Die Marke Gerling verschwindet bald endgültig vom Markt

25.3.2015 (€) – Der Talanx-Konzern firmiert seine Industrieversicherungs-Tochter um. Die Kölner Pensionskasse hat eine weitere Pensionskasse übernommen. Die Sparkassen-Finanzgruppe stellt Heubeck auf breitere Füße. Cyber-Risiken bekommen bei Ace eine eigene Mannschaft. Simpleinsurance hat neue Kapitalgeber und W&W nimmt die Lebensversicherung von der Börse.

Das Markensterben in der Versicherungsbranche geht weiter. Nachdem zuletzt die Volksfürsorge in der Generali-Gruppe aufgegangen ist (VersicherungsJournal 9.2.2015), hat es nun auch die Marke Gerling endgültig erwischt, die zuletzt nur im Namen des Industrieversicherers HDI-Gerling Industrie vorkam (VersicherungsJournal 11.4.2012).

Der alte Versicherungsname „Gerling“ verschwindet: Mit der Umwandlung seiner Tochtergesellschaft HDI-Gerling Industrie Versicherung AG in die Rechtsform einer Europäischen Aktiengesellschaft (Societas Europaea, SE) und der Umfirmierung in HDI Global SE will der Talanx-Konzern der Internationalisierung dieses Geschäftsbereichs Rechnung tragen.

Mehr als die Hälfte aus dem Ausland

Künftig tritt das Industriegeschäft nur noch unter der Marke „HDI“ auf. Vorstand und Aufsichtsrat der HDI-Gerling haben dies beschlossen. Mehr als die Hälfte des Prämienvolumens stammt im Industriegeschäft bereits aus dem Ausland. Das Prämienvolumen des Geschäftsbereichs betrug 2014 rund vier Milliarden Euro.

„Deshalb ist es aus unserer Sicht an der Zeit, die Gesellschaftsform unseres Unternehmens, die Firmierung und unsere Marke dieser Internationalisierung anzupassen", wird Dr. Christian Hinsch, stellvertretender Talanx-Chef und Chef der Industrietochter, in einer Pressemitteilung zitiert.

Unter anderem soll die europäische Rechtsform die internationale Ausrichtung des Unternehmens hervorheben und im Kernmarkt Europa das einheitliche Erscheinungsbild festigen. Voraussichtlich zum Jahreswechsel 2015/2016 soll die Umwandlung vollzogen sein.

Abteilung für Cyber-Risiken

Die Ace Group hat eine eigenständige Abteilung für Cyber-Risiken aufgebaut. Damit will der Versicherer seine lokalen Underwriting- und Risk-Management-Kompetenzen in Kontinentaleuropa stärken und seine, eigenem Bekunden nach, marktführende Stellung im wachsenden „Emerging Risk“-Bereich ausbauen.

Eigene Recherchen hätten ergeben, dass Cyber-Risiken für europäische Risk Manager zu den „Top Drei“ der neu entstehenden Risiken gehörten, so eine Unternehmensmeldung.

Ace bietet auf diversen kontinentaleuropäischen Märkten Risk Management- und Versicherungslösungen für Cyber-Risiken an, wie Computerhardware-, Eigenschaden- und Drittschadendeckungen.

Die neue Cyber-Sparte vereint den Angaben zufolge die regionale Gesamtexpertise des Versicherers in einem großen Team. Ziel dabei ist es, lokale Entscheidungen zu ermöglichen und die Beziehungen zu Maklern und Kunden zu stärken – aus dem mittleren Markt- wie auch dem Großkundensegment.

Weiter auf Expansionskurs

Mit der Übernahme der Hoffmann's Pensions- und Unterstützungskasse VVaG rückwirkend zum Jahresbeginn hat die Kölner Pensionskasse VVaG ihren Expansionskurs fortgesetzt. Die Übernahme ist rechtlich unter Dach und Fach: Sowohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) als auch die Mitgliederversammlung der Hoffmann's Pensionskasse haben der Bestandsübertragung zugestimmt.

„Beide Unternehmen passen gut zueinander, weil es sich um Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit handelt. Mit der Bestandsübertragung können wir die Leistungsfähigkeit beider Pensionskassen innerhalb der Kölner Pensionskasse bündeln“, wird Christof Heinrich, Vorstandssprecher der Kölner Pensionskasse, in einer Pressemitteilung zitiert.

Das Geschäftsmodell der Kölner Pensionskasse sieht seit ihrer Gründung 2002 die Möglichkeit der Verwaltung weiterer Versorgungs-Einrichtungen sowie Bestandsübernahmen anderer Kassen vor. Die Übernahme der Hoffmann's Pensionskasse ist bereits die dritte (VersicherungsJournal 5.2.2014).

Auch künftig sollen weitere Pensionskassen übernommen werden. Durch die Übernahme wächst die Kölner Pensionskasse rückwirkend zum 1. Januar um rund 500 Versicherte.

Auf breiterer Basis

Die S-Pensionsmanagement GmbH (SPM) gibt 30 Prozent ihrer Anteile an der Heubeck AG an kommunale Versorgungs- und Zusatzversorgungskassen, Mitglieder der AKA (Arbeitsgemeinschaft kommunale und kirchliche Altersversorgung) e.V., ab. Einer Pressemitteilung zufolge soll die breitere Streuung der Heubeck-Anteile deren Rolle als unabhängiger Altersvorsorge-Spezialist stärken.

Die Sparkassen-Finanzgruppe hielt seit 2010 rund 90 Prozent der Heubeck-Anteile. Die auf betriebliche Altersversorgung spezialisierte Heubeck AG bietet finanz- und versicherungs-mathematische Dienstleistungen und unabhängige Beratung zur Altersvorsorge.

Eigenem Bekunden nach betreut sie über 1.000 Firmenkunden, zahlreiche Pensionskassen, Pensionsfonds, Zusatzversorgungskassen und berufsständische Versorgungswerke.

Viel Geld eingesammelt

Im Wege einer Kapitalerhöhung hat die Simplesurance GmbH mehr als acht Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 7,3 Millionen Euro, Stand 24. März 2015) für ihre weitere Expansion eingesammelt. Damit sei das Berliner Unternehmen seit Gründung im Mai 2012 bereits mit über 11,5 Millionen US-Dollar (rund 10,5 Millionen Euro) finanziert, wird mitgeteilt.

Neben erneuten Investments der Bestandsgesellschafter, darunter auch Rheingau Founders, habe man auch zwei US-amerikanische Investoren gewinnen können. Es handele sich dabei um die Venture-Capital-Gesellschaft Route 66 Ventures LLC sowie einen am New York Stock Exchange (NYSE) gelisteten Versicherungskonzern, der zu den Fortune500 zählt.

Mit dem frischen Kapital will Simplesurance die Internationalisierung und die Ausweitung des Produktportfolios vorantreiben. Bereits in Deutschland, Österreich und den Niederlanden unter den Marken „Schutzklick“ und „Klikzeker“ aktiv, stehe der Eintritt in zwei zusätzliche europäische Märkte unmittelbar bevor. Weitere sollen noch in diesem Jahr folgen.

Reif für ein Squeeze-out

Die Wüstenrot & Württembergische AG (W&W) hält nun rund 95 Prozent an der Württembergischen Lebensversicherung AG (WürttLeben) – und könnte damit theoretisch die restlichen Aktionäre im Wege eines sogenannten Squeeze-out zwangsabfinden.

Im Wege eines freiwilligen Erwerbsangebots hatte die W&W AG knapp 1,4 Millionen WürttLeben-Aktien gekauft. Ausgangspunkt dafür ist das geplante Delisting. Die Württembergische Leben soll voraussichtlich ab 7. Juli nicht mehr an der Börse notiert werden.

Als Grund für die Entscheidung zum Delisting wird genannt, dass der wirtschaftliche Nutzen der Börsennotierung den damit verbundenen Aufwand nicht mehr rechtfertigt.

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