DEVK-Chefs hören auf ihre Mitarbeiter

14.6.2017 (€) – Statt eines Labs in Berlin werkelt die DEVK-Belegschaft im eigenen Haus „agil“ an digitalen und sonstigen zukunftsweisenden Ideen und Strategien. 2016 blieb die Kölner Gruppe getragen von Rechtsschutz und Rückversicherung auf Wachstumskurs. Unschön im Zahlenwerk: die niedrigen Solvenzquoten beider Lebensversicherer.

Digitalisierung, flexiblere Produkte, agile Methoden und Führungskonzepte stehen auch bei den DEVK Versicherungen auf der Tagesordnung. Aber anders als viele Wettbewerber fahren die Kölner einen Ansatz ohne fremde Hilfe:

Gottfried Rüßmann (Bild: Lier)
Gottfried Rüßmann (Bild: Lier)

45 Mitarbeiter, die sich als Scouts beworben haben, erarbeiten zurzeit mittel- und langfristige Strategien. Diese werden im Juli dem Vorstand vorgestellt. Danach soll die Belegschaft über die Vorschläge abstimmen.

„Da die Scouts nachher Multiplikatoren sind, wird die Umsetzung besser bei Einzelnen ankommen“, sagte Vorstandschef Gottfried Rüßmann und berichtet von „Power“, hoch engagierter Belegschaft und dass „einiges in Bewegung“ sei.

Auf Wachstumskurs

Getragen von der aktiven Rück- sowie der Rechtsschutz-Versicherung ist die Gruppe 2016 um 2,1 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro Prämie gewachsen. Das inländische Erstversicherungs-Geschäft in der Schaden-/ Unfallversicherung wuchs sogar um 3,8 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro und damit stärker als der Markt. Die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung (ohne Pensionsfonds) sanken um vier Prozent auf 819 Millionen Euro, weil die Einmalbeiträge weiter zurückgefahren wurden.

Der Schaden- und Unfallbereich weist eine Combined Ratio von 95,0 (Vorjahr: 97,0) Prozent aus. In der Kfz-Versicherung sank die Quote auf 97,5 (99,8) Prozent. Mit 2,83 (2,78) Millionen Kfz-Haftpflichtrisiken ist die Gruppe die Nummer fünf in diesem Segment. Für den Herbst rechnet Rüßmann angesichts der verlustreichen Jahre in der Sparte nicht mit einem erneuten Preiskampf.

Der Schadenkonzern kommt nach besserer Versicherungstechnik, höherer Zuführung zur Schwankungsrückstellung und einem geringeren Kapitalanlageergebnis auf einen Jahresüberschuss von 80,1 Millionen Euro – im Vorjahr waren es 88,5 Millionen Euro.

Beitragsplus erwartet

Für 2017 erwartet Rüßmann wieder ein Beitragsplus in der Schaden- und Unfallversicherung, das „deutlich“ über dem Marktschnitt liegt. Auch in der Krankenversicherung, bei der mit fast unverändert 1.447 Personen die Vollkostenversicherung eine Randerscheinung ist, rechnet er mit einem Neugeschäftsboom.

Diesen soll ein neuer Zahnzusatztarif bringen, der ein „Upgrade“ für Bestehendes sei. Die beiden Lebensversicherer dürften stagnieren, so Rüßmann. Erstmals werde man stille Reserven zur Finanzierung von rund 200 Millionen Euro Zinszusatzreserve heben müssen.

Kritischer Umgang mit Solvency-ll-Quote

Die verschiedenen DEVK-Gesellschaften haben Solvenzquoten zwischen 287 Prozent (Rechtsschutz) und 476 Prozent (DEVK Kranken). Der Lebensversicherungsverein schafft ohne Rückstellungs-Transitional und ohne Volatilitätsanpassung nur eine Bedeckungsquote für das Solvenzkapital (SCR-Quote) von 85 Prozent; bei der AG-Schwester sind es 95 Prozent

„Als DEVK fühlen wir uns sehr wohl mit unseren Solvenzquoten für die beiden Lebensversicherer, die wir bis 2031 entsprechend entwickeln werden. Jetzt haben wir uns sehr wohl und bewusst für eine wirtschaftliche Betrachtung entschieden anstelle von Solvenzbetrachtungen“, sagte Rüßmann.

Bernd Zens (Bild: Lier)
Bernd Zens (Bild: Lier)

Beide Lebensversicherer halten effektiv 10,4 Prozent ihrer Kapitalanlagen in Aktien und weitere zehn Prozent in Immobilien, wobei letztere eine Rendite zwischen 3,75 und 4,5 Prozent erbringen.

Würden die Kapitalanlagen auf ein reines Staatsanleihen-Portfolio umgestellt, würde sich die Solvenzquote nach Unternehmensangaben auf 286,25 beziehungsweise 437,37 Prozent mehr als verdreifachen – aber dies ginge dann zu Lasten des Gewinns und damit der Versicherungsnehmer.

Hohe Volatilität

Finanzvorstand Bernd Zens sieht „die Ertragsbasis für den Kunden auch ausgehöhlt“, wenn beispielsweise Nachrangkapital aufgenommen werde. Selbst bei einer Finanzierung innerhalb der Gruppe müsse dies marktgerecht verzinst werden, was die Rendite belaste.

Zens kritisiert zudem die hohe Volatilität der Quoten. „Vom dritten auf das vierte Quartal schwankten die Quoten bis zum Faktor sechs infolge des Zinsanstiegs“, so Zens. „Bei der Interpretation dieser Quote müssen alle noch viel lernen“, so Rüßmann.

Dietmar Scheel (Bild: Lier)
Dietmar Scheel (Bild: Lier)

Er hofft darauf, dass Rater und Analysten die Quoten in einem größeren Zusammenhang mit Faktoren wie der Asset Allocation, Gruppenzugehörigkeit et cetera bewerten werden.

Neues Agentursystem

Die Zahl der Innendienstler ist 2016 weiter auf 3.183 (3.135) Personen gestiegen. Und es gibt nach Aussage von Rüßmann entgegen dem Branchentrend noch einige unbesetzte Stellen, vor allem in der IT.

Die Zahl der Außendienstler nahm, zumindest statisch, auf 2.298 (2.348) Personen ab. Vertriebschef Dietmar Scheel begründet dies mit der Umstellung auf ein neues Agentursystem.

Danach sollen die Agenturinhaber nun ihre Vertreter selbst führen und erhalten dafür aber Hilfen beim Budget und bei der Qualifizierung.

Die DEVK hält eine Deckelung der Provisionshöhen in Leben – ähnlich der in Kranken – für vorstellbar, glaubt aber, nicht davon tangiert zu werden, weil die eigenen Abschlusskosten nicht sehr hoch seien.

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