Flotten bleiben teuer

21.2.2014 (€) – Die Versicherung von Automobilflotten ist zwar ein wachsender, doch unverändert auch defizitärer Markt. Auf einer Fachkonferenz in Köln ging es wieder einmal um die Möglichkeiten, diese Verluste in den Griff zu bekommen.

Im Bereich der Flottenversicherung (Kraftfahrt-Gruppengeschäft ab zehn ziehenden Einheiten) werden die Automobilversicherer 2013 je Beitrags-Euro versicherungstechnisch rund acht (2012: fünf) Cent Verlust geschrieben haben.

Damit ist kombinierte Schaden-/Kostenquote schlechter als im Gesamtmarkt, der voraussichtlich bei 103 Prozent liegen wird. Dass die Quote schlechter als im Vorjahr ausfällt, wird auch den außergewöhnlich hohen Elementarschäden 2013 zugeschrieben.

Vom gesamten Kraftfahrtversicherungs-Markt entfielen 2013 nach Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. mit 3,05 Milliarden Euro (+ 6,0 Prozent) rund 15 Prozent auf das Flottengeschäft. Die Zahl der Verträge wuchs hingegen nur um 2,2 Prozent auf über 4,3 Millionen. Der gegenüber den Beiträgen geringere Zuwachs deutet auf die Sanierungsbemühungen der letzten Jahre hin (VersicherungsJournal 28.2.2013).

Einige Versicherer haben sich aus dem Flottengeschäft ganz zurückgezogen, andere nur aus besonders problematischen Bereichen wie Bussen, Güterverkehr und KEP-Bereich (Kurier, Express, Paket).

Jeder dritte gute Kunde kippt

„Wir haben ordentlich saniert und aktuarisch richtig kalkuliert, aber dann fallen wir immer wieder in alte Verhaltensmuster hinein“, kritisierte Harald Seliger, der bei der R+V Allgemeinen Versicherung AG Abteilungsdirektor Kraftfahrt Betrieb-Vertrag ist, am Donnerstag auf einer Fachkonferenz in Köln.

Beitragszugeständnisse an gute, weil wenig schadenträchtige Kunden müssten genau kalkuliert sein. Seinen Beobachtungen zufolge sind die Schadenerfahrungen mit den guten Kunden meist statistisch zu wenig untermauert. Es zeige sich, dass ein Drittel der guten Kunden bereits im Folgejahr zu den schadenträchtigen gehöre.

Noch zwei weitere „harte“ Jahre

Wichtig seien daher „Zahlen, Daten, Fakten“, so Selig. Das Segment Flotte müsse sich noch stärker als eigenständiges Geschäftsmodell hinsichtlich Underwriting, Pricing und auch Aktuariat etablieren.

Er rät dazu, Preise nach der Credibility-Methode zu kalkulieren. Die Vorhersage aus einer Stichprobe gelinge nur, wenn diese groß genug sei. Sei sie es nicht, müsse ein technischer Mixpreis aus dem GDV-Preis und dem Individualpreis der entsprechenden Flotte gebildet werden.

Leider werde diese Kalkulation schnell vergessen, wenn die Vertragserneuerungen anstünden oder die Flotten vergleichsweise groß seien. Problematisch sei auch, dass bei der Schadenhistorie oft Großschäden außen vor blieben. Dabei müssten die Großschadenbedarfe eingerechnet werden – auf sie entfielen zwischen 18 und 28 Prozent der Prämie bei Schwerstrisiken wie Bussen oder Kränen.

Aufgrund der weiterhin negativen Ergebnisse rechnet Seliger damit, dass der Flottenmarkt weiterhin hart bleibt. „Bei 108 Prozent Combined Ratio müssen wir noch mindestens zwei Jahre weiter arbeiten“, so Seliger.

Enges Zusammenspiel

Auch Peter Buchhierl, der bei der Allianz Versicherungs-AG den Bereich Firmen Kraftfahrtversicherung leitet, sprach sich in seinem Vortrag für intensive Sanierungsbemühungen aus. „Die saubere Versicherungstechnik ist von zentraler Bedeutung“, sagte er. Es bedürfe eines engen Zusammenspiels von Aktuariat, Risk-Management und Underwritern.

Peter Buchhier, Harald Seliger (Bild: Lier)
Peter Buchhierl, Harald Seliger (Bild: Lier)

Die Sanierung sei deshalb so wichtig, weil das Versicherungsgeschäft an vielen Stellen schwieriger geworden sei. So seien die Sachversicherungen vielfach im ergebnistechnisch kritischen Bereich, und die Personenversicherungen litten unter den niedrigen Zinsen.

Die Niedrigzinsphase belaste natürlich auch die Autoversicherer, die kaum noch Kapitalerträge zum Ausgleich der Versicherungstechnik erwirtschafteten. Zudem entfielen beispielsweise bei der Allianz die Chancen auf hohe Abwicklungsgewinne, weil im Vorfeld auf das neue Eigenkapitalregime Solvency ll und dem Rechnungslegungs-Standard IFRS die Rückstellungen nach „best estimate“ auf Jahresbasis geschätzt würden.

Bestimmtes geht nicht mehr

Buchhierl mahnte, „im Kaskobereich feinsinniger zu agieren“. Selbstbehalte von 300 Euro hätten im Flottengeschäft nichts „verloren“. Die Schadenfrequenz ändere sich ganz gewaltig: In acht Jahren erlebe man nun schon die zweite Jahrhundertflut.

Kasko sei ein echter Problemfall und am deutschen Markt chronisch defizitär, so Buchhierl. Da Flotte im Schadenbereich ein Hochfrequenz-Geschäft sei, sei es wichtig, dass die Chance von zeitnahen Prämienanpassungen bestünde. Langfristige Verträge schlössen sich damit aus.

Keine Rasenmäher

Christis Sakalidis (Bild: Lier)
Christos Sakalidis (Bild: Lier)

Christos Sakalidis, Leiter der Kfz-Abteilung der Aon Versicherungsmakler Deutschland GmbH, berichtete, dass Flotten 2014 sich vor allem bei den schadenträchtigen Kunden verteuert hätten. Anders als in früheren Jahren gehe es aber nicht mehr um pauschale Erhöhungen über den gesamten Bestand.

Im Weiteren berichtete er, dass Aon 2013 fünf Prozent seiner Kunden-Flotten mit mehr als 150 Fahrzeugen umgedeckt habe. Bezogen auf den Bestand seien die Prämien um sieben Prozent gesunken. Bei den kleineren Flotten, bei denen man nur zu zwei Prozent umgedeckt habe, betrug die Reduktion nur zwei Prozent.

Er führt die Prämienreduktion auf Präventionsmaßnahmen zurück. „Auch schlechte Flotten können auf den Weg gebracht werden.“

Die Kunden seien die jährlichen Beitragserhöhungen zudem Leid und forderten von den Versicherern endlich neue Konzepte. Einen wachsenden Trend sieht er in internationalen Versicherungsprogrammen, die bei Aon inzwischen rund 30 Prozent ausmachten.

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