11.6.2026 – In den Sparten Kfz und die verbundene Wohngebäude haben die Versicherer 2025 wieder versicherungstechnische Gewinne erzielt. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Assekurata. Entwarnung geben die Analysten dennoch nicht: Steigende Kosten belasten beide Sparten weiterhin. Zudem profitierte die Branche von einem vergleichsweise schadensarmen Naturgefahrenjahr.
Die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH hat ihren aktuellen „Marktausblick zur Schaden/Unfallversicherung 2026“ vorgelegt. Die Studie blickt darauf, wie sich Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben in dieser Sparte in den vergangenen Jahren entwickelt haben – und blickt voraus, wie sie sich in den kommenden Jahren entwickeln könnten.
Schaden- und Unfallversicherung konnte 2025 deutlich wachsen
Nach Angaben der Analysten konnte die Schaden- und Unfallversicherung im Jahr 2025 deutlich wachsen. Die Beitragseinnahmen der deutschen Versicherer stiegen gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro.
Damit entwickelte sich die Sparte dynamischer als die Versicherungswirtschaft insgesamt. Über alle Versicherungssparten hinweg erhöhten sich die Einnahmen den Angaben zufolge um 6,6 Prozent auf 253,6 Milliarden Euro.
Nach Einschätzung der Experten wächst die Schaden- und Unfallversicherung derzeit vor allem nominal.
„Höhere Beiträge spiegeln in vielen Bereichen weniger eine Ausweitung des versicherten Bestands wider. Sie sind vielmehr vor allem eine Reaktion auf gestiegene Schaden- und Kostenrisiken“, erklärt Dennis Wittkamp, Fachkoordinator Schaden- und Unfallversicherung bei der Assekurata.
Die Branche hat einen Teil der Kostensteigerungen nachgeholt, die sich in den Vorjahren (…) aufgebaut hatten.
Dennis Wittkamp, Assekurata
Kfz-Versicherung schrieb versicherungstechnischen Gewinn
Besonderes Augenmerk galt der Kraftfahrtsparte, die in den Jahren 2022 bis 2024 teils deutliche versicherungstechnische Verluste schrieb (VersicherungsJournal 21.10.2025). Die Beitragseinnahmen in der Kfz-Versicherung stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 13,4 Prozent auf 38,6 Milliarden Euro. Bereits im Jahr zuvor waren sie um 11,1 Prozent gestiegen.
Damit erreichten die Autoversicherer 2025 erstmals seit 2021 wieder ein positives versicherungstechnisches Ergebnis. Die Combined Ratio sank auf 96 Prozent. Im Jahr 2024 hatte sie noch bei 104,0 Prozent gelegen, 2023 bei 111,3 Prozent: Die Branche schrieb damals rechnerisch einen Verlust von rund elf Cent je Beitragseuro.
„Die fühlbaren Prämienanpassungen waren angesichts der vorherigen Verluste und der hohen Schadeninflation notwendig“, erklärt Wittkamp. „Die Branche hat damit einen Teil der Kostensteigerungen nachgeholt, die sich in den Vorjahren insbesondere bei Ersatzteilen, Werkstattlöhnen und Fahrzeugtechnik aufgebaut hatten.“
Schadeninflation in Kraftfahrtversicherung bleibt hoch
Gleichzeitig stiegen auch die Leistungsausgaben der Kraftfahrtversicherer erneut deutlich an – von 30,8 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 32,0 Milliarden Euro in 2025. Das entspricht einem Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem sie bereits 2024 um 2,5 Prozent zugelegt hatten.
Zudem wird das positive Ergebnis dadurch begünstigt, dass 2025 wenige Schäden durch Naturgefahren zu beklagen waren. Mussten die Autoversicherer 2024 noch rund 1,3 Milliarden Euro für derartige Schäden ausgeben, so waren es 2025 nur rund 650 Millionen. Das liege weit unter dem üblichen Schadendurchschnitt.
Entsprechend warnt Wittkamp, den „Turnaround“ im Markt als Freifahrtschein für einen aggressiven Preiswettbewerb misszuverstehen. Setzen einzelne Anbieter zu früh wieder auf Beitragsnachlässe, könnte der mühsam erreichte Ergebniseffekt schnell wieder verloren gehen.
Verbundene Wohngebäudeversicherung weiterhin unter Druck
In der verbundenen Wohngebäudeversicherung stiegen die Beitragseinnahmen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Die Leistungsausgaben gingen zugleich von 9,5 Milliarden auf 8,7 Milliarden Euro zurück, ein Minus von 8,0 Prozent. Ausschlaggebend war auch hier die vergleichsweise schadenarme Naturgefahrenbilanz.
Gleichzeitig wirken sich hohe Baupreise, steigende Handwerkerkosten, alternde Gebäudebestände sowie höhere Anforderungen an Wiederherstellung und Sanierung weiterhin belastend aus, wie die Analysten berichten.
„Die Wohngebäudeversicherung ist nicht allein ein Naturgefahrenthema“, erklärt Wittkamp. „Auch Schäden durch Leitungswasser, Feuer und Sturm treffen heute auf ein deutlich höheres Kostenniveau als noch vor einigen Jahren.“ Der Anpassungsdruck auf die Beiträge bleibe damit hoch.
Prävention gewinnt an Bedeutung
Das Kostenrisiko zeigt sich auch im Zeitverlauf: 2023 lag die Combined Ratio im Wohngebäudesegment bei 103,3 Prozent und damit im versicherungstechnischen Verlustbereich. 2024 verbesserte sich der Wert auf 99,8 Prozent und lag nur knapp an der Nulllinie (30.5.2025). 2025 sank die Combined Ratio weiter auf 90 Prozent, womit die Sparte wieder deutlich profitabel arbeitete.
In der Wohngebäudeversicherung gewinne Prävention angesichts steigender Wiederherstellungskosten weiter an Bedeutung. Schadenvermeidung durch bauliche und technische Maßnahmen werde zunehmend zum zentralen Stabilitätsfaktor, so Wittkamp. Versicherungsschutz und Schadenprävention müssten künftig enger zusammengedacht werden.
Naturgefahren bleiben Kumulrisiko
Die schadenarme Naturgefahrenbilanz trug 2025 allgemein zur Stabilisierung der Schadenentwicklung bei. In der Sachversicherung beliefen sich die durch Naturgefahren verursachten Schäden auf rund 1,4 Milliarden Euro – nach 4,4 Milliarden Euro im Vorjahr.
Nach Einschätzung der Analysten handelt es sich jedoch lediglich um eine Momentaufnahme. Historische Auswertungen würden zeigen, dass Elementarschäden über einen längeren Zeitraum hinweg im Durchschnitt deutlich höhere Belastungen verursachen.
Seit 2002 liegen die jährlichen Schäden durch Naturgefahren ohne Sturm und Hagel im Mittel demnach im Sachgeschäft bei rund 1,5 Milliarden Euro, die Katastrophe im Ahrtal mit 7,5 Milliarden Euro versicherter Schäden (12.7.2024) bereits herausgerechnet.
Vor diesem Hintergrund warnen die Autoren davor, einzelne schadenschwache Jahre als strukturelle Entspannung zu interpretieren. Vielmehr bleibe die Naturgefahrensituation ein dauerhaft relevantes Kumulrisiko für die Versicherungswirtschaft.
Im laufenden Jahr Beitragszuwachs von bis zu fünf Prozent erwartet
Für 2026 erwarten die Experten ein weiteres Wachstum der Schaden- und Unfallversicherung. Mit prognostizierten Beitragszuwächsen zwischen 3,5 und fünf Prozent dürfte die Dynamik jedoch deutlich geringer ausfallen als im Vorjahr. Zudem werde das Wachstum weiterhin vor allem von Preis- und Summenanpassungen getragen, während die schwache Konjunktur die reale Entwicklung bremse.

- Schadenaufwendungen Schaden-Unfallversicherung (Bild: Assekurata). Zum Vergrößern Bild klicken.
Insgesamt sieht Assekurata die Branche zwar stabiler aufgestellt als vor einem Jahr. Für Entwarnung sei es jedoch noch zu früh.
Preisdisziplin, Risikoselektion, Prävention und eine solide Kapitalausstattung blieben entscheidend für die weitere Entwicklung, so die Analysten. Das zeigt auch eine Prognose der Kostenentwicklung: Die Schadenaufwendungen in der Sparte könnten von 69,4 Milliarden Euro in 2025 auf 80,5 Milliarden im Jahr 2030 anwachsen.






