanismus dar.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) warnt vor drohenden Fettnäpfchen für Kunden der geförderten privaten Altersvorsorge. Laut dem aktuell veröffentlichten Beitrag „So groß ist das Verlustrisiko beim Wechsel zum Altersvorsorgedepot“ lauert bei 2027 neu auf den Markt kommenden Produkten die Gefahr, das bisher Angesparte teilweise zu verlieren.

Denn für die neue Produktgattung Altersvorsorgedepot (AV-Depot) sind keine Beitragsgarantien vorgeschrieben (VersicherungsJournal 27.3.2026). Damit ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Vorsorgesparer von Kursstürzen am Aktienmarkt betroffen ist, bei kürzeren Zeiträumen nicht gering.

„Dessen sollten sich vor allem diejenigen bewusst sein, die einen Riester-Vertrag haben und über einen Wechsel zum Altersvorsorgedepot nachdenken“, mahnt der GDV. Denn ihnen bleibt angesichts einer kurzen Restspardauer nicht mehr viel Zeit, zwischenzeitliche Verluste einfach auszusitzen.

Optionen für bisherige Riester-Sparer

Unter anderem aus diesem Grund lohnt sich der unwiderrufliche Wechsel von einer Riester-Police in das AV-Depot nicht immer. Die neuen beitragsbezogenen Förderungen mit einer maximalen Grundzulage von 540 Euro gelten bei einem Förderwechsel auch für den bisherigen Vertrag.

Die Versicherer zeigen anhand von Beispielrechnungen, wann es für Bestandskunden besser ist, den alten Vertrag mit der bisherigen Förderung fortzuführen. Für den Vergleich dienen zwei Riester-Rentenversicherungen mit einer garantierten Verzinsung von 3,25 beziehungsweise 2,75 Prozent.

Als Alternative werden zwei unterschiedliche AV-Depots dargestellt. Das eine weist eine offensive Anlagestrategie mit einer Aktienquote von 100 Prozent bis zum Laufzeitende auf. Das andere enthält einen sogenannten Life-Cycle-Mechanismus. Das bedeutet: Fünf Jahre vor Ende der Ansparphase wird das Vermögen schrittweise von risikoreichen in sicherere Kapitalanlagen umgeschichtet.

Rendite schlechter als bei Versicherung?

Die folgenden Renditen und Verlustwahrscheinlichkeiten wurden mithilfe einer Monte-Carlo-Simulation berechnet. Sie beruht auf 10.000 unterschiedlichen Kapitalmarktszenarien. Produktkosten blieben in dem Vergleich nach GDV-Angaben unberücksichtigt und es wurde eine Aktienprämie von sechs Prozent über risikolosem Zins von zwei Prozent angenommen.

Demnach kann die Rendite des AV-Depots ohne Life-Cycle-Mechanismus schlechter ausfallen als die der Riester-Police ohne Überschussbeteiligung. Die Wahrscheinlichkeit hierfür beträgt zwischen 25,3 Prozent (Restlaufzeit: 15 Jahre; Verzinsung: 2,75 Prozent) und 37,3 Prozent (fünf Jahre; 3,25 Prozent). Mit Life-Cycle-Mechanismus sind es zwischen 24,7 Prozent (15 Jahre; 2,75 Prozent) und 37,1 Prozent (fünf Jahre; 3,25 Prozent).

„Beide Altersvorsorgedepots erzielen in der Simulation über alle Laufzeiten hinweg eine Rendite, die durchschnittlich höher ist als bei den Riester-Produkten“, erklären die Autoren. „Das verdeutlicht die Chancen einer von der Beitragsgarantie befreiten Kapitalanlage.“

Wenn das AV-Depot Verlust macht

Sie schränken allerdings ein: „Das sind Durchschnittswerte. Denn zugleich besteht eine Wahrscheinlichkeit von bis zu einem Viertel, dass das Altersvorsorgedepot Verluste erzielt.“ Bei fünf Jahren verbleibender Spardauer liegt die Rendite jedes dritten AV-Depots unter der der Riester-Rente.

Allerdings haben Bestandskunden neben der förderschädlichen Kündigung und dem Vertragswechsel in ein AV-Depot ohne Garantie beziehungsweise ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Garantie auch noch eine weitere Option.

Der GDV-Beitrag erwähnt nämlich nicht die Alternative, den möglicherweise im Minus stehenden Riester-Vertrag beitragsfrei zu stellen. So können sie die Bruttobeitragsgarantie zum Laufzeitende wahrnehmen und mit einem zweiten Vertrag gleichzeitig die neuen Förderungen empfangen.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Schlagwörter zu diesem Artikel
Weitere Artikel der aktuellen Ausgabe
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren