Sechs Lebensversicherer schwächeln

20.10.2016 (€) – Das Analysehaus Morgen & Morgen GmbH hat sein aktuelles Rating von 67 Lebensversicherungs-Unternehmen über neun Bilanzkennzahlen vorgelegt. Acht Gesellschaften erhielten die Höchstnote (Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Europa, Hannoversche, R+V a.G., Stuttgarter und WGV), während mit der Generali, der Gothaer, dem Münchener Verein, der Öffentlichen Berlin-Brandenburg, der Provinzial Rheinland und der Rheinland sechs Anbieter wie im Vorjahr nur „sehr schwach“ abschnitten. Auf die höchste Wachstumsquote (Fünfjahresschnitt) kommt die Hansemerkur.

Bereits zum 22. Mal hat das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen GmbH (M&M) die Lebensversicherer auf dem deutschen Markt hinsichtlich Kosten, Sicherheitspolster, Erträge und Marktstellung untersucht.

Zinszusatzreserve belastet

„Die anhaltend fordernde Kapitalmarktsituation beansprucht die Branche weiterhin“, erläutert das Analysehaus die Ergebnisse des gestern veröffentlichten, aktuellen „M&M Ratings LV-Unternehmen“. Für besondere Belastung habe die Dotierung der Zinszusatzreserve (VersicherungsJournal 17.6.2016) gesorgt – wenn auch je nach Gesellschaft in unterschiedlicher Höhe.

Im vergangenen Jahr ist die Zinszusatzreserve um 50 Prozent auf rund 30 Milliarden Euro angestiegen. Mit ihr soll langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und den real am Markt erzielbaren Zinsen geschlossen werden. Hiervon sind die Versicherungs-Gesellschaften in unterschiedlicher Höhe betroffen.

„Um die damit in Zusammenhang stehenden Aufwände stemmen zu können, haben die Versicherer Bewertungsreserven realisiert und dadurch eine akzeptable Nettoverzinsung von durchschnittlich 4,3 Prozent erzielt“, analysiert Morgen & Morgen die Marktentwicklung.

Aufgrund der Aufwände für die Zinszusatzreserve seien die Überschussquote und die Quote der Rückstellung für Beitragsrückerstattung gesunken. 2014 hätten die Aufwände für die Zinszusatzreserve noch bei 23 Prozent der Zinserträge gelegen, 2015 seien es bereits rund 28 Prozent gewesen. „Dies ist gleichbedeutend mit einer theoretischen Verminderung der Nettoverzinsung um durchschnittlich 1,2 Prozent durch Aufwände für die Zinszusatzreserve“, so das Analysehaus weiter.

Mehr als jeder dritte Anbieter nur unterdurchschnittlich

So bekam aktuell wie im Vorjahr (VersicherungsJournal 22.10.2015) rund jede achte der insgesamt 67 untersuchten Lebensversicherungs-Gesellschaften die Höchstnote „ausgezeichnet“ (fünf Sterne).

Die Zahl der „sehr guten“ Anbieter (vier Sterne) reduzierte sich um vier, während drei Versicherer mehr ein „durchschnittlich“ (drei Sterne) erhielten. Zwei Sterne („schwach“) gab es aktuell für eine Gesellschaft weniger als im Vorjahr. Unverändert sechs Gesellschaften wurden mit „sehr schwach“ (ein Stern) bewertet.

Bild: Wichert

Die Gesellschaften mit den besten und schlechtesten Bewertungen

Die Höchstnote (fünf Sterne – „ausgezeichnet“) erhielten wie im Vorjahr die Allianz Lebensversicherungs-AG, die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G., die Europa Lebensversicherung AG, die Hannoversche Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung a.G. und die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. Neu in die Spitzengruppe platzierte sich die WGV-Lebensversicherung AG

„Sehr schwach“ bewertet wurden wie im Vorjahr die fünf Gesellschaften Generali Lebensversicherung AG, Gothaer Lebensversicherung AG, Münchener Verein Lebensversicherung a.G., Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg AG, und Rheinland Lebensversicherung AG. Von „schwach“ auf „ sehr schwach“ verschlechterte sich die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG, während sich die VPV Lebensversicherung AG von einem Stern auf zwei Sterne verbesserte.

M&M Rating LV-Unternehmen 2016

ausgezeichnet (*****)

sehr gut (****)

durchschnittlich (***)

schwach (**)

sehr schwach (*)

Allianz

Bayern Versicherung

Axa

Aachenmünchener

Generali

Alte Leipziger

Condor

Basler

Arag

Gothaer

Debeka

Deutsche Ärzte

Continentale

Barmenia

Münchener Verein

Europa

DEVK a.G.

DEVK Allgemeine

Concordia Oeco

Öffentliche Berlin Brandenburg

Hannoversche

Huk-Coburg

die Bayerische

Cosmos

Provinzial Rheinland

R+V a.G.

Ideal

Direkte Leben

Ergo

Rheinland

Stuttgarter

Interrisk

Hansemerkur

Ergo Direkt

WGV-Leben

Itzehoer

Inter

Familienfürsorge

LVM

Karlsruher

HDI

Mecklenburgische

LV 1871

Helvetia

Öffentliche Braunschweig

Neue Leben

Iduna

PB Leben

Nürnberger

Landeslebenshilfe

R+V AG

Öffentliche Oldenburg

Provinzial Nordwest

WWK

Öffentliche Sachsen-Anhalt

Saarland

Süddeutsche

SV Sachsen

SV Leben

VPV

Swiss Life

Württembergische

Targo

Universa

VGH

Volkswohl Bund

Zurich Deutscher Herold

Ab- und Aufsteiger

Eine Ratingstufe besser als im Vorjahr schnitten neben der VPV die Deutsche Ärzteversicherung AG und die WWK Lebensversicherung a.G. (aktuell jeweils vier Sterne) sowie die Inter Lebensversicherung AG, die Universa Lebensversicherung a.G. und die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG (aktuell jeweils drei Sterne) ab.

Abwärts um einen Stern ging es neben der Provinzial Rheinland (auf einen Bewertungsstern) auch für die Direkte Leben Versicherung AG, die Hansemerkur Lebensversicherung AG, die Neue Leben Lebensversicherung AG, die Süddeutsche Lebensversicherung a.G. und die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. (auf drei Bewertungssterne).

Von „durchschnittlich“ auf „schwach“ (zwei Sterne) abwärts ging es für die Concordia Oeco Lebensversicherungs-AG, die Ergo Direkt Lebensversicherung AG und die Landeslebenshilfe V.V.a.G..

So wurde bewertet

In die Bewertung für das LV-Unternehmensrating flossen insgesamt neun Kennzahlen über den Zeitraum der letzten fünf Jahre (2011 bis 2015) ein.

Dazu zählen neben der Nettoverzinsung auch die Abschlusskosten- und die Verwaltungskostenquote sowie die RfB- und die Überschussquote. Weitere Kennzahlen sind das Storno bei kapitalbildenden Tarifen, die modifizierte Eigenmittelquote, die Bewertungsreserven und die Wachstumsquote.

Die wachstumsstärksten Lebensversicherer

Für das VersicherungsJournal hat Morgen & Morgen für das Rating-Kriterium Wachstumsquote die topplatzierten Anbieter, den Durchschnittswert und den schlechtesten Wert bekannt gegeben. In diese Quote fließen zu 50 Prozent das Wachstum der gebuchten Bruttobeiträge und zu jeweils 25 Prozent das Wachstum der Versicherungssummen und der Kapitalanlagen ein – jeweils gemittelt über die letzten fünf Jahre.

An der Spitze liegt die Hansemerkur mit einer Quote von über 22 Prozent, gefolgt von der Neuen Bayerischen Beamten Lebensversicherung AG (die Bayerische) mit gut 17 Prozent. Rang drei belegt mit schon recht großem Abstand die Ideal Lebensversicherung a.G., deren Quote minimal unter zehn Prozent liegt. Als einzige Fünf-Sterne-Versicherer schafften es die Alte Leipziger und die Stuttgarter in die Top Ten bei der Wachstumsquote (8,0 Prozent, Rang vier).

Bild: Wichert

Der Marktführer Allianz landet mit einer Wachstumsquote von knapp drei Prozent im Mittelfeld und nur leicht über dem Branchenmittelwert von 2,3 Prozent. Der schlechteste Wert liegt bei minus 4,4 Prozent. Bei den Kapitalanlagen erzielte die Bayerische den höchsten Wert (15,3 Prozent), bei den Beiträgen und Versicherungssummen die Hansemerkur mit 25,9 beziehungsweise 28,9 Prozent, wie aus den Daten des Analysehauses weiter hervorgeht.

Weitere Details und Erläuterungen zur Ratingmethodik können auf dieser Morgen & Morgen-Internetseite nachgelesen werden. Ganz unten auf der Seite steht auch die Rating-Übersicht als PDF-Dokument zum Download bereit.

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