Versicherer zwischen Rendite und Kosten

17.11.2003 (€) – Das Jahr 2002 war das schwierigste für die deutschen Lebens-Versicherer seit 1945. Dass es nur zu einem Protektor-Fall gekommen ist, wertet der Finanzexperte Professor Jörg Finsinger vom Institut für Betriebswirtschaftslehre der Universität Wien als gutes Zeichen.

Er hat kürzlich zum siebten Mal exklusiv für die „Wirtschaftswoche“ die Bilanzen von mehr als 70 deutschen Lebens-Versicherern auf den Prüfstand gestellt.

Hohe Rendite bei niedrigen Kosten

Ergebnis: Sieben Gesellschaften schafften es hervorragend (fünf Sterne), nachhaltig niedrige Kosten bei hoher Rendite zu bieten:

Wie gewertet wurde

Das jährlich erscheinende Rating stellt einen Indikator für die finanzielle Situation der Lebens-Versicherer in Deutschland dar. Finsinger, Inhaber des Lehrstuhls für Finanz-Dienstleistungen, analysiert dazu die Bilanzen.

Dazu konstruiert er eine Modell-Gesellschaft, auf die er für jedes Unternehmen die Kennzahlen für Kapital-Verzinsung, Verwaltungs- und Abschluss-Kosten sowie die Ausschüttungs-Quote überträgt.

Erstmals wurde jetzt auch das für die Zukunft verfügbare Risiko-Kapital ermittelt, mit dem sowohl die versicherungstechnischen Risiken getragen als auch riskante Kapital-Anlagen unterlegt werden können.

Die Finsinger-Kennzahl

Am Ende steht die so genannte Finsinger-Kennzahl.

Sie ist ein Maßstab dafür, wie viel Geld ein Unternehmen in Zukunft für seine Kunden erwirtschaften kann und wie hoch folglich seine Leistungen sein können. Zur besseren Lesbarkeit wird die Kennzahl in Sterne übersetzt.

21 Versicherer schafften vier Sterne

Insgesamt schafften 21 weitere Versicherer vier Sterne, darunter nicht so häufig erwähnte Versicherer wie Helvetia, Concordia, Süddeutsche oder Öffentliche Leben Sachsen-Anhalt.

Allerdings kamen auch 17 Gesellschaften nicht über einen einzigen Stern hinaus. Darunter auch von anderen Agenturen immer wieder als schwach bezeichnete Anbieter wie Inter, Gothaer, Victoria, Bayerische Beamten oder Gerling.

Prognosen der Versicherer im Praxis-Test

Einen Aufschwung verzeichneten dagegen insbesondere seit dem Rating 2002 solche Gesellschaften wie Asstel, Itzehoer, Karlsruher Hinterbliebenenkasse, LVM und WGV.

Andererseits weichen laut Finsinger die angekündigten Renditen einiger Unternehmen von den realistischen Renditen ab.

Wie Anbieter im Finsinger-Rating abschneiden1

Gesellschaft

Sterne

Prognose-Rendite der Gesellschaft 2003 (%)

Realistische Rendite laut Finsinger-Team (%)

Asstel

*****

6,40

6,23

Neue Leben

*****

4,75

5,13

Debeka

*****

5,52

5,39

Itzehoer

*****

k.A.

5,30

Karlsruher Hinterbliebenen

*****

4,25

5,65

LVM

*****

3,93

5,25

WGV

*****

4,50

5,15

Europa

****

5,63

4,94

Helvetia

****

3,71

5,34

Süddeutsche

****

4,16

4,96

Concordia

****

3,70

5,12

Hannoversche

****

3,30

4,61

Alte Leipziger

***

3,60

5,49

Basler

***

4,47

5,44

Swiss Life

***

k.A.

5,17

Iduna

**

3,77

5,39

WWK

**

4,88

5,17

DBV-Winterthur

**

4,15

5,09

Karlsruher

**

k.A.

5,28

Inter

*

3,85

4,12

Victoria

*

3,73

4,53

Nürnberger

*

k.A.

4,47

Gerling

*

k.A.

4,44

Arag

*

k.A.

5,01

Mannheimer

*

k.A.

3,61

1 Auswahl von hervorragenden (*****) bis schwachen (*) Gesellschaften. Quelle: Wirtschaftswoche 43/2003

Datenquelle: Prof. Finsinger und J.-F. Marx (BeraCon Unternehmensentwicklung Köln)

Weitere Daten im Rating

Das Rating weist auch für die Jahre 2000 bis 2002 die Quoten für Abschluss- und Verwaltungs-Kosten aus sowie die Quote, wie viel Anteil der Erträge die Unternehmen 1996 bis 2002 an die Kunden ausgeschüttet haben.

Letztere differiert zwischen zu hohen 103,85 Prozent (Provinzial Nord) und mageren 72,21 Prozent (BHW).

Die Untersuchung liegt als eigenständige Dokumentation vor. Sie kostet inklusive Versand 348 Euro samt 16 Prozent Mehrwertsteuer (Bestellung per E-Mail).

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