Ein Modell zur Umgestaltung der Krankenversicherung

25.9.2015 (€) – Folge 41 der VersicherungsJournal-Serie „Testen Sie Ihr Versicherungswissen“ beschäftigt sich mit dem Thema Bürgerversicherung. Die DIHK-Prüfungsfrage stammt aus dem Handlungsbereich „Kranken- und Unfallversicherungen – Produktmanagement für Versicherungs- und Finanzprodukte“.

Demografie und technischer Fortschritt sind zwei wesentliche Kostentreiber in jeder Krankenversicherungs-Form. Es ist anzunehmen, dass diese Probleme und mögliche Lösungen spätestens im nächsten Wahlkampf erneut thematisiert werden – nicht nur von Politikern, sondern auch von Privatversicherten im Kundengespräch.

Motiv Eule (Bild: Fotolia/Nikolae)
(Bild: Fotolia/Nikolae)

Basiswissen vermittelt das VersicherungsJournal in Form der Antwort auf eine offizielle Prüfungsfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags e.V. (DIHK) aus dem Frühjahr 2013. Es muss von angehenden Fachwirten für Versicherungen und Finanzen beherrscht werden.

Aufgabe – Hintergrundwissen für das Kundengespräch sammeln

Seit Jahren werden die zwei Modelle Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie (Kopfpauschale) zur künftigen Ausgestaltung der gesetzlichen Krankenversicherung diskutiert.

a) Nennen und beschreiben Sie zwei Hauptgründe für eine grundlegende Umgestaltung der gesetzlichen Krankenversicherung.

b) Beschreiben Sie das Modell der Bürgerversicherung.

c) Nennen Sie vier negative Folgen für die Bürger, die die private Krankenversicherung nach Einführung der Bürgerversicherung befürchtet.

Lösung

Fachwissen aus dem Handlungsbereich „Kranken- und Unfallversicherungen – Produktmanagement für Versicherungs- und Finanzprodukte“

Aufgabe

Lösung

a)

Die Notwendigkeit einer Reform des Gesundheitswesens liegt in mehreren Punkten begründet; die wichtigsten davon sind zum Beispiel:

- Demografischer Wandel:

Der demografische Wandel gründet auf einem dauerhaften Rückgang der Geburtenzahlen und einer weiter steigenden Lebenserwartung. Es gibt immer mehr ältere Menschen und immer weniger Beitragszahler. Das Finanzierungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht ausreichend auf diesen Wandel und seine Folgen ausgerichtet. Aufgrund der Veränderung der Altersstrukturen und der damit einhergehenden Kostensteigerungen ist es notwendig, die Finanzierung des Gesundheitssystems im Hinblick auf diese Veränderungen umzustrukturieren.

- Medizinischer Fortschritt:

Der immer weiter voranschreitende medizinische Fortschritt ist kostenintensiv und bringt damit eine weitere Kostensteigerung für die Gesundheitssysteme mit sich. Auf diese Kostensteigerung ist das heutige Gesundheitssystem nur unzureichend vorbereitet.

- Entlastung der Lohnnebenkosten:

Die steigenden Lohnnebenkosten wirken sich negativ auf die Arbeitskosten, den Arbeitsmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit aus. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist eine Abkopplung der Beiträge zur Krankenversicherung von diesen Kosten ein wichtiger und notwendiger Schritt.

- Weitere Faktoren:

Steigerung des Wettbewerbes,

Steigerung von Effizienz und Effektivität des Gesundheitswesens.

b)

Der Begriff der Bürgerversicherung bezieht sich zunächst auf den Kreis der Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung. Hier sollen alle Bürger, auch Beamte und Selbstständige, versichert werden. Die Ausgestaltung der Bürgerversicherung sieht eine Finanzierung nach dem Umlageverfahren vor.

Die Beitragsgestaltung der Bürgerversicherung soll weiterhin einkommensabhängig gestaltet werden, die finanzielle Leistungsfähigkeit der Versicherten soll dabei berücksichtigt werden. Die Finanzierung erfolgt über prozentuelle Einkommensbeiträge der Versicherten. Die Erhebungsgrundlage soll nicht wie bisher nur auf Löhnen und Gehältern beruhen, je nach Ausgestaltungsvariante sollen auch noch weitere Einkünfte wie Zinseinkünfte oder Mieteinnahmen herangezogen werden. Ob die Beitragsbemessungs-Grenze beibehalten oder beseitigt wird, ist ebenfalls noch unklar.

Zur Diskussion steht auch noch der Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung. Ein Vorschlag hierzu sieht vor, die paritätische Zahlung des Beitrages durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer beizubehalten. Vor allem aus den Reihen der Grünen kam dagegen der Vorschlag auf, den Arbeitgeberbeitrag zu deckeln. Somit würde bei einem allgemeinen Anstieg der Beiträge zur Krankenversicherung der Arbeitgeber nicht weiter belastet werden und die Lohnkosten würden nicht weiter ansteigen.

c)

Zum Beispiel: Die Bürgerversicherung

- ist eine Einheitsversicherung, sie schafft Wettbewerb und Wahlfreiheiten ab.

- weitet die Umlagefinanzierung aus und verschärft damit das Demografieproblem.

- stellt das Gegenteil von Nachhaltigkeit dar, da sie das Prinzip der Generationen-Gerechtigkeit verletzt.

- erhöht die Krankenversicherungs-Beiträge, da sie die Mittelschicht und die Rentner belastet.

- setzt auf Steuerfinanzierung. Der Staat gewinnt an Einfluss.

- belastet die Arbeitgeber und gefährdet damit Arbeitsplätze.

- führt zu keiner nachhaltigen Beitragssatzsenkung, da sich der Beitragsanstieg fortsetzt.

Frühere Beiträge aus dieser Artikelserie finden sich im Archiv des VersicherungsJournals unter diesem Link.

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