10.9.2026 – In der am Donnerstag veröffentlichten Neuauflage des Produktratings Grundfähigkeitsversicherung hat Franke und Bornberg insgesamt fast 100 Tarife von 26 Anbietern unter die Lupe genommen. Der Kriterienkatalog wurde umfangreich überarbeitet. Dabei wurde die Grundfähigkeit „Gleichgewichtssinn“ neu aufgenommen. Knapp jeder sechste (2025: dritte) Testkandidat erhielt die Höchstbewertung „FFF+“. Mindestens einen Top-Tarif haben Allianz, Baloise, Bayern-Versicherung, Canada Life, Dortmunder, Hannoversche und Nürnberger.
Die Franke und Bornberg GmbH (FuB) hat ihr Rating von Grundfähigkeitstarifen (GF-Tarifen) überarbeitet und am Donnerstag die aktualisierten Ergebnisse veröffentlicht. In dem eigens erstellten Bewertungsraster werden nach Angaben der Vergleicher alle Leistungsdefinitionen der Versicherer fachlich eingeordnet – völlig unabhängig davon, unter welcher Rubrik der jeweilige Versicherer die Fähigkeit führt.
Neue Kern-Grundfähigkeit
Auf dieser Grundlage werde für insgesamt 17 Kern-Grundfähigkeiten geprüft, ob eine entsprechende Definition in einer ausreichenden Wertigkeit im Bedingungswerk aufgeführt ist. Dazu gehören:
- Sehen,
- Hände gebrauchen (Beweglichkeit),
- Hände gebrauchen (Feinmotorik),
- Hände gebrauchen (Greifen/Kraft aufwenden),
- Sprechen,
- Treppensteigen,
- Knien oder Bücken,
- Stehen,
- Arme gebrauchen,
- Heben und Tragen,
- Autofahren,
- Sitzen,
- Sehen,
- Hören,
- Gehen,
- geistige Leistungsfähigkeit,
- Ziehen oder Schieben und
- Gleichgewichtssinn.
Neu in den Kriterienkatalog wurde im Ratingjahrgang 2026 die letztgenannte Grundfähigkeit „Gleichgewichtssinn“ aufgenommen. Diese bilde einen eigenständigen, praxisrelevanten Verlustfall ab und lasse sich nicht auf bereits bewertete Fähigkeiten zurückführen, wird zum Hintergrund erläutert.
Überarbeitete Ratingmethodik
Im Vergleich zum Vorjahr (VersicherungsJournal 26.9.2025) haben die Analysten das Bewertungsraster umfangreich überarbeitet. So wurde die Gewichtung von 14 Kriterien zu den versicherten Grundfähigkeiten verringert. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge um solche Prüfpunkte, die „der Markt inzwischen nahezu einheitlich“ erfüllt.
Ganz entfallen sind in diesem Zusammenhang die Kriterien „Zulässige Aufenthaltsdauer außerhalb des Geltungsbereichs“ und „Wiederaufleben des Versicherungsschutzes ohne erneute Gesundheitsprüfung“.
Neu aufgenommen wurde das Kriterium „Angebot von Unterstützungsleistungen“. Bei diesem werden neben der Unterstützung bei Fragen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation unter anderem auch Beratungsangebote zu medizinischen Fragestellungen berücksichtigt. Als Beispiele werden die Vermittlung einer fachlichen Zweitmeinung oder spezialisierter Ärzte genannt.
So wurden die Grundfähigkeitsversicherungen bewertet
Als Quellen für das Rating werden nach Unternehmensangaben ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt.
Die Testkandidaten wurden zunächst dahingehend überprüft, in welchen Ausprägungen beziehungsweise Varianten welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Dies wird zur methodischen Vorgehensweise erläutert.
Die Qualität der jeweiligen Regelungen wurde in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null für die schlechteste Ausprägung bis 100 für die beste Ausprägung eingeordnet. Danach wurden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Bedeutung aus Kundensicht gewichtet.
Bewertung von Null bis 100 und Mindeststandards
Die Klassen sind den Angaben zufolge „in ihrer Bandbreite so bemessen, dass geringfügige, für die Praxis unerhebliche Punktunterschiede nicht zur Einstufung in eine andere Klasse führen. Zusätzlich werden Mindeststandards berücksichtigt.“
Die sieben Bewertungsklassen reichen von „FFF+“ („hervorragend“) bis „F-“ („ungenügend“). Die Höchstnote können nur solche Produkte erreichen, „die alle relevanten Grundfähigkeiten in der geforderten Qualität absichern“, so die Analysten.
Insgesamt gingen in die Ratingbewertung 71 (Kategorie „Grundfähigkeit“) beziehungsweise 80 Prüfkriterien („Grundfähigkeit Plus“) ein. In letzteres Segment fallen solche Tarife, die zusätzliche Leistungsauslöser wie schwere Krankheiten enthalten. Weitere Details können in den Bewertungsgrundlagen (PDF, 220 KB) nachgelesen werden.
Notenspiegel
Franke und Bornberg hat nur noch an knapp jeden sechsten der insgesamt 96 Testkandidaten die Höchstnote („FFF+“) vergeben. Vor Jahresfrist traf dies noch auf weit über jeden dritten der seinerzeit 92 Prüflinge zu.
„Ausschlaggebend für eine schlechtere Bewertung ist bei vielen Tarifen die fehlende Absicherung von Kern-Grundfähigkeiten, wie der neuen Kern-Grundfähigkeit ‚Gleichgewichtssinn‘“, erläutern die Analysten.
Annähernd 40 Prozent (2025: rund ein Sechstel) der Offerten erhielten ein „sehr gut“ („FFF“), mehr als jeder vierte (Vorjahr: knapp jeder zehnte) Prüfling ein „gut“ („FF+“). Während im Vorjahr noch mehr als jede dritte Lösung ein „befriedigend“ („FF“) bekam, wurde diese Note aktuell nicht vergeben. Dafür erhielt jede sechste Offerte die vor Jahresfrist gar nicht verliehene Note „F+“ („ausreichend“).
In der Kategorie „Grundfähigkeit Plus“ erhielten acht der 79 Testkandidaten die Höchstnote. 41 Lösungen bekamen ein „sehr gut“ („FFF“), 21 Angebote ein „gut“ („FF+“) und etwa zehn Prüflinge ein „ausreichend“ („F+“). Schlechtere Noten wurden nicht vergeben.
Sieben Anbieter mit mindestens einem „FFF+“-Produkt
Laut Auflistung im FuB-Internetangebot bekamen nur noch sieben (2025: 13) Gesellschaften für mindestens einen ihrer Tarife die Höchstnote „FFF+“. Hierzu gehören:
- Allianz Lebensversicherungs-AG,
- Baloise Lebensversicherung AG Deutschland,
- Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG,
- Canada Life Assurance Europe plc, Niederlassung für Deutschland,
- Dortmunder Lebensversicherung AG,
- Hannoversche Lebensversicherung AG und
- Nürnberger Lebensversicherung AG.
Nicht mehr zu den Akteuren mit der Höchstnote für mindestens eine Lösung gehören Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., BY die Bayerische Vorsorge Lebensversicherung a.G., HDI Lebensversicherung AG, Signal Iduna Lebensversicherung AG, Swiss Life Lebensversicherung SE (inklusive Offerten von Klinikrente Versorgungswerk GmbH und Metallrente GmbH) und Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G.
Die tagesaktuell gepflegten, vollständigen Ranglisten können im Webauftritt von FuB eingesehen werden. Die Auflistung für das Segment „Grundfähigkeit Plus“, in dem nur Allianz, Canada Life und Nürnberger die Bestnote erhielten, findet sich auf dieser Internetseite.





