Warum Nachfolge immer auch einen Plan B braucht

23.4.2026 – Ein Nachfolgeprozess verläuft selten so geradlinig, wie er geplant wird. Ein Risiko: Der ausgewählte Kandidat springt wieder ab. Um auf solche Fälle vorbereitet zu sein, hilft es, frühzeitig Alternativen mitzudenken. Ein Gastbeitrag von Personalcoach Katarina Schmitz.

Katarina Schmitz (Bild: privat)
Katarina Schmitz (Bild: privat)

Ein potenzieller Nachfolger ist gefunden und damit scheint das Thema zunächst gelöst. Doch genau an diesem Punkt beginnt häufig die eigentliche Herausforderung.

Denn Nachfolge verläuft selten so geradlinig, wie sie geplant wird. Nachfolge ist kein fester Ablauf, sondern ein Prozess, der sich entwickelt.

Nicht jede Entwicklung läuft wie geplant

Der Aufbau eines Nachfolgers erstreckt sich in der Regel über mehrere Jahre. In dieser Zeit entwickeln sich nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch Erwartungen, Perspektiven persönliche Ziele.

In der Praxis zeigt sich dabei häufig: Pläne verändern sich. Prioritäten verschieben sich. Und nicht jede Entwicklung verläuft wie ursprünglich vom Vermittler gedacht.

Wenn der geplante Nachfolger abspringt

Ein Szenario, das in der Praxis häufiger vorkommt, als viele erwarten, ist der Absprung eines potenziellen Nachfolgers. Die Gründe für dessen Planänderung sind unterschiedlich:

  • veränderte persönliche Ziele,
  • neue berufliche Perspektiven
  • oder die Erkenntnis, dass unternehmerische Verantwortung nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

Auch unterschiedliche Erwartungen zwischen Abgeber und Nachfolger zeigen sich oft erst im Verlauf der Zusammenarbeit. Ohne alternative Überlegungen entsteht in solchen Momenten schnell Zeitdruck.

Warum ein Plan B entscheidend ist

Ein Plan B bedeutet nicht, dass der ursprüngliche Weg infrage gestellt wird. Er bedeutet, vorbereitet zu sein.

In der Praxis zeigt sich: Wer frühzeitig Alternativen mitdenkt, bleibt handlungsfähig, auch wenn sich Entwicklungen verändern. Ein Plan B kann dabei unterschiedlich aussehen:

  • mehrere potenzielle Nachfolger parallel entwickeln,
  • interne und externe Optionen offenhalten,
  • Übergangsmodelle in Betracht ziehen.

Entscheidend ist nicht die konkrete Lösung, sondern die Haltung dahinter.

Zeit schafft Handlungsspielraum

Ein Plan B funktioniert nur dann, wenn ausreichend Zeit vorhanden ist. Wird Nachfolge frühzeitig angegangen, können Entwicklungen beobachtet, angepasst und bei Bedarf alternative Wege aufgebaut werden.

Wird sie zu spät gestartet, entsteht Druck und damit oft die Notwendigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen.

Nachfolge bedeutet, mit Unsicherheit umzugehen

Viele Vermittler wünschen sich eine klare, sichere Lösung für ihre Nachfolge. Die Realität ist jedoch: Nachfolge ist immer mit Unsicherheit verbunden.

Ein Plan B ist deshalb kein Zeichen von Zweifel, sondern Ausdruck eines professionellen Umgangs mit dieser Unsicherheit.

Fazit

Nachfolge im Versicherungsvertrieb lässt sich nicht vollständig planen. Zu viele Faktoren entwickeln sich über Zeit.

Gerade deshalb ist es entscheidend, neben dem eigentlichen Nachfolgeprozess auch Alternativen mitzudenken. Denn erfolgreiche Nachfolge bedeutet nicht nur, den richtigen Nachfolger zu finden, sondern auch, auf Veränderungen vorbereitet zu sein.

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Cover Dossier (Bild: VersicherungsJournal)

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