22.6.2026 – Mit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 sollten mehr Menschen dazu motiviert werden, länger im Arbeitsleben zu bleiben. Allerdings gehen heute mehr Arbeitnehmer vorzeitig und mit Abschlägen in Rente, als bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Jeder Vierte der besonders langjährig Versicherten mit 45 Versicherungsjahren, die vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen, verdient mehr als 603 Euro pro Monat hinzu.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) hat in seiner aktuell veröffentlichten Studie „Wegfall der Hinzuverdienstgrenze – Wie hat sich das Renteneintrittsverhalten seit 2023 verändert?“ (PDF; 600 KB) Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ausgewertet.
Die Angaben für die Jahre 2018 bis 2024 wurden verknüpft mit Renten- und Beschäftigtendaten. Demnach nutzen viele Anspruchsberechtigte die Möglichkeit, vorzeitig Rente zu beziehen und gleichzeitig sozialversicherungspflichtig hinzuzuverdienen.
Besonders langjährig Versicherte stark vertreten
Das zeige sich zum Beispiel bei besonders langjährig Versicherten – also Menschen mit 45 Versicherungsjahren, die vorzeitig ohne Abschläge in Rente gehen. Bei ihnen ist der Anteil mit einem Hinzuverdienst über der Minijobgrenze von derzeit 603 Euro pro Monat von 18,3 Prozent im Jahr 2022 auf 26,4 Prozent gestiegen.
Bei den langjährig Versicherten, die nach 35 Versicherungsjahren ab 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen, stieg der Anteil von acht auf 14,5 Prozent.

- Anteil der Neurentner mit großem Hinzuverdienst in Prozent; Anmerkungen: Großer Hinzuverdienst = mehr als ein Minijob, Besonders langjährig Versicherte = 45 Versicherungsjahre, Langjährig Versicherte = 35 Versicherungsjahre (Bild: IW)
Mehr Menschen gehen heute vorzeitig und mit Abschlägen in Rente
Der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 (VersicherungsJournal 23.12.2022) sollte Menschen zwar dazu motivieren, länger im Arbeitsleben zu bleiben. Jedoch gehen heute mehr Arbeitnehmer vorzeitig und mit Abschlägen in Rente, als bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten.
Dabei ist der Anteil der langjährig Versicherten mit 35 Versicherungsjahren von 21,7 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024) gestiegen. Auch das Durchschnittsalter beim Renteneintritt der langjährig Versicherten mit Hinzuverdienst über der Minijobgrenze sank leicht, stellen die IW-Forscher fest.
Die Reform untergrabe somit in Teilen das mit der Anhebung der Regelaltersgrenze verbundene Ziel, den Eintritt in die Rente im Durchschnitt nach hinten zu verschieben. „Die Regierung sendet gegensätzliche Signale an die Babyboomer“, sagt IW-Arbeitsmarktökonomin Stefanie Seele.




