PKV bleibt auch in Zeiten niedriger Zinsen zuversichtlich

18.6.2015 (€) – Obwohl die privaten Krankenversicherer 2014 im dritten Jahr in Folge einen leichten Rückgang im Kerngeschäft Krankenvollversicherung zu verzeichnen hatten, bleibt der PKV-Verband für die Zukunft zuversichtlich, auch wenn klar erkennbar ist, dass Unterstützung von der Bundesregierung nicht erwartet werden kann.

Der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) hat gestern in Berlin seine zweitägige Jahrestagung abgeschlossen, wobei im öffentlichen Teil das Thema Pflege im Vordergrund stand. Zugleich legte die Verbandsführung ihren Rechenschaftsbericht für 2014 vor, der im dritten Jahr in Folge einen leichten Rückgang im Kerngeschäft Krankenvollversicherung ausweist.

In dem Bericht heißt es mit Blick auf die noch 42 (2013: 43) Mitgliedsunternehmen: „2014 war insgesamt ein gutes Jahr für die PKV und ihre Versicherten.“ Und weil die PKV ihre Spielräume zur eigenen Weiterentwicklung nutze und notwendige Reformen in der Kranken- und Pflegeversicherung fortsetze, „ist sie Ende 2014 besser aufgestellt als zuvor und blickt mit Zuversicht in die Zukunft.“

Wunschliste

Zur Wunschliste an die Koalition von CDU/CSU und SPD gehören Änderungen an den auslösenden Faktoren für Beitragserhöhungen, um Beitragsschübe zu vermeiden. Auch mit einem früheren Einsatz der Alterungsrückstellungen bereits vor dem 65. Lebensjahr könnte Beitragserhöhungen gedämpft werden. Dies deckt sich mit den Forderungen der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) (VersicherungsJournal 30.4.2015).

Schließlich könnte eine Öffnung des Standardtarifs helfen, soziale Härten zu vermeiden. Hintergrund: 2014 ist die Zahl der PKV-Versicherten im Basistarif um über sieben Prozent und diejenige der im Notlagentarif versicherten Personen sogar um fast ein Viertel angestiegen (VersicherungsJournal 18.6.2015).

Doch mit der Erfüllung der Wunschliste ist eher nicht zu rechnen. Denn in der Regierungskoalition gibt es eine Art Stillhalteabkommen hinsichtlich des Themas PKV. Die SPD lässt bis zu nächsten Bundestagswahl das Thema Bürgerversicherung ruhen, stimmt aber auch keinen Gefälligkeiten für die privaten Krankenversicherer zu.

Seit Jahren moderate Beitragsentwicklung – aber der Druck wächst

Uwe Laue (Bild: Brüss)
Uwe Laue (Bild: Brüss)

In den vergangenen fünf bis sechs Jahren habe es in der Branche nur moderate Beitragserhöhungen gegeben, sagte der Verbandsvorsitzende Uwe Laue. „Wir haben seit Jahren Ruhe.“ Dies zeigten auch Untersuchungen der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.

Und zum Druck, die Beiträge wegen des anhaltenden Niedrigzinsniveaus und den damit verbundenen sinkenden Kapitalerträgen erhöhen zu müssen, sagte Laue: „Im Moment geht es noch.“ Die Nettoverzinsung liege noch bei durchschnittlich vier Prozent.

Allerdings könne der Druck wachsen. Dies gelte auch, wenn der anerkannte medizinische Fortschritt, den man ja als PKV gewähren wolle, für Kostenschübe sorgen sollte. „Uns geht nicht die Luft aus“, so Laue. „Wir haben das Instrument der Beitragserhöhung.“ Ein solches stehe den Lebensversicherern in der Niedrigzinsphase nicht zur Verfügung.

Versicherungsvereine stärken in der PKV ihre Position

Bild: PKV-Verband, Tätigkeitsbericht 2014
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(Bild: PKV-Verband, Rechenschaftsbericht 2014)

Die Zahl der Vollversicherten ging im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent oder 55.600 auf noch 8.834.500 zum dritten Mal in Folge zurück. Das Eintrittsalter sei inzwischen auf 36 bis 38 Jahre gestiegen, erklärte der Vorsitzende des PKV-Verbands.

Ein Blick in die Detailzahlen zeigt, dass vor allem die 24 als Aktiengesellschaft organisierten Krankenversicherer im vergangenen Jahr Federn lassen mussten. Ihre Versichertenzahl in der Krankenvollversicherung sank um 1,5 Prozent oder 65.500 auf noch 4.249.300.

Dagegen konnten die noch 18 (19) Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) ihren Bestand um netto 9.900 auf 4.585.200 ausweiten. Ihr Marktanteil nahm auf 51,90 (2013: 51,47) zu.

Das sehr kleine, aus dem Verband ausgeschiedene Mitglied habe auf die Zahlen praktisch keinen Einfluss ausgeübt, sagte ein PKV-Verbandssprecher.

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