Start des staatlichen Standarddepots zum Jahresbeginn 2027 fraglich

10.7.2026 – Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ ist es unwahrscheinlich, dass das staatlich organisierte Standarddepot pünktlich zum Jahresanfang 2027 an den Start gehen kann. Neben einer Struktur fehle es auch noch an der notwendigen Verordnung – und noch nicht alle Fragen zur Ausgestaltung des Fonds seien geklärt.

Das Altersvorsorgereformgesetz sieht vor, dass in der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge die Sparer auch ein öffentlich organisiertes Standarddepot nutzen können (VersicherungsJournal 8.5.2026). Doch dessen Einführung könnte sich verzögern und nicht – wie geplant – bereits am 1. Januar 2027 zur Verfügung stehen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag.

Eine Anfrage an das Bundesministerium der Finanzen (BMF), ob der Bericht zutreffe und ob bereits ein Zeitplan für die Einführung des staatlichen Angebots vorliege, blieb bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses unbeantwortet.

Bundesregierung kann noch keinen Zeitplan nennen

Stefan Schmidt (Bild: Kaminski)
Stefan Schmidt (Bild: Kaminski)

In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bündnis 90/Die Grünen-Bundestagsfraktion hatte die Bundesregierung Ende Juni mitgeteilt, dass sie derzeit noch keinen Zeitplan für die Einführung des staatlichen Standarddepots nennen könne.

„Das Bundesministerium der Finanzen ist innerhalb der Bundesregierung und mit möglichen Trägern im Gespräch, wie ein von einem öffentlichen Träger angebotenes Standardprodukt umgesetzt werden kann. Die Anforderungen an den Träger sind komplex und bedürfen einer sorgfältigen Prüfung“, heißt es in der Drucksache 21/6726 (PDF, 213 KB).

Auch seien Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung zur Umsetzung des öffentlichen Standarddepots noch nicht abgeschlossen, teilte die Bundesregierung weiter mit.

„Wir sehen die pünktliche Umsetzung des Standardprodukts ernsthaft in Gefahr“, sagte Stefan Schmidt, Grünen-Finanzpolitiker im Bundestag, der Süddeutschen Zeitung.

Es fehlt die notwendige Rechtsverordnung

Laut dem aktuellen Zeitungsbericht kommen mehrere befragte Fachleute übereinstimmend zu der Einschätzung, dass der anvisierte Starttermin für das staatliche Angebot zum Jahresbeginn 2027 unrealistisch sei. Ein wichtiger Grund: Es fehlt noch die gesetzlich vorgeschriebene Rechtsverordnung, mit der die Details des neuen Depots geregelt werden sollen.

„Wenn man private Anbieter einbezieht, so müsste man […] eine Ausschreibung machen. Allein das dauert mehrere Monate“, wird Professor Dr. Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund zitiert.

Favorit für das Angebot sei derzeit der Staatsfonds Kenfo – Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung. Seit 2017 verwaltet der Kapitalfonds die Rückstellungen der Energieversorger für den Rückbau von Kernkraftwerken und die Endlagerung radioaktiver Abfälle. Derzeit verwalten etwa 50 Mitarbeiter ein Vermögen von rund 26,5 Milliarden Euro.

In der Anfrage der Grünen werden als weitere mögliche Träger die Deutsche Rentenversicherung Bund, die Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Deutsche Bundesbank genannt. Auf die Frage, ob und welche Kontakte zur Ausarbeitung der Rechtsverordnung bereits stattgefunden haben, teilte die Bundesregierung lediglich mit, dass eine genaue Auflistung nicht möglich sei.

Struktur für staatliches Angebot noch nicht vorhanden

Ein weiterer Grund spreche für eine Verzögerung des staatlichen Angebots: Während private Anbieter bereits Produkte für die neue staatlich geförderte Altersvorsorge entwickelt haben oder dabei sind (17.6.2026), müssen für das öffentlich organisierte Standarddepot zunächst die notwendigen Strukturen geschaffen werden.

Mitarbeiter müssen eingestellt, eine IT- und Verwaltungsstruktur aufgebaut und Prozesse für die Verwaltung der Depots sowie die Kommunikation mit den Sparern etabliert werden.

Anja Mikus, Vorstandsvorsitzende und CIO des Kenfo, sagte in einem Interview mit dem Spiegel, dass man dafür bereit sei. „Wir würden gern am Erfolg der Kapitalrente mitarbeiten“, so Mikus. Seit seiner Gründung hat der Kenfo nach eigenen Angaben eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 5,6 Prozent erzielt.

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