Familienreport: Erschreckend viele Kinder sind armutsgefährdet

18.9.2017 – Familienministerin Katarina Barley hat jetzt den Familienreport 2017 vorgelegt, der ein immens hohes Armutsrisiko für Kinder aus bestimmten Verhältnissen ausweist. Harte Kritik kommt von den Grünen.

WERBUNG

In Deutschland liegt das Armutsrisiko von Kindern dem Familienreport 2017 (PDF, 4,4 MB) des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zufolge je nach Untersuchung zwischen 14,6 und 21,1 Prozent. Der Report informiert über die Lebenslagen von Familien in Deutschland und listet die Maßnahmen auf, mit denen der Staat Familien unterstützt.

„44 Prozent der Haushalte von Alleinerziehenden sind armutsgefährdet“, stellt der Bericht nüchtern fest. Ihr Armutsrisiko sei viermal so hoch wie bei Paarfamilien mit einem oder zwei Kindern. 2015 wuchsen 2,3 Millionen der insgesamt 13 Millionen Kinder bei nur einem Elternteil auf.

Fehlende oder geringe Erwerbstätigkeit der Eltern sei die wesentliche Ursache für Armutsgefährdung, Transferabhängigkeit und prekäre Lebenslagen. Das Armutsrisiko für Kinder schwillt auf 64 Prozent an, wenn sie in einer Familie leben, in der kein Elternteil erwerbstätig ist.

Barley fordert Recht auf Ganztagsbetreuung auch an Grundschulen

Wesentliche Voraussetzung für eine existenzsichernde Erwerbstätigkeit beider Elternteile sei die Kindertagesbetreuung, hebt der Familienreport hervor. Die staatlichen Mittel, die dafür zur Verfügung gestellt worden seien, seien von 2006 bis 2015 von gut elf Milliarden Euro auf knapp 24,6 Milliarden Euro ausgeweitet worden.

Bundesfamilien-Ministerin Katarina Barley erklärte, die Bundesregierung habe in den vergangenen vier Jahren viele Familienleistungen verbessert. „Jeder Euro, den wir in gute Kitas, Ganztagsschulen und Horte investieren, zahlt sich mehrfach aus.“ Deswegen müsse es ein Recht auf Ganztagsbetreuung für alle Grundschulkinder geben, erklärte die Ministerin.

Katarina Barley (Bild: Brüss)
Katarina Barley (Bild: Brüss)

Sie wolle sich auch dafür einsetzen, ein neues Kindergeld für Familien mit kleinen Einkommen zu schaffen und überflüssige Bürokratie in diesem Bereich abzubauen.

Nach den Vorstellungen könnten diese Familien ein höheres Kindergeld erhalten, das sich mit zunehmenden eigenen Einkommen der Familie reduziert. 70 Prozent der Bevölkerung würden dies für einen guten Weg halten, das Kindergeld für Familien zu erhöhen, in denen Eltern nur wenig verdienen.

Grüne: Bundesregierung verwaltet die Armut nur

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag Katrin Göring-Eckardt warf der Bundesregierung vor, Kinderarmut nur zu verwalten. Es könne nicht sein, dass trotz brummender Konjunktur immer mehr Kinder und alleinerziehende Mütter „im Regen“ stehen gelassen würden.

Mit einem unbürokratischen Bonus zum Kindergeld können Familien und Alleinerziehende vor Armut geschützt werden

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen

Um gegenzusteuern müsse man ungerechte Steuerbefreiungen abschaffen, die nur denen helfen würden, denen es schon gut gehe. „Mit einem unbürokratischen Bonus zum Kindergeld können Familien und Alleinerziehende vor Armut geschützt werden“, erklärte die Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen. Göring-Eckardt plädierte dabei für eine Kindergrundsicherung. „Deutschland kann und darf sich Kinderarmut nicht länger leisten.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Konjunktur · Senioren
 
WERBUNG
WERBUNG
Die Alternative zum Premium-Abonnement

Möchten Sie Artikel ohne Registrierung abrufen, so können Sie jeden Text über GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH einzeln für einen geringen Stückpreis erhalten. Direkt auf diesen Artikel bei Genios gelangen Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
26.7.2017 – Der Rentenbeitragssatz ist so niedrig wie seit Langem nicht mehr, die Rücklagen der Rentenversicherung wachsen wieder an. Alles gut, könnte man meinen – wenn die 1960er Jahrgänge nicht schon bald in die Rente drängen würden. (Bild: Privat) mehr ...
 
1.12.2016 – Zwar wird das Rentenniveau weiter sinken, wie auch der aktuelle Alterssicherungsbericht der Regierung zeigt. Der Bericht enthält dennoch positive Nachrichten für die Versicherungsbranche in Bezug auf die vielgescholtene Riester-Rente. (Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016) mehr ...
 
10.11.2016 – Auf ihrem Presseseminar zog die Deutsche Rentenversicherung eine erste Bilanz zu den Rentenreformen. Thematisiert wurden auch die derzeit viel diskutierte Haltelinie beim Rentenniveau, deren immense Kosten sowie das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz. mehr ...
 
15.1.2016 – Wie haben sich die Alterssicherungssysteme in Deutschland und Österreich in den letzten 15 Jahren entwickelt? Ein deutsch-österreichisches Wissenschaftsteam glaubt einen klaren Sieger ausgemacht zu haben. mehr ...
 
3.7.2015 – Die gesetzliche Rentenversicherung präsentiert auf ihrer Bundesvertreter-Versammlung eine positive Bilanz nach Rentenreform und steigenden Rentenzugängen. Dennoch gibt es, etwa beim Nettorentenniveau, auch unerfreuliche Prognosen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
24.4.2015 – Die Geschäftsentwicklung unabhängiger Vermittler kommt nach dem aktuellen Makler-Absatzbarometer auch Anfang 2015 nicht aus dem Keller – zumindest nicht bei Privatkunden. Ermittelt wurden auch die Favoriten in verschiedenen Produkt- und Zielgruppen. (Bild: Wichert) mehr ...
 
27.3.2015 – Junge Bundesbürger stehen im Fokus einer Umfrage zu Versicherungen. Zudem gibt es aktuelle Daten zur Sparbereitschaft der Deutschen, zu ihrer Finanzkraft und den Kanälen, über die sie angesprochen werden wollen. (Bild: MSR) mehr ...
 
2.7.2014 – Das Pleitegeschehen in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2014 erneut beruhigt. Ab diesem Jahr soll der Ausgleichsfonds die Beitragssprünge beim Insolvenzschutz für Betriebsrenten glätten. (Bild: PSVaG) mehr ...