3.7.2013 (€) – Nach Einschätzung von Gothaer-Chef Dr. Werner Görg besteht für Lebensversicherungen mit gesplitteten Garantien derzeit keine Rechtssicherheit. Der Gothaer-Konzern ist in den ersten Monaten 2013 vor allem in der Schaden- und Unfallversicherung sowie mit Krankenzusatz-Policen gewachsen. 2012 war, wie der Vorab-Überblick im Dezember bereits zeigte, wachstumsstark und dank eines höheren Kapitalanlage-Ergebnisses ertragsstärker.
Als Antwort auf die Niedrigzinsphase hat der Gothaer-Konzern wie auch Wettbewerber (VersicherungsJournal 4.6.2013) neue Lebenstarife mit gesplitteten Garantien entwickelt, bringt diese vorerst aber noch nicht auf den Markt. Es fehle noch an der Rechtssicherheit für derartige Tarife, meint Görg.
Klassik bleibt, wird aber kleiner
Seiner Einschätzung nach müsste die Deckungrückstellungs-Verordnung geändert werden. Andernfalls bewegten sich solch neue Produkte in einer „Grauzone“. Görg fürchtet Prozesse von Altkunden mit klassischen Produkten.
„Ein nicht unerheblicher Teil von Kunden und Vermittlern“ werde ohnehin an Tarifen mit klassischen Garantien festhalten. Mit Blick auf die künftigen Eigenkapitalanforderungen sei ein Neugeschäft von sieben Prozent klassischer Tarife ohne Probleme darstellbar, so Görg.
93 Prozent ihres Neugeschäfts machte die Gothaer Lebensversicherung 2012 mit der betrieblichen Altersvorsorge, fondsgebundenen und Biometrie-Produkten. 2013 habe sich diese Tendenz fortgesetzt, so Görg. Im Bestand haben diese Produkte inzwischen einen Anteil von 74 Prozent. In der Lebensversicherung liegt die Produktion in den ersten Monaten um rund drei Prozent unter dem Vorjahr.
Umbruch im Vermittlermarkt
In den ersten fünf Monaten 2013 haben die Schaden- und Unfallversicherer des Konzerns marktüberdurchschnittlich um fünf Prozent zugelegt. Wären die Hochwasserschäden nicht gewesen, fiele die Schadenbilanz bisher auch besser aus. Per Ende April lag der Schadenaufwand um zehn Prozent unter dem Vorjahr.
Mit brutto 62 Millionen Euro Aufwand kommt die jüngste Flutkatastrophe die Gothaer teurer als das Elb-Hochwasser 2002. Dies liegt neben den insgesamt gestiegenen Schadendurchschnitten auch an der geänderten Zeichnungspolitik: 53 Prozent des Sachgeschäfts wird inzwischen mit Unternehmerkunden gemacht. Somit waren von den jüngsten Wassermassen auch mehr Firmenkunden betroffen.
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In der Sparte Krankenversicherung wachsen nach Aussage von Vorstand Michael Kurtenbach derzeit nur das Gruppenversicherungs-Geschäft und die Zusatzpolicen. In der Vollversicherung, die 2012 knapp 3.000 auf 164.586 Personen verlor, herrsche vor der Bundestagswahl Attentismus. Zudem spüre man den Umbruch im Vermittlermarkt nach der Deckelung der Provisionen.
Ausreichende Verzinsung
Anders als voraussichtlich 18 andere Krankenversicherer (VersicherungsJournal 29.5.2013), schaffe die Gothaer den aktuariellen Unternehmenszins (AUZ) von 3,5 Prozent, so Görg. Bei Krankenversicherern, die diese Zinsmarke reißen, drohen kapitalmarktbedingte Beitragsanpassungen.
Die bereits im Dezember getroffenen Aussagen zur Geschäftsentwicklung 2012 haben sich, wie die Geschäftsberichte zeigen, im Wesentlichen bestätigt beziehungsweise sind teils nach oben zu korrigieren (VersicherungsJournal 5.12.2012). Getragen von allen Sparten wuchs der Konzern um 3,2 Prozent auf 4,18 Milliarden Euro Bruttobeitrag.
Der Konzerngewinn erhöhte sich um 54,5 Prozent auf 224 Millionen Euro, weil das Ergebnis aus Kapitalanlagen um 28,0 Prozent auf 1,162 Milliarden Euro zulegte. Die Verbesserung resultiert aus Zuschreibungen von 122,0 (2011: 68,7) Millionen Euro und auf 385,6 (691,4) Millionen Euro verminderten Abschreibungen.
Die Geschäftsberichte 2012 sind im Internet einsehbar.




