20.8.2026 – Die Analysen zur Kfz-Versicherung sind unterschiedlich. Allgemein gehen die Experten davon aus, dass die Sparte zurück in der Gewinnzone ist. Das dürfte aber nicht für alle Assekuranzen gelten. Zudem belasten weiterhin steigende Kosten die Bilanz. Verivox vermutet einen Preiswettbewerb. Doch die Prämien könnten auch 2027 weiter steigen. Das große Preisgefälle in der Kfz-Versicherung bleibt aber, wie eine aktuelle Stichprobe beweist.
Nach einer Analyse der Verivox GmbH sind „die Zeiten massiver Preissteigerungen in der Kfz-Versicherung vorbei“. Laut dem Online-Versicherungsmakler liegen die Preise über alle Versicherungsarten hinweg im Mittel gerade einmal 1,3 Prozent über denen des Vorjahrs.
In der Kfz-Haftpflicht hätten die Versicherer die Preise erstmals seit der Coronakrise wieder gesenkt. Angebote aus dem mittleren Preissegment würden aktuell drei Prozent unter dem Vorjahr liegen. Weiter heißt es: „In der als Sorgenkind geltenden Vollkasko-Versicherung setzen die Anbieter 2,5 Prozent Preissteigerungen um, die Teilkasko hat mit nur 0,1 Prozent Steigerung ein Plateau erreicht.“
Versicherungsindex vergleicht die ersten Halbjahre
Das zeige der Kfz-Versicherungsindex von Verivox. Dieser wird gemeinsam mit dem Professor für Data Analytics, Wolfgang Bischof, von der Technischen Hochschule Augsburg ermittelt. „Durch das statistische Verfahren stellen wir sicher, dass der Kfz-Versicherungsindex die tatsächlichen Preisänderungen auf dem Autoversicherungsmarkt abbildet“, erläutert Verivox.
Veränderungen in der Kundenstruktur oder der Nachfrage hätten, anders als bei Durchschnittsberechnungen, keinen Einfluss auf das Ergebnis.
In die Auswertung flossen anonymisiert die Nutzerberechnungen bei Verivox vom 1. bis zum 30. Juni 2026 sowie für den gleichen Zeitraum 2025 und 2022 ein. Das statistische Modell zeigt die Preisentwicklung für Versicherungswechsler.
Prognose auf Basis der „Branchenkenntnis“

- Aljoscha Ziller (Bild: Verivox)
Obwohl die Daten nur für die Vergangenheit erhoben werden, macht Verivox überraschenderweise eine Prognose für die Zukunft. So heißt es in der Mitteilung: „In die kommende Wechselsaison gehen die Versicherer mit unterschiedlichen Strategien.
Viele Versicherer sind noch mehr als vor den defizitären Jahren darauf bedacht, Prämien streng am individuellen Schadensrisiko eines Kunden auszurichten, um so auskömmliche Überschüsse zu erwirtschaften. Andere rechnen hier großzügiger und wollen mit günstigen Preisen ihren Kundenstamm erweitern.“
Auf Nachfrage zu diesen Aussagen des Verivox-Geschäftsführers Aljoscha Ziller, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens: „Hierzu haben wir keine Zahlen, sondern wir geben hier eine Einschätzung als Branchenkenner und aus unseren Gesprächen mit Versicherern“ wieder.
MSK beobachtet höhere Beiträge in der Kfz-Versicherung
Andere Experten kommen hingegen zu abweichenden Prognosen. So erwartet Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung mbH (MSK) für 2026 einen Anstieg der mittleren Beiträge von 5,2 Prozent in Kfz-Haftpflicht und 7,0 Prozent in Kfz-Kasko.
Die Kfz-Versicherer sind aber auch nach Einschätzung von MSK in einer technischen Gewinnzone. Für 2026 erwartet das Beratungsunternehmen eine endabgewickelte Schadenkostenquote von 96,3 Prozent im Kfz-Markt. Sowohl die Kfz-Haftpflicht (95,2 Prozent) als auch Kasko (97,6 Prozent) würden profitabel bleiben.
MSK verweist aber darauf, dass der Markt heterogen ist. Zumindest in 2025 hätten einige Unternehmen den Sprung in die schwarzen Zahlen noch nicht geschafft.
Hohe Kostenbelastung bleibt
„Sorgen bereitet nach wie vor die Schadenteuerung“, heißt es zudem bei MSK. „In Kraftfahrt-Haftpflicht lag die anhand der mittleren Schadenhöhen gemessene Teuerung in 2025 mit etwas über sieben Prozent deutlich höher als die allgemeine Inflation gemäß Verbraucherpreisindex.“ Auch die unterjährigen Zahlen für 2026 würden bislang nicht auf eine Entspannung hindeuten.
So sieht es auch Marktführer Huk-Coburg-Allgemeine Versicherung AG. Auf Anfrage verwies ein Sprecher darauf, dass die Kostenentwicklung bei Kfz-Reparaturen und Ersatzteilen weiterhin dramatisch ist. Autobesitzerinnen und Autobesitzer dürften sich daher wohl auch 2027 mit Prämienerhöhungen auseinandersetzen müssen. „
Zu konkreten Preisentwicklungen in der Kfz-Versicherung können wir aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen keine Stellung nehmen“, so der Sprecher.
Bafin verlangt „Wohlverhalten“ von den Autoversicherern

- Julia Wiens (Bild: Matthias Sandmann)
Die Aussage von Verivox, dass Versicherer für 2027 „großzügiger“ kalkulieren wollen und so „mit günstigen Preisen“ einen neuen Wettbewerb forcieren, sind auch vor dem Hintergrund überraschend, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) aktuell deutlich gemacht hat, dass sie „Wohlverhalten“ auch von den Schaden- und Unfallversicherern, speziell von den Kfz-Versicherern verlangt.
Auf diese neuen Anforderungen der Aufsichtsbehörde verweist auch MSK. Konkret sagte Bafin-Exekutivdirektorin Julia Wiens auf einer Konferenz im Juni 2026: „Tariffreiheit heißt nicht anything goes“.
So habe die Bafin festgestellt, dass 85 Prozent aller Kfz-Versicherer die Preise außerhalb des versicherungsmathematischen Tarifierungsmodells vielfach erheblich differenzieren. So gebe es Rabatte, die nicht risikobasiert sind. Wiens: „In Ausnahmefällen haben wir extreme Rabatte von bis zu 80 Prozent gesehen.“ Diese Praxis wird von der Bafin sehr kritisch gesehen.
Weiterhin starkes Preisgefälle
Grundsätzlich bleibt es aber bei einem extremen Preisgefälle in der Kfz-Versicherung. „Über alle Versicherungsarten hinweg liegen günstige Kfz-Versicherungen 32,5 Prozent unter Angeboten aus dem mittleren Preissegment“, stellt Verivox fest.
In einer aktuellen Stichprobe mit 55 hochwertigen Tarifen mit dem Maklervergleichsprogramm der Nafi GmbH ergibt sich sogar ein Preisvorteil von fast 60 Prozent, wenn man vom teuersten Angebot zum günstigsten wechselt.
So verlangt die Allianz Versicherung AG in ihrem Tarif „Premium WerterhaltGarantie Beitragsschutz“ für das E-Auto VW ID.3 Pure eines 30-jährigen Besitzers eine Jahresprämie von rund 1.151 Euro. Demgegenüber kostet die Absicherung im Tarif „Basis-Schutz“ der Cosmos Versicherung AG nur rund 463 Euro.
Leistung kostet
Tatsächlich ist aber der Allianz-Tarif mit dem Baustein „Werterhaltgarantie“, der eine Neu- oder Kaufpreisgarantie von 60 Monaten enthält, sowie dem „Beitragsschutz“, der die Prämie bei Regional- oder Typklassenänderungen stabil hält, außergewöhnlich leistungsfähig.
Doch selbst wenn man eine durchschnittliche Prämie von 770 Euro (Janitos Versicherung AG – Tarif „Advanced“) vergleicht, liegt der Sparvorteil noch bei 40 Prozent.




