Gut zu wissen: Budgettarife in der betrieblichen Krankenversicherung

24.7.2026 – Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist für immer mehr Firmen ein Instrument, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden sowie um die Belegschaft gesund zu halten. Hiervon profitieren vor allem gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer. Besonders beliebt sind diejenigen Policen, die wahlweise für Zahnimplantate, Brillen oder andere Extraleistungen aufkommen. Versicherungsmakler haben die Wahl aus einem wachsenden Angebot.

Das Geschäft mit der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) hat sich vom zarten Pflänzchen zum festen Zweig der Assekuranz entwickelt. Ende 2025 boten etwa 60.800 Unternehmen die zusätzliche Absicherung, meldet der Verband der Privaten Krankenversicherung e.V. (VersicherungsJournal 12.6.2026). Im Vergleich zu 2015 hat sich die Zahl fast verzehnfacht. Ein Grund: Die bKV ist seit 2019 wieder als Sachbezug von Lohnsteuer und Sozialabgaben befreit (7.8.2019).

Beinahe verfünffacht hat sich in den vergangenen zehn Jahren hingegen die Zahl der über den Betrieb versicherten Arbeitnehmer, die zum Jahreswechsel auf 2,72 Millionen Beschäftigte stieg.

Denn in den vergangenen Jahren wurde die bKV verstärkt als Instrument beworben, mit dem sich insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) als attraktive Arbeitgeber positionieren können. Hintergrund ist der zunehmende Wettbewerb um gut ausgebildete Bewerber, der in Zeiten des Fachkräftemangels auch über betriebliche Policen ausgetragen wird. Manche bKV-Anbieter, wie die Signal Iduna Krankenversicherung a.G., versichern heute bereits Gruppen ab drei Personen.

Hallesche hatte ersten Budgettarif auf den Markt gebracht

Da in der bKV keine Gesundheitsprüfung stattfindet, steht sie auch Menschen zur Verfügung, die aufgrund von Vorerkrankungen allein nicht mehr jeden Versicherungsschutz abschließen können.

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich laut einer Studie der Funk Vorsorgeberatung GmbH die Budgettarife. Sie werden von mehr als der Hälfte der bKV-Versicherten genutzt (12.12.2025).

Als Pionier hatte die Hallesche Krankenversicherung a.G. 2018 eine bKV mit Gesundheitsbudget auf den Markt gebracht. Seitdem steht den Versicherten eine neue Tarifwelt von einer wachsenden Anbieterzahl zur Verfügung. Nicht in ihrer Produktpalette haben diese Policen hingegen beispielsweise die Huk-Coburg-Krankenversicherung AG und die Universa Krankenversicherung a.G.

Stationäre Leistungen über weitere Tarifbausteine abdecken

Uwe Jüttner (Bild: Aon)
Uwe Jüttner (Bild: Aon)

Alle Budgettarife haben gemeinsam, dass jeweils ein vorgegebener Höchstbetrag flexibel und individuell auf vielfältige Gesundheitsleistungen aufgeteilt werden kann. Die in der Regel vier Tarifstufen liegen bei 300, 600, 900 und 1.200 Euro pro Jahr und Mitarbeiter. Einzelne Versicherer bieten hingegen auch Kostenrahmen von zum Beispiel 800, 1.000 oder 1.700 Euro an.

In Höhe dieser Summen können die Versicherten aus einem bunten Strauß von Services auswählen – je nach individuellem Bedarf beispielsweise alternative Medizin, Zahnersatz oder Sehhilfen. Das Leistungsniveau ist wegen des scharfen Wettbewerbs in dem boomenden Markt ähnlich hoch.

„Der Leistungsumfang bezieht sich auf ambulante und zahnärztliche Leistungen und schließt stationäre Behandlungen aus“, erläutert Uwe Jüttner, Experte für Gesundheitsschutz bei der Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH.

bKV-Paketlösungen durch Kombination von Tarifbausteinen

Der Statistik der Halleschen zufolge setzen die Kunden den höchsten Anteil ihres bKV-Budgets für Leistungen ein, die einerseits einen direkten gesundheitlichen Mehrwert im Alltag bieten. Andererseits sind Services gefragt, die von den Krankenkassen nur eingeschränkt oder gar nicht erstattet werden. Bei diesen gesetzlichen Versorgungslücken stiftet die bKV einen spürbaren Zusatznutzen.

Konkret wird demnach Folgendes besonders häufig in Anspruch genommen:

  • Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen,
  • physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere Massagen und Krankengymnastik,
  • Arznei- und Verbandmittel,
  • osteopathische Behandlungen, die als ganzheitlich orientierte Therapieform zunehmend an Bedeutung gewinnen, sowie
  • zahnbezogene Leistungen, insbesondere Zahnreinigung, Zahnbehandlung und Zahnersatz.

Neben reinen Budgets sind auch bKV-Paketlösungen durch die gezielte Kombination verschiedener Tarifbausteine möglich. Letztere betreffen insbesondere Ergänzungsmodule für Wahlleistungen bei der zahnmedizinischen oder stationären Behandlung (zum Beispiel im Einbettzimmer).

Kunden können nicht beanspruchte Restsummen übertragen

In der Praxis besteht ein solches Paket beispielsweise aus den folgenden zwei Komponenten:

  • Allgemeines Budget für Gesundheitsausgaben wie beispielsweise Sehhilfen, Therapien oder Arzneimittel und
  • gezielte zeitliche, finanzielle, körperliche und emotionale Entlastung für Mitarbeiter, die nahe Angehörige pflegen.
Alexander Brix (Bild: Netfonds]
Alexander Brix (Bild: Netfonds]

Die bKV-Budgets gelten üblicherweise jeweils für zwölf Monate. Bei manchen Anbietern können Kunden ihre nicht in Anspruch genommenen Restsummen ins nächste Jahr übertragen.

„Denn die Erfahrung zeigt, dass nur wenige Mitarbeiter ihre Budgets voll ausreizen“, berichtet Alexander Brix, Leiter des Fachbereichs betriebliche Versorgungssysteme (bVS) der Netfonds AG.

„Positiv an dieser Regelung, wie sie zum Beispiel bei der Allianz Private Krankenversicherungs-AG praktiziert wird: Der Mitarbeiter kann besser seine Finanzen planen“, so Brix weiter.

„Wenn also beispielsweise eine Behandlung beim Zahnarzt ansteht, deren Kosten über das jährliche Budget hinausgehen, kann er einen höheren bKV-Zuschuss ‚ansparen‘.“

Anpassungsmöglichkeiten insbesondere für PKV-Kunden

Die bKV setzt zwar grundsätzlich auf Kollektivlösungen mit einheitlichen Konditionen für ganze Belegschaften. Dennoch bestehen individuelle Anpassungsmöglichkeiten – insbesondere für Kunden der privaten Krankenversicherung (PKV).

  • Erstens zum Schließen von Leistungslücken: Die bKV-Tarife können gezielt dort einspringen, wo PKV-Leistungen begrenzt sind. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Zahnersatz. Wird etwa im Rahmen der PKV hierfür nur ein Erstattungssatz von 80 Prozent gewährt, kann über die bKV die Differenz abgesichert werden – ohne Gesundheitsprüfung und zu günstigen Kollektivkonditionen.
  • Zweitens ist der PKV-Schutz modular gestaltbar: In Einzelfällen kann ein bestehender PKV-Vollversicherungsschutz bewusst reduziert und durch bKV-Leistungen ergänzt werden. Ein Beispiel dafür ist etwa die Umstellung auf einen Mehrbettzimmertarif in der PKV. Der Ein- oder Zweibettzimmer-Komfort wird hingegen über eine stationäre bKV-Lösung abgedeckt.

Solche Konstellationen bergen allerdings auch Risiken. Beispielsweise kann die Absicherung über die bKV entfallen, wenn der Arbeitgeber den Vertrag kündigt oder der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Ebenso sind Altersrückstellungen bei bKV-Verträgen in der Regel nicht vorgesehen.

Produkte für die ganzheitliche Gesundheitsvorsorge gefragt

Robert Gladis (Bild: Hallesche)
Robert Gladis (Bild: Hallesche)

Die Eigenschaften der neuen Budgettarife sorgen dafür, dass die Zeit der klassischen Einzelbausteintarife für Zahnersatz oder Sehhilfen in der bKV vorbei ist, sagt Robert Gladis, Leiter der Zentralbereiche Gruppenversicherung sowie Aktuariat und Produktentwicklung der Halleschen.

„Heutzutage sind Produkte für die ganzheitliche Gesundheitsvorsorge gefragt“, begründet Gladis. „Daher haben sich stattdessen Budgettarife als tragende Säule im deutschen bKV-Markt etabliert.“ Sie gelten als konsensfähiger „kleinster gemeinsamer Nenner“ für den Extra-Gesundheitsschutz.

Im Vertrieb sei die einfache Kommunikation und leichte Verständlichkeit für die Mitarbeiter hilfreich. Zudem eigneten sie sich als „Lösung für Arbeitgeber aller Größen“, berichtet Gladis. „Insbesondere in den kleinen und mittleren Unternehmen fungieren Budgettarife häufig als niederschwelliger Einstieg.“

Versicherungsvermittler sollten Assistance-Service betonen

Versicherungsvermittler sollten in der bKV-Beratung laut Gladis Assistance-Dienstleistungen betonen. Denn sie haben sich demnach „von einstigen Zusatzangeboten zu einem zentralen Bestandteil moderner Versorgungskonzepte entwickelt“.

„Sie werden von Arbeitgebern und Mitarbeitenden zunehmend erwartet“, so Gladis weiter. Wichtig seien insbesondere medizinische Beratungshotlines und das Terminmanagement, Zweitmeinungsangebote oder digitale Gesundheitsanwendungen – etwa per App.

In der Zukunft dürften für Arbeitgeber – den Kunden im bKV-Vertrieb – die zunehmenden psychischen Belastungen im Job immer wichtiger werden. Gladis: „Auch in der bKV wird mentale Gesundheit zu einer tragenden Säule und entsprechende Bausteine dürften sich als Standardleistung etablieren.“

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