16.10.2014 (€) – Vergleichsportale wie Check24 sehen sich inzwischen selbst einem immer härteren Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Der deutsche Marktführer will dem nicht zuletzt dadurch begegnen, dass er seine Angebotspalette um zunehmend komplexere Versicherungsprodukte erweitert und zugleich seine Beratungsdienstleistung weiter deutlich ausbaut.
Schon jetzt sind über die Hälfte der rund 700 Mitarbeiter der Check 24 Vergleichsportal GmbH, die über eine Zulassung als Versicherungsmakler nach § 34d Absatz 1 GewO verfügt, in der Beratung tätig und zumeist ausgebildete Versicherungskaufleute.
Das betonte Dr. Henrich Blase, der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, bei einem Medien-Roundtable seines Hauses.
Künftig soll, wie er deutlich machte und auch schon früher angekündigt hatte (VersicherungsJournal 27.9.2012), insbesondere die Beratungsdienstleistung jedoch noch weiter deutlich ausgebaut werden.
Nicht mehr nur der Preis ist entscheidend
Dies erfordere schlicht die Marktentwicklung. Einerseits sei nämlich zu beobachten, dass auch bei den Kunden von Vergleichsportalen die vormals stark allein bestimmende Preissensitivität zurückgehe. Gefordert würden vielmehr nun umfassende Vergleiche der diversen Leistungsmerkmale eines Tarifs.
Zugleich werde der Markt – nicht zuletzt, weil der früher zur Huk-Coburg-Gruppe und weiteren Versicherern gehörende Konkurrent Transparo AG inzwischen unter dem Dach der Verivox GmbH gelandet ist (VersicherungsJournal 25.4.2014) – durch einen immer härteren Wettbewerb der bisherigen Akteure untereinander geprägt. Vor allem besorgt den deutschen Marktführer jedoch der erwartete Markteintritt von Google.
Marketingaufwendungen drohen weiter stark zu steigen
An den floss – wie auch an Fernsehsender – laut Blase schon bisher ein erheblicher Teil der hohen Marketingaufwendungen, die Vergleichsportale für ihre Markenpräsenz grundsätzlich zu schultern haben. Diese Kosten könnten sich dann noch weiter deutlich erhöhen, ahnt der Check24-Chef, und damit die ohnehin schon angespannte Renditesituation weiter verschärfen.
Sein 1999 gegründetes Unternehmen sei zwar immer profitabel gewesen, versicherte der Check24-Chef, ohne dazu genauere Angaben zu machen. Es sei aber „sehr schwer, im Internet rentabel zu bleiben, stellte er zugleich fest.
Google hat bei einfachen Produkten einen Wettbewerbsvorteil
Vor allem fürchtet Blase bei Konzernen wie Google aufgrund ihrer Aufstellung am Markt jedoch einen Wettbewerbsvorteil, wenn es um Vergleiche und die Vermittlung von relativ einfachen Tarifen geht. Und dies betreffe keineswegs nur beispielsweise Flugbuchungen, sondern ebenso Versicherungsprodukte wie Kfz-Haftpflichtpolicen.
Die stellen jedoch auch bei Check24, bei der der Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014 (31.März) um fast 30 Prozent auf 207 Millionen Euro zulegte, noch immer ein Schwergewicht dar, räumte Blase ein. Konkrete Zahlen nannte er auch hier nicht, grenzte den Anteil aber auf inzwischen weniger als 40 Prozent ein.
Auch die angebotene Produktpalette soll ausgeweitet werden
Als ein zentrales strategisches Ziel für sein Haus formulierte er daher einerseits, den Anteil komplexerer Tarife in der eigenen Produktpalette deutlich zu steigern. Dazu zählt er beispielsweise private Krankenversicherungen und Rentenversicherungen, aber auch Risikolebens-Versicherungen und ergänzende Versicherungen im Kranken- und Zahnbereich.
Deren Vertrieb ist nach fester Überzeugung von Blase ohne Beratungskompetenz nicht realisierbar. Dass Check24 darüber bereits jetzt in hohem Maße verfüge, schütze insbesondere vor neuen Wettbewerbern.
Andererseits erweist sich genau dies aber offensichtlich auch schon als Wachstumsbremse. Die für die geplante Ausweitung des Produktangebots benötigten Mitarbeiter sind laut Blase nämlich nur sehr schwer am Markt zu finden.




