Unisex kommt oft durch die Hintertür

12.10.2012 (€) – Die wenigsten Rententarife sind „Unisex-sicher“. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Franke und Bornberg GmbH. Nur rund sechs Prozent von 747 untersuchten Rentenpolicen halten alle Vertragsvorteile über die gesamte Laufzeit durch. Am häufigsten wird bei der Leistungsdynamik auf die neuen Rechnungsgrundlagen umgestellt.

Unisex-Tarife Untersuchung Franke und Bornberg

Viele Versicherungen werden sich bei Abschluss ab dem 21. Dezember durch die Umstellung auf geschlechtsneutrale Kalkulation verteuern.

Daher können Frauen zum Beispiel bei Risikolebens-Versicherungen und Männer etwa bei Renten- und Pflegepolicen erhebliche Beiträge einsparen, wenn sie sich vorher noch für einen Vertrag auf Basis der bisherigen Rechnungsgrundlagen entscheiden (VersicherungsJournal 19.6.2012, 29.4.2011).

„Das ist aber nur die halbe Wahrheit“, erklärt Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH.

„Nur rund sechs Prozent der 747 von uns untersuchten Rentenpolicen halten alle Vertragsvorteile über die gesamte Laufzeit durch. Wird der Vertrag nachträglich angepasst, kommt die Unisex-Tarifierung meist durch die Hintertür. Dies birgt Überraschungen für den Kunden und Haftungsrisiken für Makler.“

Wird der Vertrag nachträglich angepasst, kommt die Unisex-Tarifierung meist durch die Hintertür.

Michael Franke, Geschäftsführer der Franke und Bornberg GmbH

Nach Erkenntnissen der Versicherungsanalysten werden für eine Beitrags- beziehungsweise Leistungsdynamik bei rund 81 Prozent der untersuchten Tarife (608 von 747 Tarifen) die Rechnungsgrundlagen der für Männer ungünstigeren Unisex-Tarife verwendet.

Für Zuzahlungen sähen 69 Prozent der Policen (512 von 747 Tarifen) eine geschlechtsneutrale Kalkulation vor.

Weniger Fallstricke böten sich Kunden hinsichtlich einer Verschiebung des Rentenbeginns oder einer Wiederinkraftsetzung: Hier erwarteten sie lediglich bei 21 (154 von 747 Tarifen) beziehungsweise 19 Prozent der Produkte (139 von 747 Tarifen) eine spätere Vertragsumstellung.

Untersucht wurden 747 Tarife von 77 Lebensversicherern

Unisex-Tarife Untersuchung Franke und Bornberg

Die Angaben basieren auf einer im September 2012 von dem Analysehaus durchgeführten Untersuchung von 747 Versicherungstarifen von 77 Lebensversicherern. Dabei handelte es sich um Basis- und Privat-Renten in den Varianten Klassik, Fonds und Hybrid.

Geprüft wurde, ob vor dem Stichtag am 21. Dezember 2012 abgeschlossene Policen bei späteren Vertragsänderungen Unisex-Rechnungsgrundlagen einführen. Die Auswertung berücksichtigt die Fälle Dynamik, Zuzahlungen, Wiederinkraftsetzung und Verschiebung des Rentenbeginns.

Als „Unisex-sicher“ gelten Policen, welche die derzeitigen Vorteile in den untersuchten Kategorien über die gesamte Vertragslaufzeit und ohne Begrenzung des Beitragsvolumens erhalten.

Kein Versicherer ohne Schwächen

Bei keinem Versicherer erwiesen sich in der Untersuchung alle angebotenen Tarife als „Unisex-sicher“.

Als Versicherer, bei denen ein Teil des Tarifangebots die bei Vertragsbeginn geltenden Rechnungsgrundlagen vollständig beibehalten, nennen Franke und Bornberg beispielhaft:

Die vollständige Unisex-Auswertung stellt das Analysehaus den Lizenznehmern seiner Analyse-Software zur Verfügung.

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
Artikel-Werkzeuge für Sie
Diese Seite empfehlen
Schlagwörter zu diesem Artikel
Weitere Artikel der Ausgabe vom 12.10.2012
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren