21.10.2016 (€) – Über die Ausschließlichkeit kam 2015 in Leben, Kranken wie auch in Schaden/Unfall das meiste Neugeschäft in die Bücher der Versicherer, wie die gestern veröffentlichte GDV-Vertriebswegestatistik zeigt. In allen drei Segmenten gab es eine Steigerung. Makler behaupteten den zweiten Rang, mussten aber in Schaden/Unfall deutlich Federn lassen. In Leben und Kranken wurde der Neugeschäftsanteil hingegen ausgebaut. Der Direktvertrieb legte in Kranken und Schaden/Unfall weiter zu, bleibt in Leben aber nur von sehr geringer Bedeutung.
Die Neugeschäftsanteile der einzelnen Vertriebswege haben sich in den verschiedenen Sparten auch im vergangenen Jahr weiter verschoben, wie gestern vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) veröffentlichte Zahlen zeigen.
Makler und Mehrfachvertreter entwickeln sich in Leben positiv
So bleiben die Einfirmenvertreter in der Lebensversicherung zwar der dominante Vertriebskanal im Neugeschäft (nach vermittelter Beitragssumme). Aktuell 41,0 Prozent Anteil bedeuten allerdings im Vergleich zu 2014 einen Rückgang um fast einen Prozentpunkt. In den vergangenen vier Jahren belief sich das Minus auf über zweieinhalb Prozentpunkte, im Vergleich zu 2008 sogar auf vier Prozentpunkte.
Die Versicherungsmakler konnten 2015 den positiven Trend aus den Vorjahren (VersicherungsJournal 27.10.2016) fortsetzen und erneut leicht zulegen (plus 0,3 Prozentpunkte auf 26,3 Prozent). Bis auf 2013 hatte dieser Vertriebsweg seit 2008 kontinuierlich Steigerungen zu verzeichnen. Der Marktanteil ist seitdem um weit über ein Drittel gestiegen.
Drittstärkste Kraft bleibt der Vertrieb über den Bankschalter, über den im vergangenen Jahr zwar erneut mehr als ein Fünftel des Neugeschäfts in die Bücher der Versicherer kam. Allerdings hat sich die Bedeutung der Kreditinstitute für das Leben-Neugeschäft nach zuvor zwei Zunahmen wieder leicht reduziert. Der aktuelle Wert liegt damit wieder auf dem Niveau von 2008.
Die Mehrfachvertreter haben leicht an Bedeutung gewonnen und liegen nun nach zwei Jahren mit einer Fünf vor dem Komma wieder über der Sechs-Prozent-Marke. Sechs Jahre zuvor waren es jedoch noch deutlich über neun Prozent. Nur eine untergeordnete Rolle spielen die sonstigen Vertriebswege sowie der Direktvertrieb, die nur bei jeweils um die drei Prozent Anteil liegen.
Ausschließlichkeit eilt in Kranken weiter davon
In der privaten Krankenversicherung baute die Ausschließlichkeit mit der sechsten Steigerung in Folge ihre Vormachtstellung weiter aus. Ihr Anteil am Neugeschäft (nach vermitteltem Monatsbeitrag) stieg auf den Höchstwert von 56,6 Prozent. Dies sind gut vier Prozentpunkte mehr als 2012 und gar weit über zwölf Prozentpunkte mehr als 2009.
Die Versicherungsmakler konnten den massiven Abwärtstrend der beiden Vorjahre (insgesamt minus fast sechs Prozentpunkte) stoppen und sogar wieder leicht hinzugewinnen. An Bedeutung zugelegt hat auch der Direktvertreib, der 2015 erstmals auf einen Anteil von über sechs Prozent kam.
Die Kreditinstitute hatten, genauso wie Mehrfachvertreter und die sonstigen Vertriebswege, Rückgänge beim Marktanteil auf unter fünf Prozent (Kreditinstitute) beziehungsweise um die drei Prozent zu verzeichnen.
Direktvertrieb legt in Schaden/Unfall weiter zu
In der Schaden-/Unfallversicherung konnte der Direktvertrieb nach einem nur leichten Plus von nicht einmal einem halben Prozentpunkt in 2014 im vergangenen Jahr wieder deutlicher zulegen (plus 1,5 Prozentpunkte). Damit liegt der Neugeschäftsanteil (nach vermittelten Jahresbeiträgen, begrenzt auf die Versicherungszweige Sach, Unfall, Haftpflicht, Kraftfahrt und Rechtsschutz (SHUKR)) inzwischen beinahe bei einem Siebtel.
Mit Abstand stärkster Vertriebskanal bleibt auch in Schaden/Unfall die Ausschließlichkeit. 2015 konnten die Einfirmenvertreter erneut leicht zulegen. Mit aktuell 46,5 Prozent Marktanteil liegt dieser Vertriebsweg nur ein kleines Stückchen entfernt vom Höchstwert im Beobachtungszeitraum von knapp 48 Prozent.
Erneut abwärts ging es für die Versicherungsmakler, die seit 2011 über zwei Prozentpunkte Marktanteil eingebüßt haben. Dies bedeutet aber immer noch Rang zwei mit einem mehr als doppelt so hohen Anteil als der Direktvertrieb.
Leichte Abwärtstendenz gab es bei den Neugeschäftsanteilen der Kreditinstitute und der sonstigen Vertriebswege (wozu unter anderem Reisebüros und Autohäuser zählen). Mehrfachvertreter stabilisierten sich auf einem niedrigen Niveau von nicht einmal drei Prozent.
GDV: Dominanz der persönlichen Beratung hält an
Wie der GDV herausstellt, vertrauen die weitaus meisten Kunden beim Abschluss ihrer Versicherungen auf den Rat eines Vertreters oder Maklers. In Schaden/Unfall und Leben sind es zusammengerechnet jeweils drei Viertel des Neugeschäfts, in Kranken sogar mehr als 85 Prozent.
„Auch im digitalen Zeitalter legen die Menschen in wirklich wichtigen Fragen großen Wert auf persönliche Ansprache und Betreuung. Das Internet ersetzt nicht die Kommunikation zwischen Kunden und Versicherern, das Internet macht die Kommunikation einfacher“, erläutert Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Geschäftsführung, im Internetangebot des Versichererverbands.







