Krankenkassen schreiben Milliarden-Überschuss

9.12.2016 (€) – Die gesetzlichen Krankenkassen haben die ersten neun Monate 2016 mit einem Überschuss von rund 1,55 Milliarden Euro abgeschlossen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Gesundheitsministerium zeigen. Bis auf die Innungskrankenkassen lagen alle Kassenarten im Plus. Die Ausgaben stiegen nicht so stark wie in früheren Zeiten.

Nach den vorläufigen Finanzergebnissen der ersten neun Monate haben die gesetzlichen Krankenkassen mit 167,65 Milliarden Euro rund 1,55 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben (etwa 166,1 Milliarden Euro), wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gestern mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte sich nach Ministeriumsangaben noch ein Minus von rund 400 Millionen Euro angehäuft (VersicherungsJournal 7.12.2015).

Wie das Ministerium weiter mitteilte, hätte der Gesamtüberschuss ohne einen Sondereffekt sogar bei rund zwei Milliarden Euro gelegen. Denn von den Kassen seien im Rahmen des Risikostruktur- und des Einkommensausgleichs vom ersten bis zum dritten Quartal Verpflichtungen von rund 420 Millionen Euro ausgewiesen worden, die nicht durch den Ausweis entsprechender Forderungen bei anderen Krankenkassen ausgeglichen worden seien.

Laut BMG bildet „die positive Entwicklung 2016 auch eine gute Ausgangsbasis für die Entwicklung in 2017 und den Folgejahren. Auch wenn das Plus der Krankenkassen aufgrund von Sondereffekten in den Monaten Oktober bis Dezember voraussichtlich nicht mehr so hoch ausfallen dürfte wie in den Monaten Juli bis September, ist aufgrund der bisherigen Erkenntnisse zu erwarten, dass der Überschuss der GKV im Gesamtjahr 2016 noch weiter ansteigt.“

Eine moderate Ausgabenentwicklung, die erheblich günstiger verlaufe als bei der letztjährigen Prognose des Schätzerkreises erwartet, sorge bei einer guten, wenn auch etwas moderateren Einnahmeentwicklung für sehr stabile Verhältnisse im laufenden Jahr. Damit sei es der Mehrzahl der Krankenkassen ermöglicht worden, ihre Rücklagen weiter aufzubauen, so das Ministerium weiter.

Fast alle Kassenarten im Plus

Nachdem in den beiden Vorquartalen noch alle Kassenarten Überschüsse zu verzeichnen hatten (VersicherungsJournal 22.6.2016, 6.9.2016), rutschten Innungskrankenkassen (IKKen) ins einstellige Millionen-Minus.

Die Landwirtschaftliche Krankenversicherung war leicht im Plus, während die Betriebskrankenkassen (BKKen) knapp unter und die Knappschaft-Bahn-See knapp über 100 Millionen Euro Überschuss erzielten. Ein gutes Drittel des Überschusses ging auf das Konto der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen), die verbleibende Hälfte auf das Konto der Ersatzkassen.

Bild: Wichert

Das Finanzpolster der Kassen zum 30. September lag nach BMG-Angaben bei über 16 Milliarden Euro. Zum Ende des zweiten Quartals waren es 15,1 Milliarden Euro, Ende März 14,9 und zum Jahresende 2015 „nur“ 14,5 Milliarden Euro gewesen.

3,2 Prozent Ausgabensteigerung pro Versicherten

Den Ausgabenzuwachs je Versicherten bezifferte das Ministerium auf 3,2 Prozent (wie im Vorquartal und im Vorjahreszeitraum), was allerdings unter der Zuwachsrate des gesamten Vorjahres von 3,7 Prozent lag. Leicht niedriger lag der Anstieg der Leistungsausgaben je Versicherten (3,1 Prozent).

Nach BMG-Angaben sind die Ausgabenzuwächse je Versicherten unter anderem wegen der deutlich gestiegenen Versichertenzahlen um rund 0,9 Prozentpunkte niedriger ausgefallen als die absoluten Ausgabenzuwächse.

Deutliche Zunahme bei Pro-Kopf-Ausgaben für häusliche Pflege

Am stärksten stiegen die Ausgaben je Versicherten mit knapp acht Prozent im Bereich der häuslichen Kranken- und Behandlungspflege. Überproportional hoch war der Anstieg dabei bei den Ersatzkassen, der Knappschaft, den BKKen sowie den IKKen, bei letzteren sogar deutlich überproportional.

Bei den Heilmitteln sowie den Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft ohne stationäre Entbindung betrug die Steigerung jeweils über sechs Prozent. Die Ausgaben für Letztere waren bei den AOKen und der Knappschaft mehr als doppelt so hoch wie im GKV-Schnitt. Einen Ausgabenrückgang gab es hingegen in den Bereichen Dialyse, Schutzimpfungen und Zahnersatz insgesamt.

Größter Kostenblock bleiben die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit fast 55,6 Milliarden Euro, was einem Anteil von rund einem Drittel entspricht. Dahinter folgen mit jeweils in etwa halb so großen Anteilen die der vertragsärztlichen Versorgung zugutekommenden Ausgaben (Anteil: gut 18 Prozent) sowie diejenigen für Arzneimittel aus Apotheken (gut 17 Prozent).

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