GKV-System fährt Milliardengewinn ein

7.3.2017 (€) – Das System der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hat im vergangenen Jahr dank eines moderaten Kostenanstiegs und aufgrund einer steigenden Versichertenzahl einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro erzielt. Die Finanzreserven der Krankenkassen summierten sich dadurch auf 15,9 Milliarden Euro, wie das Gesundheitsministerium gestern in Berlin mitteilte. Einschließlich der im Gesundheitsfonds liegenden Reserven stiegen die Rücklagen auf zusammen 25 Milliarden Euro.

Nach Einschätzung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) steht die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) mit Rücklagen über 25 Milliarden Euro (Stand: Ende 2016) weiterhin auf einer soliden Grundlage. „Das zeigt, die Panikmache, mit der Versicherte verunsichert wurden, hat sich als falsch erwiesen.“

Nach den vorläufigen Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) standen im vergangenen Jahr Einnahmen von 224,15 Milliarden Euro Ausgaben von 222,77 Milliarden Euro gegenüber. Den Überschüssen in 2016 von rund 1,38 Milliarden Euro standen Abflüsse über 1,13 Milliarden Euro im Jahr zuvor gegenüber (VersicherungsJournal 8.3.2016).

Insgesamt ergab sich damit um eine um rund 2,5 Milliarden Euro verbesserte Finanzentwicklung. Zu Jahresbeginn 2017 waren fast 71,7 Millionen Menschen in der GKV versichert, das waren rund 900.000 mehr als Anfang 2015 (VersicherungsJournal 6.3.2017).

Von den Kassenarten schrieben nur die IKKen Verluste

Betrachtet man die einzelnen Kassenarten, dann waren bei allen bis auf die Innungskrankenkassen (IKKen) die Einnahmen größer als die Ausgaben. Das Defizit bei den IKKen lag bei 33 Millionen Euro. Leicht im Plus schlossen hingegen die landwirtschaftliche Krankenversicherung sowie die Betriebskrankenkassen (BKKen) ab.

Rund ein Viertel des Gesamtüberschusses entfiel den Ministeriumsangaben zufolge auf Ersatzkassen, während die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) am besten abschnitten und über zwei Drittel der Überschüsse auf sich vereinen konnten.

Wichert

Ausgaben stiegen um 3,3 Prozent je Versicherten

Wie das Ministerium weiter mitteilte, gab es im vergangenen Jahr einen Ausgabenzuwachs von 3,3 Prozent je Versicherten. Dabei erhöhten sich die Leistungsausgaben um 3,2 Prozent je Versicherten.

Die Verwaltungskosten nahmen um 4,5 Prozent zu. „Der überproportionale Zuwachs ist darauf zurückzuführen, dass eine Reihe größerer Krankenkassen bei einer positiven Finanzentwicklung vor allem im vierten Quartal deutlich stärkere Zuführungen zu den Rückstellungen für die zukünftige Altersversorgung ihrer Beschäftigten vorgenommen hat als im vergangenen Jahr“, erklärte das BMG in einer Pressemitteilung.

Jeder dritte Euro in der GKV für Krankenhausbehandlung

Betrachtet man die einzelnen Leistungsbereiche, dann wurde jeder dritte Euro in der GKV für die Behandlung in einem Krankenhaus ausgegeben. Die Ausgaben stiegen um 3,8 Prozent oder gut 2,6 Milliarden Euro auf 73,7 Milliarden Euro.

Je Versicherten ergab sich aber nur ein Ausgabenanstieg von 2,8 Prozent. Die Ausgaben für die ärztliche Behandlung stiegen um 4,3 Prozent oder 1,52 Milliarden Euro auf 40,7 Milliarden Euro an. Je Versicherten ergaben sich Mehrausgaben von 3,4 Prozent.

Beim Ausgabenzuwachs bei Arzneimitteln trat im vergangenen Jahr eine deutliche Beruhigung ein, nachdem diese noch im Jahr 2014 je Versicherten um 9,4 Prozent (VersicherungsJournal 5.3.2015) und 2015 noch um 4,0 Prozent (VersicherungsJournal 8.3.2016) gestiegen waren.

Im vergangenen Jahr ergab sich nur noch ein Plus bei Arzneimitteln je Versicherten von 3,1 Prozent. Rabattverträge hätten zu einer Entlastung der Krankenkassen in Höhe von 3,85 Milliarden Euro beigetragen. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Plus von 7,8 Prozent.

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Finanzielle Sorgen sind berechtigt

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