14.10.2016 (€) – In der privaten Krankenversicherung wurden 2015 rund 75 Millionen Euro an Alterungsrückstellungen zwischen den Anbietern hin und her verschoben. Netto auf die größten Zuwächse kam die Hansemerkur, während die Axa im Saldo die größten Abflüsse zu verzeichnen hatte.
Im Rahmen der Analyse „Die PKV im Jahre 2015“ wirft Dr. Marc Surminski, Chefredakteur der Zeitschrift für Versicherungswesen (ZfV), unter anderem einen „interessanten“ Blick auf die Portabilität der Altersrückstellungen. So seien im vergangenen Jahr mit 75,3 Millionen Euro 1,2 Prozent mehr den aufnehmenden Krankenversicherungs-Gesellschaften zugeflossen als im Vorjahr.
„Das lässt auf eine leicht erhöhte Umdeckungsaktivität schließen“, erläutert Surminski in der Analyse, die in der ZfV-Ausgabe 19/2016 erschienen ist. Anders sei angesichts der Marktlage häufig kaum an Wachstum zu kommen. Zudem habe es der Gesetzgeber mit der Gesundheitsreform 2009 Vollversicherten ermöglicht, in den ersten Jahren durch die teilweise Mitnahme der Altersrückstellungen noch sinnvoll den Anbieter wechseln zu können.
„Wenn der PKV-Nachwuchs weiter stockt, werden künftig wieder größere Teile des Neugeschäfts aus Umdeckungen resultieren“, prognostiziert der ZfV-Chefredakteur. Dies muss aus seiner Sicht nicht per se ungünstig für den Kunden sein. Er hält es aber für wichtig, „im Vertrieb mit diesem Instrument seriös umzugehen, damit die PKV nicht wie zu Meg-Zeiten wieder schwer in Verruf gerät“.
15 Anbieter mit positivem, elf mit negativem Saldo
Elf der 34 analysierten Krankenversicherer hatten einen negativen Saldo zwischen erhaltenen und abgegebenen Alterungsrückstellungen zu verzeichnen, einer weniger als im Vorjahr (VersicherungsJournal 12.10.2015). 15 (Vorjahr: 14) Gesellschaften kamen auf einen positiven Saldo.
Bei der Ergo Direkt Krankenversicherung AG und der Envivas Krankenversicherung AG, die beide nicht mehr im Vollversicherungs-Geschäft aktiv sind, gab es weder Zuflüsse noch Abgänge. Dies war erneut auch bei der DEVK Krankenversicherung AG der Fall.
Wie in den Vorjahren, haben die DKV Deutsche Krankenversicherung AG sowie die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH) und aktuell erstmals auch die Central Krankenversicherung AG keine Daten geliefert. Letztere hatte in den vergangenen Jahren zwischen 20 und gut 100 Millionen Euro mehr an Alterungsrückstellungen abgegeben als sie bekommen hatte.
Die Anbieter mit den größten Ab-…
Den höchsten negativen Saldo gab es ohne Einbeziehung des „Datenverweigerers“ Central bei der Axa Krankenversicherung AG, die über acht Millionen Euro mehr an Alterungsrückstellungen abgab als sie erhielt.
Im Jahr zuvor hatte für die Kölner noch ein positiver Wert zu Buche gestanden. 2015 ist die Summe der abgegebenen Altersrückstellungen um ein gutes Drittel auf 8,5 Millionen Euro gestiegen, während sich die erhaltenen Altersrückstellungen auf gut sechs Millionen Euro mehr als halbiert haben.
In Relation hierzu kamen die Gothaer Krankenversicherung AG, der Deutsche Ring Krankenversicherungs-Verein a.G. und die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG (BBKK) mit 3,1 bis 1,6 Millionen Euro auf vergleichsweise geringe negative Salden.
…und Zuflüssen
Den größten Nettozuwachs erzielte die Hansemerkur Krankenversicherung AG mit fast 16 Millionen Euro, das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Nur hauchdünn unterhalb der Zehn-Millionen-Marke blieb die Continentale Krankenversicherung a.G., die im Vorjahr mit plus elf Millionen Euro sogar an der Spitze gelegen hatte.
| Gesellschaft | Saldo | Altersrückstellungen erhalten | Altersrückstellungen abgegeben |
|---|---|---|---|
| Quelle: Zeitschrift für Versicherungswesen 19/2016, eigene Berechnungen | |||
| -0,5 | 2,0 | 2,5 | |
| 0 | 0,1 | 0,1 | |
| Arag | 0 | 0,9 | 0,9 |
| -8,5 | 6,3 | 14,8 | |
| 0,5 | 1,9 | 1,4 | |
| BBKK | -1,6 | 1,2 | 2,8 |
| 0,1 | 0,2 | 0,1 | |
| Continentale | 9,7 | 12,5 | 2,8 |
| Debeka | 6,1 | 7,1 | 1,0 |
| Deutscher Ring | -2,1 | 1,3 | 3,4 |
| DEVK | 0 | 0 | 0 |
| Gothaer | -3,1 | 0,8 | 3,9 |
| 0,7 | 2,7 | 2,0 | |
| Hansemerkur | 15,9 | 20,5 | 4,6 |
| 1,6 | 2,2 | 0,6 | |
| 0,5 | 1,0 | 0,4 | |
| 0,4 | 0,9 | 0,6 | |
| -0,7 | 0,0 | 0,3 | |
| 0,1 | 0,2 | 0,1 | |
| 0,1 | 1,2 | 1,1 | |
| -0,7 | 0,8 | 1,5 | |
| 0,2 | 0,3 | 0,1 | |
| 0,1 | 0,2 | 0,1 | |
| -0,8 | 1,2 | 2,0 | |
| -0,3 | 0,6 | 0,9 | |
| Signal | 4,8 | 6,5 | 1,7 |
| UKV | -1,2 | 0,5 | 1,7 |
| 0,7 | 1,7 | 1,0 | |
| -0,2 | 0,5 | 0,7 | |
„Es fällt auf, dass von diesen Geldflüssen aus der Alterungsrückstellung (hin oder her) bis auf die Debeka (und zum Teil auch die Gothaer) vor allem Versicherer betroffen sind, die stark mit freien Vermittlern und Vertriebsorganisationen zusammenarbeiten. Offenbar sind hier die Umdeckungsaktivitäten deutlich stärker als im übrigen Markt“, analysiert Surminski.
Weitere Kennzahlen zur privaten Krankenversicherung im Jahr 2015 können im aktuellen Heft 19/2016 der Zeitschrift für Versicherungswesen nachgelesen werden.





