10.10.2016 (€) – Im Fondspolicen-PI-Rating deutscher Lebensversicherer (Map-Report 886) wurden erstmals auch provisionsfreie Tarife untersucht. Diese weisen Effektivkosten zwischen 0,71 und 1,77 Prozent auf, während die klassischen Produkte der gleichen Anbieter zwischen 1,46 und 2,35 Prozent kosten. Groß sind die Unterschiede auch bei den Versicherungsleistungen.
In ihrem Fondspolicen-PI-Rating deutscher Lebensversicherer (VersicherungsJournal 6.9.2016) hat die Map-Report-Redaktion im Vertragsteil erstmals auch Nettopolicen berücksichtigt. Die Daten dieser Tarife ohne Beitragsgarantie von elf Gesellschaften und mit garantiertem Beitragserhalt von sieben Anbietern hat die Morgen & Morgen GmbH beigetragen.
Das Angebot dieser auf Honorarberater zugeschnittenen Tarife mit reduzierten oder ohne Abschlusskosten ist also vergleichsweise klein. Das zeigt auch das Dossier „Dienstleister für Honorarberater – Anbieter, Services und Kosten im Vergleich“ (VersicherungsJournal 16.9.2016). Danach sind einschließlich der hierzulande tätigen ausländischen Gesellschaften insgesamt etwa zwei Dutzend Lebensversicherer mit Nettotarifen am Markt.
Modellfall über 30 Jahre Laufzeit
Erwartungsgemäß führt das Verzichten beziehungsweise Reduzieren der Vertriebskosten bei gleichem Beitrag zu höheren Versicherungsleistungen.
Das zeigt sich nach den Map-Report-Daten zum Beispiel am Fall eines Versicherten, der im Alter von 37 Jahren am 1. Juli 2016 eine aufgeschobene Rentenversicherung mit 30 Jahren Aufschubzeit abgeschlossen hat. Dabei sind die Rückzahlung des Fondsguthabens bei Tod während der Aufschubzeit und 100 Euro Monatsbeitrag ohne garantierten Beitragserhalt vereinbart.
Für die Modellrechnung wird eine Wertentwicklung der Kapitalanlage ohne Berücksichtigung der externen Fondskosten von sechs Prozent unterstellt.
Große Unterschiede bei den Kosten
Die Unterschiede zwischen Brutto- und Nettopolicen werden bei den Effektivkosten und der Kapitalabfindung am deutlichsten.
Die Effektivkosten werden von Morgen & Morgen nach einem einheitlichen Berechnungsschema ermittelt. Sie sind daher besser vergleichbar, als die von den Versicherern nach unterschiedlichen Methoden ermittelten, selbst herausgegebenen Zahlen.
Für neun Anbieter lagen für den Modellfall die Daten sowohl für Brutto- als auch für Nettopolicen vor. Bei den Bruttopolicen reichten die Effektivkosten von 1,46 Prozent (Neue Bayerische Beamten Lebensversicherung AG) bis 2,35 Prozent (Lebensversicherung von 1871 a.G.). Bei den Nettopolicen ist mit 0,71 Prozent die Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group am preiswertesten und die LV 1871 mit 1,77 Prozent am teuersten.
Die größte Ersparnis bei den Effektivkosten von 52 Prozent haben die Käufer von Nettopolicen bei der Interrisk, am geringsten ist die Differenz im Vergleich zu den Bruttotarifen mit 23 Prozent bei der Ergo Lebensversicherung AG.
| Versicherer | Bruttopolice * | Nettopolice * | Differenz * |
|---|---|---|---|
| * In Prozent. Quelle: Map-Report 886, eigene Berechnung. | |||
| Interrisk | 1,47 | 0,71 | 51,70 |
| 1,90 | 1,03 | 45,79 | |
| Neue Bayerische Beamten | 1,46 | 0,82 | 43,84 |
| 1,86 | 1,23 | 33,87 | |
| 2,12 | 1,54 | 27,36 | |
| 1,78 | 1,33 | 25,28 | |
| LV 1871 | 2,35 | 1,77 | 24,68 |
| 2,20 | 1,66 | 24,55 | |
| Ergo | 2,13 | 1,64 | 23,00 |
Bis 16 Prozent Differenz bei der Kapitalabfindung
In der prognostizierten Kapitalabfindung schlagen sich die Unterschiede weniger deutlich nieder. Hier bekommen Netto-Kunden zwischen acht (Alte Leipziger) und 16 Prozent (Vorsorge) mehr Vermögen zusammen als die Erwerber der voll mit Vertriebskosten belasteten Policen.
Die absoluten Werte unterscheiden sich in dem Beispiel zwischen 5.773 und 11.462 Euro. Davon müssen die Versicherungsnehmer noch die Aufwendung für die Beratung beziehungsweise Vermittlung abziehen. Diese fällt bei Nettopolicen normalerweise an, da die Vermittler bei Nettopolicen keine Vergütung von den Versicherern erhalten.

- Map-Report 886 - Kapitalabfindungen im Vergleich (Bild: Meyer)
Von der höheren Kapitalabfindung einfach das Beratungshonorar abzuziehen, wäre allerdings zu einfach. Denn es ist zu berücksichtigen, dass das Honorar bei Vertragsbeginn zusätzlich anfällt, während der Mehrertrag der Nettopolice erst nach Ende der Aufschubzeit zum Tragen kommt. Daher ist es sachgerecht, ihn für den Vergleich auf den Barwert abzuzinsen.
Zinst man die Mehrleistung der Nettopolicen mit sechs Prozent (entsprechend der angenommenen Fondsentwicklung) ab, so ergibt sich ein Barwert zwischen 1.005 und 1.996 Euro. Das entspricht bei der Beitragssumme von 36.000 Euro einer Abschlussprovision zwischen 28 und 55 Promille der Beitragssumme.
Gleicher Rentenfaktor
Wie die Kosten und Kapitalabfindungen, unterscheiden sich auch die prognostizierten Altersrenten. Allerdings sind die garantierten Rentenfaktoren bei Brutto- und Nettopolicen bei allen untersuchten Gesellschaften gleich.
Sie liegen nach 30 Jahren Beitragszahlung bei Rentenbeginn mit 67 Jahren im Jahr 2046 pro 10.000 Euro verfügbaren Kapitals bei den Nettopolicen-Anbietern zwischen 32,61 Euro (Continentale) und 21,66 (Canada Life). Somit müssen die Versicherten zwischen 92,6 und 105,5 Jahre alt werden, um garantiert ihr bei Rentenbeginn investiertes Kapital in Rentenform zurückzuerhalten.
Bei den Bruttopolicen-Anbietern beginnt die Spanne mit 92,4 Jahren bei der Europa Lebensversicherung AG. Schlusslichter sind hier Standard Life (110,6 Jahre) und Allianz Lebensversicherungs-AG (118,3 Jahre).
Berücksichtigt man, dass der Ertragsanteil der Renten steuerpflichtig ist, so kann sich der Amortisationszeitpunkt noch mehrere Jahre verschieben (VersicherungsJournal 29.8.2016).
Weitere Informationen und Bestellhinweis
Der Map-Report Nummer 886 – „Fondspolicen-PI-Rating deutscher Lebensversicherer“ ist lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 77 Euro und als gedrucktes Heft für 85 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link.
Im VersicherungsJournal-Verlag sind zu dem Themenkomplex außerdem das Fachbuch „Die fondsgebundene Versicherung" und das Praktikerhandbuch „Fondsverkauf einfach gemacht" erhältlich.
Morgen erscheint der „Map-Report 887 – Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2015“ mit einem vollständigen Marktüberblick von 82 Gesellschaften.




