Weshalb die Deutschen auf ausreichende Altersvorsorge verzichten

15.4.2026 – Nur knapp jeder fünfte Deutsche stimmt laut einer Umfrage im Auftrag der Allianz Lebensversicherung zu, genügend Altersvorsorge zu betreiben. Als wichtigste Gründe, nicht mehr für die finanzielle Absicherung im Alter zu tun, werden die laufenden Ausgaben genannt – aber auch die fehlende Bereitschaft, sich einzuschränken.

Die Ipsos GmbH hat im Auftrag der Allianz Lebensversicherungs-AG die Studie „Vorsorge-Index 2026“ vorgelegt. Sie gibt Aufschluss darüber, welche finanziellen Sorgen die Deutschen umtreiben, welche Ziele sie verfolgen und wie sie für das Alter vorsorgen. Bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden bundesweit mehr als 1.000 Personen.

Nur knapp ein Drittel fürchtet aktuell mangelnde Altersvorsorge

Auf die Frage „Was bereitet Ihnen aktuell die größten finanziellen Sorgen?“ konnten die Teilnehmer bis zu drei Antworten nennen. 57 Prozent der Befragten nennen steigende Lebenshaltungskosten und Inflation als größte Sorge. Am zweithäufigsten werden unerwartet hohe Ausgaben mit 34 Prozent genannt, etwa durch Reparaturen.

Zu wenig für den Ruhestand zu sparen, nennen hingegen nur 31 Prozent als große Sorge. Frauen sind mit 34 Prozent etwas besorgter als Männer mit 28 Prozent. Mit dem Alter nimmt die Sorge zu: 35 Prozent der 45- bis 59-Jährigen und 36 Prozent der 60- bis 65-Jährigen stimmen zu, in den jüngeren Altersgruppen sind es 26 Prozent.

Die Befürchtung vor einer möglichen Rezession und einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung teilen aktuell 29 Prozent der Befragten. 21 Prozent geben an, keine Mittel zum Sparen zu haben. Auch die Angst vor Arbeitslosigkeit ist mit 15 Prozent recht ausgeprägt.

Etwas mehr als jeder Zweite nennt Altersvorsorge als finanzielles Ziel

Ruedi Kubat (Bild: Allianz)
Ruedi Kubat (Bild: Allianz)

Die finanziellen Ziele der Deutschen für die nächsten fünf Jahre korrespondieren mit den finanziellen Sorgen. 61 Prozent planen, finanzielle Reserven für unerwartete Ausgaben aufzubauen – insbesondere die rentennahen Jahrgänge mit 68 Prozent, verglichen mit 51 Prozent bei den unter 30-Jährigen. Gefragt wurde nach den drei wichtigsten Zielen innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Auf Platz zwei liegt die Altersvorsorge mit 55 Prozent. Auffällig ist dabei die deutliche Altersabhängigkeit: Während sie vor allem bei älteren Jahrgängen eine hohe Priorität hat, nennen nur 39 Prozent der 25- bis 29-Jährigen die Altersvorsorge als wichtiges Ziel für die kommenden fünf Jahre. Bei den 30- bis 44-Jährigen sind es rund 46 Prozent.

„Zwar wissen auch die Jüngeren, wie wichtig Altersvorsorge für sie selbst ist“, sagt Dr. Ruedi Kubat, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben. „Doch viele gehen das Thema erst spät an und verlieren dadurch wertvolles Kapital für den eigenen Ruhestand“, so der Manager.

Im Kontrast dazu steht das Sparziel für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder Urlaub, das 46 Prozent der Befragten verfolgen. Besonders ausgeprägt ist es diesmal bei den Jüngeren: 61 Prozent der Unter-30-Jährigen und 47 Prozent der 30- bis 44-Jährigen nennen dieses Ziel.

Nur 19 Prozent haben ausreichend für das Alter vorgesorgt

Die Befragten sollten auch einschätzen, wie ihre derzeitige Altersvorsorgesituation ist. Dabei gibt nur knapp jeder Fünfte an, gut abgesichert zu sein. Am niedrigsten ist die Zustimmung bei jungen Frauen unter 30, von denen lediglich fünf Prozent sagen, dass sie ausreichend für das Alter vorsorgen.

Am häufigsten wird mit 46 Prozent angegeben, bereits Altersvorsorge zu betreiben – allerdings nicht im ausreichenden Umfang. Zwölf Prozent geben an, das Thema habe noch Zeit, und schieben es entsprechend auf. 18 Prozent der Befragten haben nach eigener Aussage nicht genug Geld übrig, um für das Alter vorzusorgen. Lediglich fünf Prozent haben sich nie mit dem Thema beschäftigt.

Altersvorsorgesituation (Bild: Wenig)

Die Befragten planen durchschnittlich, mit 66 Jahren in Rente zu gehen – unabhängig vom Lebensalter. Im Schnitt erwarten sie einen monatlichen Finanzbedarf von 2.431 Euro (in heutiger Kaufkraft) im Ruhestand.

Was die Menschen von der Altersvorsorge abhält

Was aber hält die Befragten davon ab, ausreichend für das Alter vorzusorgen? Auch zu dieser Frage konnten die Teilnehmer maximal drei Punkte nennen, die am meisten auf sie zutreffen.

Bei den Gründen zeigt sich ein klarer Schwerpunkt: Am häufigsten werden mit 55 Prozent die laufenden Lebenshaltungskosten genannt, die Vorrang vor der Altersvorsorge haben – bei Frauen mit 59 Prozent stärker als bei Männern (50 Prozent).

Dahinter rangiert mit 32 Prozent der Wunsch, nicht auf Lebensqualität, Extras und Urlaub zu verzichten. Danach kommen Ausgaben für Kinder und Familie, etwa für Ausbildung und Betreuung (22 Prozent), gefolgt von Unsicherheit über den eigenen Finanzbedarf im Alter, Schulden (18 Prozent) sowie fehlendem Wissen zu Produkten und Geldanlage (15 Prozent).

Hindernisse, für Ruhestand zu sparen (Bild: Wenig)
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