16.10.2024 (€) – Die Anforderungen von Unternehmen an Industriemakler wandeln sich. Dies zeigt eine Studie von WTW. Demnach wird die Vertragsbearbeitung als bisher wichtigste Tätigkeit von der quantitativen Risikoberatung abgelöst. Dass Risikoberatung für Unternehmen schon heute erforderlich ist, belegt eine Untersuchung im Auftrag von FTI Consulting. Das Beratungshaus hat festgestellt, dass Unternehmen gerade auf solche Krisen, die für sie das größte Risko darstellen, am wenigsten vorbereitet sind.
Welche Anforderungen Kunden an den Industriemakler der Zukunft stellen, hat die Willis Towers Watson GmbH (WTW) in ihrer aktuellen Studie „Broker of the Future“ untersucht.
Insgesamt 43 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen wurden deutschlandweit dazu befragt, wie sie hinsichtlich Risiko- und Versicherungsmanagement organisiert sind. Ebenso, welche Leistungen sie von dem Makler der Zukunft erwarten und welche Kriterien heute und in zehn Jahren ausschlaggebend für die Wahl des eigenen Maklers sind beziehungsweise sein werden.
Laut WTW sinkt die Bedeutung des Versicherungsschutzes
Das Ergebnis: „Vielen Unternehmen ist eine ganzheitliche Risikobetrachtung künftig wichtiger als die reine Frage nach der Versicherbarkeit. Auch wenn der Versicherungsschutz weiterhin ein probater Ansatz für das Risikomanagement bleibt, sinkt dessen Bedeutung zugunsten alternativer Risikotransferlösungen im Laufe der kommenden zehn Jahre“, schreiben die Studienautoren.
Der verlagerte Fokus zeige sich unter anderem darin, dass Eigentragung relevanter werde. So halten aktuell rund 30 Prozent der befragten Unternehmen einen Mix aus Versicherung und Eigentragung für sehr wichtig. Mit Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre sagen dies 41 Prozent.
Auch alternative Risikotransferlösungen gewinnen mit heute 17 Prozent Zustimmung und in fünf bis zehn Jahren 37 Prozent Zustimmung an Bedeutung. Gleichzeitig sinkt die Relevanz des Versicherungsschutzes von 64 Prozent auf 51 Prozent.

- Risikomanagement-Ansätze (Bild: WTW)
Risikoberatung muss künftig zum Leistungsangebot gehören
Mit Blick auf das Leistungsspektrum wird sich die quantitative Risikoberatung laut der Studie zur wichtigsten Dienstleistung eines Industriemaklers entwickeln (heute: 61 Prozent; in fünf bis zehn Jahren: 87 Prozent).
Die Versicherungsvertragsbearbeitung mit Beratung, Vermittlung und Administration legt zwar ebenfalls leicht zu, fällt aber auf den zweiten Platz zurück (83 Prozent; 85 Prozent).
Die Schadenabwicklung verliert etwas (80 Prozent; 78 Prozent). Regelmäßige Gespräche (je 74 Prozent) bleiben aus Sicht der Unternehmen unverändert eine wichtige Leistung.

- Leistungsspektrum der Risikoberatung (Bild: WTW)
Kompetenz in der Risikoberatung entscheidet künftig über Maklerwahl
Auch bei den Erwartungen an die Kompetenzen eines Industriemaklers zeigt sich der Wunsch der Unternehmen, Gefahren ganzheitlicher zu betrachten. So setzt sich die heute zweitplatzierte Risikoberatungs-Kompetenz in fünf bis zehn Jahren an die Spitze (80 Prozent; 87 Prozent).
Die Platzierungskompetenz verliert (87 Prozent; 80 Prozent) und rangiert nur noch an zweiter Stelle. Zu den wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Maklers gehört für die Unternehmen weiterhin eine branchenspezifische Expertise, deren Bedeutung nimmt leicht zu (65 Prozent; 67 Prozent).
Rückläufig sind dagegen die telefonische Erreichbarkeit (59 Prozent; 52 Prozent) und besonders ein eigenes, internationales Netzwerk (59 Prozent; 50 Prozent). Entsprechend des sich verlagernden Fokus auf quantitative Risikoanalysen erwarten Unternehmen, dass Makler im kommenden Jahrzehnt zunehmend technologiegestützt mit ihnen zusammenarbeiten (30 Prozent; 46 Prozent).

- Kompetenzerwartung der Risikoberatung (Bild: WTW)
Es liegt am Makler, diese Kompetenzlücke zu schließen.
Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei WTW
Unternehmen haben Kompetenzlücke bei der Interpretation von Daten
Bei der Zusammenarbeit sind künftig vor allem Lösungen für die Informations- und Datensammlung sowie deren Analyse gefragt. „Der Erfolg eines datengetriebenen Risikomanagements hängt von der Qualität der Daten ab, aber auch von der Fähigkeit, diese korrekt zu interpretieren“, sagt Lukas Nazaruk, Head of Corporate Risk & Broking Deutschland und Österreich bei WTW.
„Dabei stoßen viele Unternehmen aufgrund eines Mangels an Fachkräften oder Expertise an ihre Grenzen. Es liegt am Makler, diese Kompetenzlücke zu schließen und dabei zu helfen, die Erkenntnisse für eine maßgeschneiderte Strategie zur Risikoabsicherung zu nutzen“, so Nazaruk.
FTI nimmt Umgang von Unternehmen mit Krisen unter die Lupe
Dass Risikoberatung für Unternehmen erforderlich ist, zeigt eine Untersuchung des Think Tank Economist Impact, eine Marke der The Economist Newspaper Limited im Auftrag von FTI Consulting, Inc. zum Umgang von Unternehmen mit Krisen.
Für die Studie wurden im April und Mai 600 primär juristische Entscheidungsträger in Nordamerika (25 Prozent), EMEA (50 Prozent) und dem Asien-Pazifik-Raum (25 Prozent) befragt. Alle Studienteilnehmer arbeiteten in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar (96,5 Millionen Euro).
Unternehmen sind langsam darin, aus Erfahrungen zu lernen?
Demnach sind Unternehmen gerade auf solche Krisen, die für sie das größte Risko darstellen, am wenigsten vorbereitet. So rangieren Reputationsschäden oder Störungen im Betriebsablauf nicht nur unter den ersten drei Krisentypen, sondern auch unter den ersten drei Gefahrenlagen, auf deren Bewältigung die befragten Unternehmen nach eigenen Angaben am wenigsten vorbereitet sind.
Zudem sind die Unternehmen langsam darin, aus Erfahrungen zu lernen, um auf dieser Basis künftig besser mit Krisen umgehen zu können. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen haben Lehren aus vergangenen Krisen nicht in ihre Schulungen und Krisenübungen einfließen lassen.
Ferner nutzen mehr als die Hälfte der befragten Organisationen bisher nicht künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) im Krisenmanagement. Beides kann helfen, umfassende, granulare und präzise Krisenfolgenabschätzungen zu erstellen.
Außerdem verfügen nahezu 70 Prozent über kein funktionsübergreifendes Ad-hoc-Krisenteam oder eine Auswahl an im Vorfeld selektierten externen Beratern, die im Krisenfall unmittelbar zur Verfügung stehen. Und dass, obwohl dies als eine der drei wichtigsten Prioritäten ihrer Rechtsabteilungen genannt wurde.




