30.11.2012 (€) – Die staatlich geförderte Pflegezusatz-Versicherung soll am 1. Januar 2013 an den Start gehen. Welche Erwartungen die privaten Krankenversicherer (PKV) an die neue Zusatzversicherung haben, erläuterte PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Der sogenannte „Pflege-Bahr“ könnte das zuletzt verhaltener laufende Geschäft mit Zusatzversicherungen deutlich beleben. Welch hohe selbst zu tragende Kosten im Pflegefall auf die Menschen zukommen können, machte zuletzt der Pflegereport 2012 der Barmer GEK deutlich (VersicherungsJournal 28.11.2012).
VersicherungsJournal: Herr Dr. Leienbach, wie beurteilen Sie die von der Politik für den „Pflege-Bahr“ gesetzten Rahmenbedingungen einschließlich der Vorgaben der Pflegevorsorgezulage-Durchführungsverordnung?
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- Volker Leienbach (Bild: Brüss)
Leienbach: Die geförderte ergänzende Pflegezusatz-Versicherung setzt starke Anreize, dass mehr Menschen für die demografische Lücke in der Pflege vorsorgen. Sie ist damit ein guter erster Schritt für eine nachhaltigere Finanzierung der Pflegeversicherung und zugleich eine historisch wichtige Weichenstellung:
Mit dem Einstieg in die kapitalgedeckte Pflegevorsorge erkennt der Gesetzgeber an, dass eine Ausweitung des Umlageverfahrens in der Sozialversicherung angesichts des Demografie-Problems nicht mehr möglich ist.
Was nun die Vorgaben der Durchführungsverordnung betrifft, so hat sich der Gesetzgeber dank unbürokratischer Rahmenbedingungen für einen praktikablen Weg entschieden. Dies ermöglicht es der Branche, die neue Versicherung zu besonders günstigen Bedingungen anzubieten.
VersicherungsJournal: Ist die in der Durchführungsverordnung genannte Erwartung von 1,5 Millionen „Pflege-Bahr“-Verträgen allein in 2013 realistisch oder viel zu ehrgeizig gesetzt?
Leienbach: 1,5 Millionen Verträge im ersten Jahr sind mit Sicherheit ein ehrgeiziges Ziel. Das heißt aber nicht, dass dieses Ziel unrealistisch ist. Die staatliche Förderung wird die Menschen stärker für das Pflegerisiko sensibilisieren und die Bereitschaft zur privaten Pflege-Vorsorge erhöhen.
Gerade für junge Leute ist die Förderung sehr attraktiv – immerhin bekommen sie 50 Prozent Staatszuschuss, also fünf Euro Zulage, bei zehn Euro Eigenbeitrag. Zugleich geben die gesetzlichen Vorgaben erstmals allen Bürgern dieses Landes einen Rechtsanspruch darauf, eine zusätzliche private Absicherung in der Pflegeversicherung abzuschließen. Insofern rechnen wir mit einem großen Interesse seitens der Kunden.
VersicherungsJournal: Wann werden die ersten „Pflege-Bahr“-Policen von privaten Krankenversicherern angeboten?
Leienbach: Viele PKV-Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, die neuen Tarife schnellstmöglich anzubieten. Nach dem, was wir hören, werden die ersten Produkte schon kurz nach dem Jahreswechsel auf dem Markt zu finden sein. Für Wettbewerb ist also gesorgt.
VersicherungsJournal: Und wann wird es ein nahezu vollständiges flächendeckendes Angebot geben?
Leienbach: Wann und zu welchen Bedingungen jedes einzelne PKV-Unternehmen das neue Produkt anbieten wird, entzieht sich als Unternehmensentscheidung unserer Kenntnis.
VersicherungsJournal: Da die Vertriebskosten auf zwei Monatsbeiträge gedeckelt sind, könnten wesentliche Impulse eigentlich nur aus Kooperationen mit gesetzlichen Krankenversicherern kommen. Welche Chancen sehen Sie hier und welche im eigenen Vertrieb der PKV?
Leienbach: Diese Einschätzung greift nach unserer Sicht zu kurz: Wir rechnen zum einen mit sehr starken Impulsen von Seiten der Versicherten selbst. Zum anderen vertrauen wir auf die Verantwortung der Vermittler, ihren Kunden die neue Zusatzversicherung zu empfehlen.
Falls sich darüber hinaus Vertriebsmöglichkeiten über die Kooperation mit gesetzlichen Kassen ergeben, so stehen wir dem mit Sicherheit nicht ablehnend gegenüber. Bei der geförderten ergänzenden Pflegezusatz-Versicherung handelt es sich um ein attraktives Produkt, für das es einen objektiven Bedarf in unserer Gesellschaft gibt.
Ich gehe daher fest davon aus, dass potenzielle Kunden mit einem lebhaften Wettbewerb innerhalb der privaten Krankenversicherung rechnen können.




