Solvenzquoten: Große Unterschiede bei den PKV-Marktgrößen

10.7.2017 – Im aktuellen Map-Report wurden die privaten Krankenversicherer einer Analyse der Solvabilitätsquoten nach dem neuen Aufsichtsregime Solvency II unterzogen. Die Spannbreite der SCR-Bedeckungsquoten (mit und ohne Übergangsmaßnahmen) unter den Marktgrößen ist gewaltig: Sie reicht bei der „nackten“ Quote von 202 Prozent (Axa) bis 677 Prozent (Hallesche). Nur wenige der (zehn größten) Anbieter haben eine der für den Übergang vorgesehenen Hilfen in Anspruch genommen.

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Im letzte Woche erschienenen Map-Report Nummer 893 „Solvabilität im Vergleich 2007 bis 2016“ wurden neben den Lebensversicherern (VersicherungsJournal 29.6.2017) auch die privaten Krankenversicherer auf ihre Eigenmittelausstattung hin untersucht (SCR-Bedeckung; Solvency Capital Requirement – Solvenzkapital-Anforderung).

Basis der Untersuchung sind die sogenannten SFCR-Berichte (Solvency and Financial Condition Report), die alle deutschen Versicherungs-Unternehmen im Rahmen des neuen Aufsichtsregimes Solvency II zum Stichtag 22. Mai 2017 erstmals veröffentlichen mussten. Knapp drei Wochen später hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) eine erste Übersicht über die Solvenzquoten veröffentlicht (VersicherungsJournal 12.6.2017).

Ergebnis: Alle berichtspflichtigen Krankenversicherer wiesen zum Stichtag 31. Dezember 2016 eine ausreichende SCR-Bedeckung auf. Die Höhe der anrechnungsfähigen Eigenmittel aller Krankenversicherer bezifferte die Bafin auf rund 25,4 Milliarden Euro – bei einem Branchen-SCR von 5,9 Milliarden Euro. Die Bedeckungsquote lag damit bei gut 430 Prozent.

Seltener Übergangsmaßnahmen als in Leben

Im Unterschied zu den Lebensversicherern nahmen nur einige wenige Gesellschaften die für den Übergang auf das neue Eigenkapitalregime vorgesehenen Hilfen in Anspruch. Maßnahmenpläne (§ 353 VAG) wie in Leben wurden der Aufsicht in Kranken nicht vorgelegt. Daten auf Anbieterebene veröffentlichte die Bafin allerdings nicht.

Diese werden aber im Map-Report 893 aufgelistet. Dabei wurden die Kennzahlen sowohl mit als auch ohne Übergangsmaßnahmen (Zins- oder Rückstellungs-Transitional und Volatilitätsanpassung) berechnet.

Den Daten zufolge nutzten sieben Anbieter die Volatilitätsanpassung, fünf Gesellschaften die Übergangsmaßnahmen für versicherungstechnische Rückstellungen und drei private Krankenversicherer wendeten beide Maßnahmen an.

Große Unterschiede

Die Unterschiede bei den Quoten sind immens. Bei der „nackten“ Quote – also ohne oben genannte Hilfen – gibt es allein unter den zehn größten Gesellschaften (mehr als eine Milliarde Euro verdiente Bruttobeiträge 2016) eine Spannbreite zwischen 677 Prozent (Hallesche Krankenversicherung a.G.) und 207 Prozent (Axa Krankenversicherung AG).

Bild: Wichert

Für den Marktführer Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. wird eine Bedeckungsquote von 449 Prozent ausgewiesen, während die DKV Deutsche Krankenversicherung AG als Nummer zwei im Markt auf einen Wert von 361 Prozent kommt. Im Schnitt sind es 521 Prozent.

Mit Volatilitätsanpassung, die unter den Marktgrößen die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG, die Continentale Krankenversicherung a.G., die Debeka, die Signal Krankenversicherung a.G. und die Hallesche nicht genutzt haben, liegen die Quoten zwischen 221 Prozent (Axa) und 540 Prozent (Huk-Coburg). Der Branchenschnitt wird mit 431 Prozent angegeben.

Bild: Wichert

„Der Durchschnitt wurde nur für Gesellschaften berechnet, die eine Volatilitätsanpassungen anwendeten oder diese Kennzahl rein informativ veröffentlichten. Dadurch ist der Durchschnittswert niedriger als der Mittelwert der SCR-Bedeckung ohne Volatilitätsanpassung“, erläutert Map-report-Chefredakteur Reinhard Klages.

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 893 „Solvabilität im Vergleich 2007 bis 2016“ enthält Übersichten zu den Bedeckungsquoten von 80 Lebens- und 34 privaten Krankenversicherern. Welche Schlüsse Vermittler aus den neuen Quoten ziehen können, erläutert Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages im Interview (VersicherungsJournal 29.6.2017). Weitere Hintergrund-Informationen zu der Untersuchung sind auf dieser Internetseite zu finden.

Die Studie ist lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 85 Euro und als gedrucktes Heft für 95 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für Sammelbestellungen und weitergehende Nutzungsrechte können per E-Mail oder über dieses Kontaktformular angefordert werden.

 
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