BDVM für gestaffeltes Courtagesystem mit Stornohaftung

29.10.2018 – Die Bafin sieht im Vertrieb von Lebensversicherungen Fehlanreize durch hohe Vergütungen gesetzt und hat deswegen Vorschläge zur Einführung eines Provisionsdeckels unterbreitet. Dr. Hans-Georg Jenssen, Vorstand beim Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler, hat im Rahmen der DKM scharfe Kritik an diesen Plänen geübt. Er plädierte für ein Modell nach dem Vorbild der Vergütung von Rechtsanwälten und Steuerberatern.

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Das heikle Thema der Deckelung von Vermittlerprovisionen in der Lebensversicherung treibt die Branche seit mehreren Jahren um. Vermittler befürchten einen weiteren massiven Einbruch ihrer Einnahmen (VersicherungsJournal 20.10.2018). Schon nach Einführung des Lebensversicherungs-Reformgesetzes sanken ihre Abschlussprovisionen je nach Produktgruppe deutlich (VersicherungsJournal 20.6.2017).

Bafin will Fehlanreize vermeiden

Von der nun geforderten Deckelung wären insbesondere die Lebensversicherung und Restschuldversicherung betroffen (VersicherungsJournal 27.9.2018, 14.9.2018, 6.9.2018, 24.8.2018). Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) hält die Vertriebskosten in diesen Sparten nach wie vor für zu hoch. Vor allem ist ihr daran gelegen, Fehlanreize durch eine zu hohe Vergütung zu vermeiden.

„Hit and Run“, das heißt Abschluss um jeden Preis ohne Rücksicht auf das Kundeninteresse, sei die Folge. Die Bafin schlägt einen sogenannten atmenden Deckel vor. Dieser sieht neben einer Grundprovision von 2,5 Prozent eine Zusatzvergütung von 1,5 Prozent vor, falls der Vermittler bestimmte Kriterien wie beispielsweise eine niedrige Stornoquote erfüllt.

Verbraucherschützer wie der Bund der Versicherten e.V. gehen noch weiter und fordern eine harte Obergrenze von 1,5 Prozent (VersicherungsJournal 8.8.2018). Zusätzlich ist geplant, dass Vermittler offenlegen müssen, wie ihre Vergütung den Wert der Police bis zum Auszahlungszeitpunkt mindert.

Bis zu zehn Stunden Zeitaufwand

Hans-Georg Jenssen (Bild: Winkel)
Hans-Georg Jenssen (Bild: Winkel)

Dr. Hans-Georg Jenssen, geschäftsführender Vorstand beim Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler e.V. (BDVM) nahm zu den verschiedenen Modellen auf der Deckungskonzeptmesse (DKM) in Dortmund am vergangenen Mittwoch Stellung.

„Ein starrer Deckel berücksichtigt nicht, dass Verträge mit höheren Bewertungssummen in der Regel keine höheren Grundkosten mit sich bringen“, so der BDVM-Vorstand. Für kleine und mittelgroße Verträge seien 2,5 Prozent der Bewertungssumme indes bei Weitem nicht auskömmlich, um eine angemessene Beratung zu gewährleisten.

Denn für den Abschluss einer Lebensversicherungs-Police seien in der Regel zwischen 7,5 und zehn Stunden Zeitaufwand zu veranschlagen. Andererseits seien 40 Promille für große Verträge dafür möglicherweise zu viel.

Vorbild Vergütung der Rechtsanwälte und Steuerberater

Jenssen gab zu bedenken, dass im Bundestag zahlreiche Juristen säßen, die wenig Verständnis für ein Vergütungsniveau von höherwertigen Lebensversicherungs-Policen hätten, das deutlich über dem ihres eigenen Berufsstands liege. So sehe das Rechtsanwaltsvergütungs-Gesetz bei einem Streitwert von 100.000 Euro eine Gebühr von 2.100 Euro vor, während die aktuelle Vergütung von Lebensversicherungs-Policen mit 40 Promille 4.000 Euro ergebe.

Der BDVM plädiert daher für eine „Buckel-Lösung“ nach dem Vorbild der degressiven Staffelsysteme der Vergütungen für Rechtsanwälte und Steuerberater. Jenssen schlug 3,5 Prozent bis 30.000 Euro, 2,75 Prozent bis 60.000 Euro und darüber hinaus zwei Prozent vor.

Jenssen DKM-Vortrag (Bild: Winkel)
Während des Vortrags von BDVM-Vorstand Jenssen auf der diesjährigen DKM
(Bild: Winkel)

Honorarberatung keine Lösung

Beratung auf Honorarbasis sei keine Lösung und beschädige die Lebensversicherung nur noch weiter, meinte Jenssen. „Stundenhonorare führen wie in Großbritannien dazu, dass nur Reiche sich Versicherung noch leisten können“, warnte Jenssen weiter. Das Courtagesystem mit Stornohaftung sei weiterhin am besten dazu geeignet, eine faire Vergütung bei hoher Beratungsqualität sicherzustellen.

Von der ebenfalls diskutierten Begrenzung der Verwaltungskosten beim Versicherer hält Jenssen nichts. „Eine solche Vorgabe würde dazu führen, dass Versicherer noch mehr administrative Aufgaben auf den Vermittler abwälzen“, ist Jenssen skeptisch.

Er warnte mit dem Verweis auf die Vermietungsmakler davor, die Augen zu verschließen und sich einem Kompromiss gänzlich zu verweigern. Wohnungsmakler haben gegen die Einführung des Bestellerprinzips Verfassungsbeschwerde eingelegt, die aber vom Bundesverfassungs-Gericht nicht einmal zur Entscheidung angenommen wurde.

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