18.9.2026 – Der Maklerpool BCA hat den „ThinkTank VorsorgeVertrieb“ ins Leben gerufen, um mit der Assekuranz und der Investmentbranche zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, einen Beratungsansatz zu entwickeln und das Geschäft mit den zukünftig geförderten Vorsorgeprodukten nicht den digitalen Anbietern für Selbstentscheider zu überlassen. Deren Werbung war aktuell auch Ziel einer nächtlichen Guerilla-Aktion.
Die BCA AG hat gemeinsam mit Partnerfirmen aus der Assekuranz, der Investmentbranche und dem Finanzvertrieb eine „Initiative für qualifizierte, unabhängige Beratung“ gestartet. Hintergrund ist das zum Jahreswechsel in Kraft tretende Altersvorsorgereformgesetz (VersicherungsJournal 8.5.2026).
Denn mit dem anstehenden Vertriebsstopp für die Riester-Rente und dem Verkaufsstart des neuen Altersvorsorgedepots zum 1. Januar stehe die geförderte private Altersvorsorge hierzulande vor einem „grundlegenden Umbruch“ (11.5.2026). „Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Beratung zu Vorsorgelösungen mit Versicherungs- und Investmentanteilen“, betonen die Initiatoren.
Hierzu zählen neben dem Maklerpool auch die Versicherungsgruppe die Bayerische und die Volkswohl Bund Versicherungen. Hinzu kommen neben diesen zwei Versicherern die beiden Fondsanbieter Fidelity International LLC und die Franklin Templeton Investment Services GmbH sowie die Vermittlerbetriebe HdB Haus der Berater GmbH und die Mando-Finanz GmbH.
„ThinkTank VorsorgeVertrieb“ ins Leben gerufen
Die Firmen eint nach eigenen Angaben die „Überzeugung, dass nicht das einzelne Produkt, sondern die ganzheitliche, kompetente Beratung darüber entscheidet, ob private Vorsorge langfristig trägt“.
Das gemeinsame Ziel ihres neuen „ThinkTank VorsorgeVertrieb“ ist es demnach, „die Bedeutung qualifizierter, unabhängiger Beratung in der Altersvorsorge sichtbar zu machen und gemeinsam Impulse für Produkte, Beratungsansätze und Kommunikation zu setzen“.
Die Ergebnisse ihrer Arbeit haben die Beteiligten in einem Whitepaper unter dem Titel „Nicht einfach klicken! – Warum Beratung zur Altersvorsorge unverzichtbar bleibt“ (PDF; 1,6 MB) zusammengefasst. Auf rund vier Seiten beschreiben sie darin, wie sich der Markt für Altersvorsorge verändern dürfte.
Der Markt spaltet sich zukünftig in zwei Lager
Demnach spaltet sich der deutsche Markt zukünftig in zwei Lager. Einerseits investieren die Selbstentscheider eigenständig über Neobroker in ETF-Sparpläne, für die es zukünftig ebenfalls Zulagen gibt. Andererseits suchen viele Kunden weiterhin Orientierung in Finanzfragen.
Die ganzheitliche Beratung wird den Initiatoren zufolge ab dem kommenden Jahr noch wichtiger, weil das neue Altersvorsorgedepot (16.9.2026) kein Selbstläufer sei. Die neuen Fördermöglichkeiten machen es den Verbrauchern nämlich nicht einfacher, sich für ein passendes Produkt zu entscheiden.
Denn: „Die für eine fundierte Entscheidung relevanten Fragen zu Förderung, Besteuerung, Rendite und individueller Lebenssituation lassen sich nicht einfach per Klick beantworten.“ Stattdessen benötigen viele Menschen noch mehr Unterstützung. Dass dieser Service aber auch seinen Preis hat, muss nach Ansicht der Initiative transparent kommuniziert werden, statt ihn zu verschweigen.
Kooperation in der Altersvorsorgeberatung

- Frank Ulbricht (Bild: BCA)
„Dass die beteiligten Unternehmen trotz ihrer unterschiedlichen Perspektiven und Interessen eine gemeinsame Einschätzung gefunden haben, zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Perspektive ist, um die individuellen Bedürfnisse richtig zu bedienen“, kommentiert BCA-Vorstand Dr. Frank Ulbricht.
Er betont, dass die Angebote der Versicherer und der Investmentbranche als Elemente eines Systems betrachtet werden sollten, statt als Gegensätze. „Die Zukunft der Vorsorge liegt in der intelligenten Kombination beider Welten, abgestimmt auf Lebensphase, Risikoprofil und Liquiditätsbedarf.“
Ulbricht ruft zu mehr Kooperation zwischen Versicherern, Fondsanbietern, Vertrieben und Maklerpools auf, um „die Komplexität der neuen Vorsorgewelt für Kunden beherrschbar zu machen“. Die Partner planen, Vermittlern in den kommenden Monaten konkrete Beratungsansätze bereitzustellen.
Nächtliche Guerilla-Aktion in München

- Projektion (Bild: die Bayerische)
Einen ungewöhnlichen Weg der Informationsvermittlung beschreitet aktuell hingegen der Mitinitiator die Bayerische mit einer nächtlichen Guerilla-Aktion. Am Münchner Stachus hat der Versicherer eine Botschaft direkt auf ein großflächiges Werbeplakat eines Neobrokers projiziert.
Über dem Claim „Bist du besteuert?“ erschien dadurch die Frage „Bist du beraten?“. Ergänzt wurde sie um den Satz: „Altersvorsorge braucht mehr als eine App.“
Mit ihrer Aktion wolle man sich in die Debatte um die Riester-Nachfolger einmischen, erklärt das Unternehmen. „Denn günstige Kosten, ETFs und digitale Depots können wichtige Bausteine beim Vermögensaufbau sein.“ Doch eine langfristige Altersvorsorge müsse die staatliche Förderung auch mit der Absicherung von Marktrisiken und eines überdurchschnittlich hohen Alters kombinieren.
Entscheidung mit enormer finanzieller Tragweite

- Martin Gräfer (Bild: die Bayerische)
„Wir sind große Fans des Kapitalmarkts, aber Altersvorsorge ist kein reines Klickprodukt“, mahnt Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen. „Wer 30 oder 40 Jahre für seinen Ruhestand spart, trifft Entscheidungen mit enormer finanzieller Tragweite. Gute Beratung hilft dabei, Kosten, Renditechancen, Steuern, Förderung, Risiken und die spätere Auszahlung zusammenzudenken.“
Ähnlich argumentieren die Generali Deutschland AG und die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG). Auch sie haben in dieser Woche angekündigt, sich mit ihrer bundesweiten Infokampagne „Deutschland macht Rente“ für die öffentliche Debatte zu diesem Thema einzusetzen.
Konkret wolle man hiermit „das Thema private Altersvorsorge stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken und Menschen motivieren, sich frühzeitig mit ihrer finanziellen Zukunft auseinanderzusetzen“.
Persönliche Ansprechpartner werden wichtiger

- Stefan Lehmann (Bild: Generali)
Anlass hierfür ist die Reform der bisherigen Riester-Zulagen. Sie „bietet die Chance, deutlich mehr Menschen Zugang zu staatlich geförderter privater Vorsorge und langfristigem Vermögensaufbau zu eröffnen“, erklärt Stefan Lehmann, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland.
Um seine Rentenlücke zu schließen, benötigt ein Privatkunde demnach in der Regel aber eine Kombination unterschiedlicher Vorsorgeprodukte. Weil die Wahlmöglichkeiten ab Januar weiter zunehmen, bleibt eine qualifizierte Beratung „der Schlüssel zu einer passenden Absicherung“.
Trotz des allgemeinen Trends zu mehr künstlicher Intelligenz im Versicherungsvertrieb (27.7.2026) würden persönliche Ansprechpartner wichtiger denn je. „Sie entwickeln bedarfsgerechte Vorsorgekonzepte, die auf die jeweilige Lebenssituation, Wünsche und Ziele ihrer Kundinnen und Kunden abgestimmt sind“, ergänzt DVAG-Vorstandsmitglied Marcus Aßmuth.




