GDV: Branche muss bei LVRG-Umsetzung aufs Tempo drücken

2.9.2015 (€) – Die deutsche Versicherungswirtschaft muss nach Einschätzung von GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) konsequent umsetzen. Die Branche agiere hier noch zu zögerlich, sagte Erdland in einem Hintergrundgespräch in Berlin. Dies gelte auch für die Absenkung der Abschlusskosten.

Alexander Erdland (Bild: Brüss)
Alexander Erdland (Bild: Brüss)

Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) sagte gestern Abend vor einem kleinen Kreis von Journalisten, natürlich benötige die Umsetzung des LVRG einige Zeit, da es ja mit Vertretern und Maklern Verträge gebe.

„Aber wir müssen nach unten anpassen und dabei einen fairen Interessensausgleich finden.“ So könnten etwa Bestandsprovisionen angehoben werden.

Der GDV-Präsident erläuterte, dass die Politik eine konsequente Umsetzung erwarte. „Die Politik will, dass die Abschlusskosten sinken“, so Erdland. Deshalb müssten die Anbieter hier schneller werden.

Auch bei der Transparenz der Effektivkosten müsse nachjustiert werden. Wenn man gegenüber der Politik glaubwürdig auftreten wolle, dann müsse die Berechnung der sogenannten Reduction in Yield branchenweit vereinheitlicht werden, sagte Erdland.

Ohne Gegensteuern steigt Zinszusatzreserve in schwindelerregende Höhen

Erdland gab in lockerer Atmosphäre einen Überblick über die Themen, die die Branche heute bewegen. Massive Probleme könnte die sogenannte Zinszusatzreserve bereiten, mit der gegebene Garantien abgesichert werden sollen. 2014 summierte sich dieser Reserveposten bereits auf über 21 Milliarden Euro (VersicherungsJournal 10.3.2015).

In der anhaltenden Niedrigzinsphase drohe eine Überforderung insbesondere kleinerer Versicherer, sagte Erdland. Wenn man nach den derzeit geltenden Spielregeln die Zinszusatzreserve weiter dotieren müsse, dann habe die Branche bereits im Jahr 2024 Rücklagen über 100 Milliarden Euro angehäuft.

„Die Unternehmen sollten nicht überfordert werden“, sagte Erdland, der hier wie unter anderem auch die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) (VersicherungsJournal 30.4.2015) auf ein Einlenken der Politik setzt. Ehe man auf ein Eingreifen der Politik hoffen könne, müssten aber auch verlässliche Daten aus den Unternehmen vorliegen.

Schaden- und Unfallversicherer dürften auch 2015 wachsen

Zur konjunkturellen Entwicklung der deutschen Versicherungsbranche äußerte sich Erdland betont vorsichtig. In der Lebensversicherung erwartete er bei den Bruttobeitragseinnahmen gegenüber 2014 eher ein leicht rückläufiges Geschäft. Dagegen dürften die Schaden- und Unfallversicherer 2015 auf ein Beitragswachstum von etwa 2,4 Prozent kommen.

Zwar seien große Naturschäden wie etwa das Hochwasser im Jahr 2013 bislang ausgeblieben. Es gebe aber eine ganze Reihe lokaler Ereignisse, wo etwa Starkregen oder Hagel einzelne Ortschaften heimsuchten. Da werde man das Jahr 2015 erst einmal in Gänze abwarten müssen

An eine baldige Zinswende in Europa glaubt Erdland nicht, auch dann nicht, falls die US-Notenbank noch in diesem Monat die Zinsen erhöhen und weltweit ein Signal setzen könnte. Auch verunsicherten die Überhitzung und der jetzige Einbruch am chinesischen Aktienmarkt.

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