12.4.2011 (€) – Die zur Sparkassenverbund gehörenden öffentlich-rechtlichen VGH Versicherungen haben für das Geschäftsjahr 2010 nach eigenen Angaben wieder ein „sehr solides“ Ergebnis vorgelegt. Vorstandschef Robert Pohlhausen sieht den Marktführer in Niedersachsen bei Wachstum und Sicherheit auf Kurs. Eine „bemerkenswerte“ Steigerung dank eines weiter forcierten Einmalbeitragsgeschäfts registriert er in der Lebensversicherung, während im Kompositbereich der harte Verdrängungswettbewerb nach wie vor kaum Wachstum zulasse. In der Krankenversicherung konnte die VGH von Wegfall der Dreijahresfrist profitieren.
Insgesamt steigerten die VGH-Unternehmen Landschaftliche Brandkasse, Provinzial Leben, Kranken und Pensionskasse die Beitragseinnahmen um 5,6 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Einschließlich der zur Gruppe gehörenden öffentlichen Versicherungen in Bremen und Oldenburg sowie der Alten Oldenburger Krankenversicherung wurde ein Beitragszuwachs von 5,9 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro erreicht.
Pohlhausen bezeichnete dieses Abschneiden angesichts der von Niedrigzinsen bestimmten Finanzmärkte nicht als Selbstverständlichkeit.
Schadenlast so hoch wie im „Kyrill“-Jahr
Das VGH-Mutterunternehmen Landschaftliche Brandkasse legte bei den Beitragseinnahmen um 0,7 Prozent auf 960 Millionen Euro zu. Dass in dem stark preisgetriebenen Geschäft überhaupt ein Wachstum erzielt wurde, führt Pohlhausen auf neue Produkte sowie den Einschluss grober Fahrlässigkeit in wichtigen Sparten des Privatkundengeschäfts und die Übernahme von Extremwetterschäden in die Grunddeckung ihrer Gebäude- und Hausratversicherung zurück.
Spuren im Schadenaufwand hinterließ die Zunahme von kleineren und mittleren Masseschadenereignissen infolge außergewöhnlicher Wetterlagen. Der Schadenaufwand lag mit 609 Millionen Euro (+4,7 Prozent) auf dem Niveau des „Kyrill“-Sturmjahres 2007.
Die Schaden-/Kostenquote erhöhte sich auf 92 (Vorjahr: 89) Prozent, blieb damit aber spürbar unter dem Marktdurchschnitt von 97 bis 98 Prozent, wie Pohlhausen anmerkte.
Kfz-Prämien sollen steigen
In der Autoversicherung, in der der Verdrängungswettbewerb am intensivsten ist, musste 2010 ein Rückgang der gebuchten Beiträge um 1,2 Prozent auf 322 Millionen Euro hingenommen werden. Im Gegensatz zum Jahreswechselgeschäft 2009/2010, als 10.000 Fahrzeuge an die Konkurrenz verloren gegangen sind (VersicherungsJournal 27.4.2010 und 10.12.2010), steht 2010/2011 ein positiver Saldo von 1.500 Fahrzeugen zu Buche.
Nachdem seit 2005, wie Vorstand Jochen Herdecke erläuterte, in der Branche durch den harten Preiskampf „viel Geld verbrannt“ worden sei, zeichne sich jetzt ein festerer Markt ab. Daher sollen die Kfz-Tarife zum 1. September erhöht worden, wobei die Brandkasse mit ihrem Aufschlag unter fünf Prozent bleiben will.
Da die Brandkasse, bei der jedes fünfte Auto in Niedersachsen versichert ist, sich nicht an jeder Preissenkungsrunde beteiligt und im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern ihre Schadenreserven weiter verstärkt hat, verharrte die Schaden-/Kostenquote bei 103 Prozent, während diese sich im Marktdurchschnitt auf 107 Prozent verschlechterte.
Erneut Schub durch Einmalbeiträge
Bei der Provinzial Lebensversicherung übertraf das Beitragsvolumen mit 755 Millionen Euro den Vorjahreswert um 12,5 Prozent. Einmalbeiträge in Höhe von 237 (144,5) Millionen Euro trugen entscheidend zu dem Wachstum bei. Vorstand Thomas Krüger betonte jedoch, dass das Einmalbeitragsgeschäft nur ein knappes Drittel des gesamten Beitragsvolumens ausmacht.
Außerdem verwies der Ressortvorstand darauf, dass die Bestandskunden nicht benachteiligt werden sollen und auch die Solvabilität auf stabilem Niveau gehalten werden soll. Daher sei auch Anfang 2011 für aufgeschobene Versicherungen gegen Einmalbeitrag zusätzlich eine laufzeitabhängige, gestaffelte Überschussbeteiligung mit einer Laufzeit von sieben Jahren festgelegt worden.
Zufrieden ist man mit dem Geschäft gegen laufende Beiträge, obwohl es erneut schrumpfte und zwar um 1,7 Prozent auf 518 Millionen Euro. In der mit 4,2 Prozent unter dem Marktdurchschnitt von 5,6 Prozent liegenden Stornoquote in der Lebensversicherung sieht Krüger einen Beleg für die hohe Produkt- und Vertriebsqualität.
Nettoverzinsung gestiegen
Sowohl bei der Brandkasse als auch bei der Provinzial Leben wurden die Kapitalanlagen aufgestockt. Trotz niedriger Zinsen verbesserte sich die Nettoverzinsung bei der Brandkasse auf 3,7 (3,5) Prozent und bei der Provinzial auf 4,3 (4,1) Prozent. Der Gewinn der Brandkasse vor Ertragsteuern und Dotierung der Rückstellung für Beitragsrückerstattung verringerte sich auf 80 (102) Millionen Euro, während er bei der Provinzial Leben auf 157 (137) Millionen Euro zulegte.
An die Kunden der Brandkasse fließen als erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung in diesem Jahr 20 (19) Millionen Euro, an die der Provinzial 146 (131) Millionen Euro in der Form von RfB-Zuweisungen und Direktgutschriften.
Für 2011 verhalten optimistisch
Für das laufende Jahr zeigte sich Pohlhausen verhalten optimistisch. Er erwartet trotz der anhaltenden Marktverteilungskämpfe ein leichtes Wachstum im Kompositbereich. In der Lebensversicherung soll das Ergebnis von 2010 „mindestens“ gehalten werden. Potenzial biete nach wie vor das Einmalbeitragsgeschäft, weil hier zwölfjährige Policen verstärkt ausliefen.
Positive Auswirkungen verspricht sich Pohlhausen auch dadurch, dass noch bis Ende 2011 Renten- und Lebensversicherungen zum Garantiezins von 2,25 Prozent abgeschlossen werden können. Ab 1. Januar 2012 (VersicherungsJournal 22.2.2011) liegt dann der Garantiezins bei 1,75 Prozent, ein nach Ansicht von Krüger immer noch attraktiver Satz.
Neugeschäftssteigerung in Kranken
Die zur VGH gehörenden privaten Krankenversicherer Alte Oldenburger und Provinzial Kranken profitierten von dem Wegfall der Dreijahresfrist. In ersten Quartal 2011 konnte die Alte Oldenburger das Neugeschäft um ein Drittel und die Provinzial um 15 Prozent steigern. Spürbar angezogen habe vor allem das Neugeschäft in der Vollversicherung. Vertriebsvorstand Andreas Dienst führt dies auch auf die im Marktvergleich hohe Beitragsstabilität sowie niedrigen Stornierungen und Kostenquoten zurück.
Im Gegensatz zu anderen privaten Krankenversicherern beteiligt sich die Alte Oldenburger nicht am Provisionswettlauf. Die Makler erhalten nach Angaben von Ulrich Knemeyer, der beide Unternehmen führt, nur sechs Monatsbeiträge für die Vermittlung einer Krankenvollversicherung, während in der Branche 14 Monatsbeiträge und mehr gezahlt werden.
Eine Verringerung des Ausgabendrucks erhofft sich die beiden Krankenversicherer von den seit diesem Jahr nicht nur für die gesetzlichen, sondern auch für die privaten Krankenversicherer geltenden, gesetzlich eingeführten Arzneimittelrabatten. Uneingeschränkt unterstützt Knemeyer auch die gesundheitspolitischen Bestrebungen des PKV-Verbandes, der sich für eine Neuregelung der Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte stark macht.
Ertragreiches Wachstum 2010
Im Geschäftsjahr 2010 konnte die Krankenversicherungs-Gruppe ihr ertragreiches Wachstum fortsetzen. Die gebuchten Bruttobeiträge wuchsen um 8,8 Prozent auf 232,7 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte des Zuwachses stammte aus dem „echten Neugeschäft“, wenngleich die Kunden der Alten Oldenburger Beitragserhöhungen hinnehmen mussten.
Der Kundenstamm wuchs um gut 10.000 auf 291.364. Die Zahl der Vollversicherten erhöhte sich um 1.380 auf 56.865, die der Zusatzversicherten auch dank der Kooperation mit der AOK Niedersachsen um 8.252 auf 234.499. Aufgrund des Ausgabendrucks erhöhten sich die Bruttoaufwendungen für Versicherungsfälle um 7,3 Prozent auf 120,9 Millionen Euro. Besonders zu spüren ist den Angaben zufolge der Leistungsanstieg in der Vollversicherung.
Kapitaleinlagen verstärkt
Durch eine weitere Stärkung der Alterungsrückstellungen will die Gruppe für die Zukunft vorsorgen. Der Kapitalanlagebestand wuchs um 13,9 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro. Wegen der schwierigen Kapitalmarktverhältnisse verringerte sich die Nettoverzinsung von 5,5 auf 4,7 Prozent (Alte Oldenburger) beziehungsweise von 5,5 auf 4,6 Prozent (Provinzial).
Die Verwaltungskostenquote lag bei der Alten Oldenburger bei „günstigen“ 1,7 (Vorjahr: 1.6) Prozent. An diese Quote soll auch die Provinzial herangebracht werden, die auf eine Kostenquote von 2,8 (3,0) Prozent kommt. Dies gilt gleichermaßen für die Abschlusskostenquote in Prozent der Bruttobeträge von 9,6 Prozent bei der Provinzial und 5,1 Prozent bei der Alten Oldenburger.
Der Bruttoüberschuss vor Zuführung zur RfB und Steuern verbesserte sich bei der Alten Oldenburger auf 30,3 (226,3) Millionen Euro und bei der Provinzial auf 6,8 (3,8) Millionen Euro.




